Herbstzeit, Winterzeit, Zeit der warmen Klamotten. Und eines « Kettenbriefes » auf allen üblich verdächtigen Kanälen des Netzes, in dem die Pelztierhaltung herzzerreissend angeprangert wird, gekrönt von einem Foto unbekannten Datums und unbekannter Herkunft. Teils « einfach so » reingestellt und verbreitet, teils mit übler Polemik gegen mit Namen genannte Modedesigner. So weit, so gut. So zweifelhaft. Tierhaltung und deren Bedingungen also mal wieder.

Weil diese Bedingungen und der Umgang mit den Tieren ja so fürchterlich sind, esst ihr also konsequenterweise nichts, das Eier enthält. Neeee, Bio. Von freilaufenden Hühnern. Von einem kleinen Betrieb. Mit 300 000 Tieren, die Flächen von gewaltigen Ausmassen zerscharren, weil Huhn das mal so tut. Flächen, auf denen Hunderte Ein-Euro-Jobber in gebückter Haltung tagein tagaus die Eier aufklauben, fein sanft in die Schachteln legen, hier und da noch ein Federchen dazu ? Oder kommen die, weils ja doch so zwei, drei mehr sein dürften bei unserer Bevölkerungszahl, doch eher aus « Batteriehaltung » ? Ich glaub ja nicht, dass Huhn so irre viel Platz hat, um unseren täglichen Bedarf zu decken. Für dich. Für mich. Für sieben Milliarden weitere. Ach nee, 2/3 haben ja nichts Ordentliches zu kauen.

Ihr esst bestimmt auch kein Fleisch, weil das auch unter zweifelhaften Bedingungen produziert wird, oder ? Bestimmt auch nicht beim Junk-Anbieter im Vorbeifahren. Vorbeifahren kannst in der « neuen Welt » an Schlachtfabriken, deren Viehwartezonen auf den Tod von hier bis an den Horizont reichen. Irre. Ausserdem ist das überwiegend wässeriges Fett, das ist nicht gut. Mageres Hühnchen- und Putenfleisch fällt auch aus. Die Biester werden undenkbar unwürdig in ein paar Monaten vom niedlich gelben Federknäuel auf Riesenschenkel und -brüste gemästet und können wegen des nicht hinterherwachsenden Knochenbaus nicht laufen. Geht gar nicht. Aber günstig liegen sie abgepackt beim Discounter. Lass es frisch sein. Und nach was schmecken. Wie früher, beim Dorfschlachter um die Ecke. Hauklotz, Hackebeil, Kopp ab. Keine Fabrik, in der die Betäubungsanlagen auch mal ein paar Minuten nicht fehlerfrei arbeiten, während das Transportband da durchrattert.

Auch isst du nichts, was irgendwie nach Fisch riecht. Ach so, tuts ja auch nicht mehr, wurde den Biestern inzwischen soweit möglich auch weggezüchtet. Nee, wenn, dann ganz natürlich. Aus riesigen Fischfarmen, um die herum die Wasserqualität wegen der Fäkalien ( ja, Fische scheissen ins Wasser ) bös grenzwertig ist. Kommt aber nicht am Strand an. Nur in Form von Quallen und Algen, die das Zeug nahrhaft und geil finden und sich prächtig vervielfältigen. Oder Hochsee. Hochsee ist gut. Beifang muss abgeliefert werden. Klarer Fall. Nur, die Kähne, mit denen gefangen wird, die sind so riesig und so teuer, dass die sich ein einzelner Fischer nicht leisten kann. Die gehören Firmen. Aktiengesellschaften. Und jeder ordentliche Kaufmann packt sich bestimmt die Kühlkapazitäten mit für ihn wertlosem Beifang zu, auf dass die Anteilshaber sich zum Jahresende einen Betrag zur Deckung der laufenden Kosten und der Wartungsarbeiten des Eimers aufs Konto schieben können, hab ich soweit richtig verstanden, ja ? Es geht nicht um Gewinnmaximierung. Gute Sache. Oder vielleicht doch nicht so ganz und es geht ums Scheffeln, um nur nach oben zeigende Kurven und Zahlen in den Berichten und bei der Bank, damit es ein richtig rauschendes Fest wird mit allem pipapo ?

