Mind-field of Obstacles

Ich läster bekanntermassen ja gerne über Bilder, die einen irrsinnig schmalen Schärfebereich aufweisen und nenne das ganz schnöde « Offenblendzwang ». Das liegt darin begründet, als ich bei sehr, sehr vielen Bildern einfach keinen Grund dafür sehe. Die « Berechtigung » für einen exessiven Offenblendeinsatz ist in den allermeisten Fällen einfach nicht gegeben. Bei vielen Knipsern habe ich den Eindruck (und werde ihn auch nicht los), dass ausser dem Aufreissen der Blende weitere kompositorische Elemente nicht bekannt sind.


Offenblende im Dauereinsatz ist wie BilderPappKlappBuch. Deutlicher ? Kleinstkind. Laufanfänger. Wie Dosenfutter. Aufreissen, aufwärmen, essbar. Und doch irgendwie fade. Auf Dauer sowieso.
Hat Dich jemals jemand gefragt, warum Dir ein Bild gefällt ? Da kommst ins Stottern, oder ? Unter der Oberfläche grossartiger Fotografien verstecken sich häufig – wenn nicht sogar meistens – geometrische Designs, welche « gefallen ». Das funktioniert eigentlich bei jedem, der wenigstens ein ganz klein bisschen « guten Geschmack » und einen « Harmoniesinn » hat. Es wird Deine Art des Sehens und damit auch Deine fotografischen Fertigkeiten ganz erheblich nach vorne bringen, wenn Dir ein paar Dinge bewusst sind. « Bewusst » im Sinne von Wissen. Gar nicht mal überflüssiges. Finde ich.


Die Werkzeugkiste des Fotografen hat eine immense Menge zu bieten, von dem sich leider viel zu viele Knipser überhaupt kein Bild machen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mir ist es im Grunde genommen auch völlig egal, was wer macht. Solange er nicht anfängt darauf rumzureiten, seine Sicht sei « der Nabel der Welt der Fotografie » :shock:


Einen kleinen Einblick in die Begrifflichkeiten in Sachen Komposition ? Auf- und absteigende Diagonale sind ja noch halbwegs einfach zu verstehen. arabesque, Figure-to-Ground-Verhältnis, GAC, aerial perspective, coincidences, Symmetrien, enclosures :grin: – das wird eine Melodie, da kommt langsam Musik zustande :wink: Und nach den deutschen Übersetzungen fahnde ich auch noch. Ist manchmal nicht ganz einfach.


Keine Ahnung, wer es mal gesagt hat (ich meine, es war Cary WOLINSKY, nagel mich dafür aber nicht an die Wand, wenn es doch noch ganz woanders herkommt … ) :

« Der Unterschied zwischen einem guten und einem herausragenden Bild sind manchmal nur wenige Zentimeter »
Da ist was dran. Wir werden das noch sehen. Nicht mehr heute, aber es wird kommen :wink:


Die Geschichte als solche ist nicht ganz einfach und wahnsinnig komplex :wink: ; viele Sachen gehen nahtlos ineinander über oder ergänzen sich oder machen sonstwas. Es kann daher sein, dass ich ein klein wenig durch den Garten der Künste schlinger, wie ein Schiff auf hoher See. Ich erhebe absolut keinen wissenschaftlichen Anspruch mit meinem Geschreibsel. Aber ich freue mich über jeden, der keinen Stock im Hintern hat und sich sofort an die Karre getreten fühlt, sondern anfängt, sich Gedanken zu machen. Über das, was uns mit der schwarzen Kiste eigentlich in die Hand gegeben ist. Was sich damit Irres veranstalten lässt. Und was so ganz vielleicht die Gründe sind, warum manche Bilder « die sogar meine kleine Nichte machen könnte » in Museen hängen, Deine eigenen Machwerke aber nicht.


Ich freue mich über jeden, der irgendwann dahintersteigt, dass das technische Geschwafel über Kameras und Optiken und Schärfe bis in die Ecken bei « Fotografie » nur einen verschwindend geringen Anteil ausmacht. Ich sehe jeden als Gewinn, der einsieht, warum es heutzutage so irrsinig viele unsäglich schlechte Bilder gibt. Vor allem von den selbsternannten « street-Fotografen ». Von hinten abballern ist etwas deutlich ganz anderes, als die perfekte Umsetzung von Geometrie in einem « alltäglichen » Bild, wie CARTIER-BRESSON es gemacht hat. Wenn Henri wüsste, wer sich alles so inbrünstig auf ihn bezieht – er würde gar gruselig mit den Knochen klappern, auf dass sich der gleich in der Strasse abgeschossen Werdende umdreht und den Moment zu einem Moment macht. HCB (und nicht nur er) war ein Meister der Komposition.