Warte, forsche ich kurz im Internet nach. Mit einem Rechner oder unterwegs mit dem Tablett, welches wahrscheinlich einen programmierten Frühtod sterben wird, auf dass ich bald einen neuen kaufen muss, während die Reste des « alten, kaputten, sowieso technisch nicht mehr up to date befindlichen Gerätes » an einem westafrikanischen Strand verklappt werden. Gut, dass der Akku noch so lange hält. Der besteht nämlich aus Rohstoffen, die leider in unserer « ersten Welt » nicht so an der Oberfläche rumliegen, sondern in Schwellenländern unter zumeist fragwürdigen Bedingungen abgebaut werden. Bevor die daraus gewonnenen Einzelteile wild um den Globus geschippert werden zur Endfertigung. Ja, mit Containerfrachtern, den Giganten der Meere. Ein fünfzehnstöckiges Hochhaus ist Lego, neben einem solchen Pott. Diese Dreckschleudern. Jo. Weil die nämlich den Dreck verfeuern, der bei der Herstellung von « sauberem », vor allem schwefelbereinigtem Sprit fürs liebe Auto übrigbleibt und irgendwie wegmuss. Du fährst doch Diesel ? Und nicht so einen alten, räuchernden Stinker, nein fein hochmodern, oder ? Diesel aus Raps. Gefühlt ist halb Deutschland gelb im Frühsommer, um das Zeug « nachwachsend » zu gewinnen. Pumpe Düse, auf dass die Leistung stimmt. Nur … da kommen Restpartikelchen hinten raus, die die Lunge nicht mehr verarbeitet bekommt und die du nicht schlicht raushustest. Der Kram wird stattdessen mit diversen Katalysatoren aus teuersten, weil seltenen Rohstoffen rausgefiltert. Oups. Dann lieber Benziner. Braucht leider auch so üble Kats. Wegen der steigenden « Umweltauflagen » noch nicht ganz zweistellig an der Zahl. Pro Karre. Und nimmt Biosprit. Von unvorstellbar grossen Anbauflächen in Südamerika und Asien. Das Zuckerrohr, was da wächst, ist zu nichts anderem nutze ausser der Herstellung von Sprit. Wirklich unvorstellbar grosse Flächen werden damit bebaut. Das Volk hat aber nichts mehr zu essen. Und fackelt, sofern es nicht ohnehin schon für nachwachsendes Benzin passiert, den Wald ums Dorf drumrum ab, damit wenigstens das Allerallernötigste an Nahrung noch angebaut werden kann.

Nee, Hybridauto, leicht und sparsam und umwelthip. Das mit den Akkus hatte ich schon, oder ? Mit dem ganzen elektronischen Schnickschnack, der da noch so drin ist, fang ich mal lieber gar nicht erst an. Da hauen Firmenkonglomerate das Gestrüpp namens « Wald » weg, weil an Rohstoffen gebraucht wird, was unter der zarten Erdfläche lagert. Leider auch nicht in unseren Gefilden, sondern äquatornah. Aber für Hightech-Geräte wie so eine Steuerlektronik das fürs Auto nun mal ist, dafür ist es erforderlich. Zurück zum Hybridflitzer. Karosse aus Alu und Verbundkunststoffen. Leicht. Irrsinnig teuer in der Herstellung, weils es in einer einzigen Fabrik für die Gerätschaften zur Aluherstellung und den Backöfen fürs Kohlefaserzeug den Jahresstromverbrauch einer gar nicht mal so kleinen Stadt hat. Am Tag. Atom ist kacke, Öko rockt. Energie aus  Biogas, das ist die Zukunft, jawoll. Hochsubventioniert schiessen die Kübel schlimmer als Pilze aus dem Boden. Gefüttert mit Mais. Ach nee, die brauchen ja nur das Grünzeug, also aus einer weiterentwickelten Pflanze, die keine Frucht mehr trägt. Spart die Kosten fürs Pflücken. Und einen riesigen Hunger haben diese Gärpötte. Wieder der ein oder andere Hektar weg. Sogar hier im Land. Soweit er nicht dichtgepflastert ist mit Solarpaneelen. Aus Rohstoffen hergestellt, die auch nicht an der Oberfläche so rumliegen. Aber die arbeiten mit Licht. Jo. blöderweise aber hier auf der nördlichen Halbkugel nicht gaaaanz so effizient. Steckst die in Brand, arbeiten die toll, weils irre Licht gibt. Beinahe ein perpetuum mobile. Gelöscht bekommst das nicht vernünftig, lass runterbrennen. Da gehen lustig funkensprühend chemische Kombinationen in die Luft, da schlagen die Herzen derjenigen, die auf diese lustig bunten Modelle und Formeln stehen, Purzelbäume vor Freude.

Dann halt Windkraft, ist nicht ganz so doof. Jupp. Aber nicht vor meiner Türe, so einen fauchenden Riesen. Wirst ja kirre von. Ausserdem sterben Vögel, weil die in die Zugbahn reinragen, so hoch sind die inzwischen, auf dass das Sirren und Surren und Brummen des Generators da oben unten nicht mehr zu hören ist. Also offshore, raus aufs Meer, da fliegen die Biester ein bisserle höher. Geht im Flachwasser. Nordsee ist cooler als die Ostsee, weil da mehr Platz ist, bis da wieder einer wohnt. Dummerweise wurde « vergessen », dass da die Nachlassenschaften zweier gar nicht mal so kleiner kriegerischer Auseinandersetzungen munter verklappt wurden und sich durch die doofe Meeresströmung wild verteilt haben. Mit dem Freischaufeln der Wege für die Kupferleitungen Richtung Festland verdient sich eine holländische Firma gerade eine Platinnase nach der anderen. Ist dem Betreiber aber relativ egal, weil das ja subventioniert wird, vom Staat. Zum festen Kurs, an dem die kommenden 20, 30 Jahre nichts gedreht werden kann, müssen die Energieversorger den Betreibergesellschaften den Strom abnehmen. Sonst wirds ja nicht mehr lukrativ. Zu teuer. Würde kein vernünftig rechnender Kaufmann anfassen, so ein Projekt, viel zu unberechenbar und damit unsicher. Beguck mal Deine Stromrechnungen der letzten Jahre, wer das finanziert. Windiges Geschäft. Und du dachtest, du könntest vernünftig rechnen und hast das unter Kontrolle.