Ich stehe auf dem Standpunkt, dass auch ein ungeübtes Auge mit Komposition etwas anfangen kann. Und wenn es für den Kopf dahinter in einer « Verstörung » endet. Aber jeder, der ein klein wenig Sinn für Harmonie hat und « Geschmack », der springt auf ein « gut durchdachtes und komponiertes Bild » an. Bin ich fest überzeugt von. Vielleicht kann ich dem einen oder anderen mit meiner kleinen Serie ein wenig die Augen öffnen.


Wenn Du meinst, « Geht mich nichts an ; Regeln gehören gebrochen », dann surf einfach weiter. Viel Spass mit Deinen Knipsereien. Für alle diejenigen, die wissen möchten, warum ein Bild « funktioniert » : C’est parti.

Couple à Berlin – « Admiralsbrücke »

Teil 1 : Die ganz Billigen

Drittelregel

Die « Drittelregel » hat ihren Namen daher, als das Bild horizontal wie vertikal in je drei gleich breite Teile zerlegt wird. Auf den Schnittpunkten positionierte Hauptobjekte wirken dann nicht mehr ganz so statisch, wie in die Mitte geklatscht.
Völlig gleich, was Dir auf den einschlägigen Seiten und in den « Fachzeitschriften » zum Thema erzählt wird : Die Drittelregel macht Dein Bild in der Regel nicht dynamischer. Die Komposition wird auch nicht « ausgeglichener ». Sie wird auch nicht « interessanter ». Meistens ist auch nichts von « Balance » zu erspähen. Das einzige, was eine Position Deines Hauptobjektes auf den Schnittpunkten bewirkt, ist, dass es von der Mitte wegkommt. In der Regel wars das. Von wegen « Kraftpunkte » auf den Schnittlinien. Solange da nicht etwas mit « Blickführung » dazugefügt wurde, war es das. Aus der Mitte raus. Ende.
(Grandiose Beispiele, wie das Drittelverhältnis in der Horizontalen angewendet werden kann liefert zum Beispiel Michael KENNA mit seinen Landschaftsbildern. Auch bei ihm kommen häufig noch andere, « bessere » stilistische Elemente hinzu, welche seine Bilder so einprägsam sein lassen.)


I see a lot of square crops with center compositions that make me cringe. You may have an arabesque such as flowing hair or dress, but only using this to design isn’t strong enough to make a great photo. You need to incorporate other techniques such as Gamut, GAC, FGR, EF, coincidences, aerial perspective…all of these will help achieve a great composition. A boxer doesn’t learn one move and win a fight. He learns combos, left, right, uppercut, dodge, weave, duck, jab…all of these to become a champion.

Die Drittelregel in Reinform kommt in puncto Belang- und Einfallslosigkeit sofort nach Ofenblendwahn. Und einen Ringlichtreflex in die Augen setzen.



in blau : Drittelregel.
in rot : Güldener Schnitt.

Goldener Schnitt

Der « Goldene Schnitt » wird gerne mit der eben beschriebenen Drittelregel verwechselt und ist dabei doch was anderes. Etwas ganz anderes.
Beim ersten Angucken des Musters wird einem das schnell klar, dass die Schnittpunkte etwas mehr Richtung Mitte verschoben sind. Das Verhältnis entspricht in ungefähr Phi.
Vieh was ?
Phi, nicht Viehzeugs. Phi ist eine Zahl. 1.618… Beschreibt ein « angenehmes » Verhältnis. Keine Panik, dazu lasse ich mich in einem anderen Beitrag aus – das ist nämlich hochspannend, was mit dem Verhältnis alles so veranstaltet wird. Taucht überall auf. Wirklich überall. Phi ist toll. Solange es nicht übertrieben wird ;) Irgendwas ist immer.
Was Du Dir für heute mitnehmen sollst ist, dass auch bei dem Unterteilen Deines Bildes nach dem « Goldenen Schnitt » eine Positionierung des oder der Objekte auf den Schnittpunkten kein Deut mehr an Dynamik und pipapo entsteht, als ohne. Wie eben schon bei der Drittelregel.


Nicht falsch verstehen : Diese beiden Konstrukte haben ihre Berechtigung. Absolut. Aber rein um ihrer Selbst willen, das wird nicht funktionieren. Oder wenn, dann in den seltensten Fällen. Ansonsten wie « bokehmania » : Kann man machen, wird aber nichts.


Das soll es fürs Erste gewesen sein. Ging schnell, waren aber auch nur die billigen Dinger, heute. Im nächsten Teil wird es ein klein wenig komplexer. Versprochen :wink:


Hier sind andere Sachen am Werke denn Goldener Schnitt und Drittelgedöns ;)