Auf den Schreck einen Orangensaft. Oder Tomate. Ist gesünder und auch noch billiger. Weil hier horrende Gelder zu Produzenten fliessen, die ganze Landstriche unter Folie und Glas verschwinden lassen, damit die ganzjährige Versorgung sichergestellt ist. Weil die Bedingungen so toll sind, produzieren sie eine Menge. Wollen ja verdienen. Und machen so viel, dass zudem irre viel übrigbleibt. Muss leider, weil sonst fürs nächste Jahr der Geldfluss abgedreht wird. Wegschmeissen und vergammeln lassen ist doof. Also packen wir das in Container und schippern das zu den Hilfebedürftigen nach Afrika. Da wird der Krempel dann nahezu verschenkt. Das Volk greift zu. Und das da blöderweise in der Umgebung ansässige Bäuerchen auf dem lokalen Markt sieht zu, wie seine eigene Ernte, die er schon zum Selbstkostenpreis anbietet, vergammelt. Weil der Kram einfach teurer ist, als das, was von den guten Menschen aus dem fernen Europa da hingekippt wird. Zu Hause gibt es keine Zukunft mehr, also die Habseligkeiten geschnürt und auf nach Europa. Wenn die da das Geld schon verschenken, können die das auch mir geben. « Ich würde dafür sogar arbeiten und die Sprache lernen wollen. Kann ich was nach Hause schicken, damit die Daheimbleibenmüssenden und Oma sich dann auf dem dortigen Markt wieder was Schönes kaufen können. Ausserdem haben die mir die Reise bezahlt, alle zusammen. » Nee, ist mir alles zu doof, ich hau ab auf meine Südseeinsel. Toll, dass die Preise für den Flug sich noch auf dem Niveau von 1985 gehalten haben. Für hin und zurück. 1985 bist zu dem Kurs nur hingekommen. Und Flugbenzin lässt sich leider nicht so wie fürs liebe Auto ohne weiteres zusammenbrauen. Wird dir ganz kalt von, nicht ? Schnell den Pelz über. Aber nicht den echten, das ist ja widerlich. Nee, Kunstpelz, den kannst mit reinem Gewissen kaufen. Günstig. Weil das in Asien zusammengeschneidert wird. Unter Bedinungen, zu denen du nicht mal deinen Hund halten würdest. Geschweige denn sowas deinem Nachwuchs zumuten, egal, was der grad ausgefressen hat. Ist da auf dem anderen Kontinent aber Tagesordnung. Die Materialien wie der tolle Kunstpelz kommt aus chemischer Produktion. Für die jede Menge Erdöl gebraucht wird. ( Wie eigentlich für alles, was so jeden Tag in den Körper getan wird und in dessen Zutatenliste irgendwas mit « E » auftaucht. Erdöl als Grundstoff. Und Schimmelkulturen, damits schmeckt. ) Wo da die Abfälle hingekippt werden, das will ich lieber nicht wissen. Passiert ja nicht hier. Ist gottseidank ganz schön weit weg. Und unblutig, nichts fürs Tagesprogramm in der Glotze.

So. Ich geh jetzt Zähne schrubben. Aber nicht mit der Superweiss *pling* Zahncrème, deren Nanoteilchen nicht weggespült werden, weil sie sich in so kleinen Ecken festsetzen können, dass selbst Wasserteilchen wie ein Fussball erscheinen, während sie dran vorbeischwimmen. Nanodreck wird über kurz oder lang in die Zellen wandern. So, wie der Plastemüll, der auf den Weltmeeren verklappt mächtig in kleinste Bestandteile zerrieben wird oder zerfällt und von den da doof rumschwimmenden Viechern aufgenommen, aber nicht ausgeschieden wird, sondern auch bei denen in die Zellen wandert. Bevor sie heute mittag im take-away junk wieder in meinem Körper landen könnten. Anschliessend Dusche. Mit Gel aus der Nachfüllpackung, damit der Verpackungsberg nicht noch schneller wächst. Fliegt in den Gelben Sack. « Grüner Punkt » heisst das Projekt, das hinterher den ja so viel weniger werdenden Müll trennt. Halt ! Ist das nicht eine Gesellschaft ? Dann müssen die ja Geld verdienen. Mit möglichst jährlichen steigenden Konzernzahlen und steigendem Gewinn. War wohl nichts. Hoffentlich hol ich mir mit der Duschgelverpackung nichts. Wird wohl dermatologisch getestet sein. An Tieren. Stinknormale Seife wird aus Knochen zusammengekocht. Macht auch blitzeblank und nicht alles muss nach Kernseife müffeln. Hinterher ein paar Tropfen Öl und die Haut trocknet nicht aus.

Pelztierhaltung. Als ob das was irrsinnig weltbewegendes wäre. Die nächste Eiszeit kommt bestimmt. Her mit dem Pelz. Dem echten. Da stink ich nämlich nicht so drin wie im Kunstzeugs. In dem riechst wie der Spender.

Mensch, schmeiss einfach mal dein Hirn an. Und fang vor deiner eigenen Tür das Kehren an, bevor du tränenreich irgendwas unreflektiert « wegen des schlechten Gewissens » und der ach so « bösen Anderen » teilst.