copines. Paris 2013. – alles andere als perfekt, aber Interaktion zwischen den beiden und die dadurch entstehenden Linien passen ;)

Netzauf, Netzab werden täglich ungezählte « Gesichtsbilder » hochgeladen, vielfach mit der mehr oder weniger offensichtlichen Hoffnung verbunden, Lob einzuheimsen. Soweit, so übel. Denn viele viele viele dieser Bilder zeigen schlicht handwerkliche Mängel. Gemeint ist weniger Kameratechnik, sondern die mangelnde Auseinandersetzung mit dem « Gesicht ».
Es sind die berühmten Kleinigkeiten, die aus einem « Gesichtsbild » ein Portrait machen, welches diesen Wow ! – Effekt hat. Wer erinnert sich nicht an Bilder, die aus « unerklärlichen Gründen » irgendwie anders sind, als das, was man selber so produziert ? Die mit diesem gewissen Etwas. Die, die man sich immer wieder gerne anschaut, weil sie keine Massenware aus dem Knipsautomaten sind ? Nun, an und für sich eine einfache Geschichte : Vorbereitung und Wissen. Und die eigene Bereitschaft, Bilder systematisch nicht nur nach « schön » und « hübsch » zu klassifizieren, sondern : sie zu analysieren. Deshalb gibt es heute eine Extrabeilage :smile: Nach dem guten, alten Motto : Je mehr ich über mein Objekt vor der Kamera weiss, desto besser werden die Bilder auch werden. Üben. Üben. Üben. Wenn du es wirklich willst, zieh soviele Menschen vor deine Kamera, wie du kannst. Und dann noch einen ;)

 

Ich bin ja immer wieder aufs Neue  fas zi niert  von den Leuten, die Kameratechnik bis in die kleinsten physikalischen Kleinigkeiten aus dem Stand runterbeten können :eek:  … nun denn. Mein Schwerpunkt liegt vor der Linse und nicht im schwarzen Kasten. Tut der nicht, wie ich will, gibt es stumpf einen anderen. Ich fall auch nicht vor einem Bild auf die Knie, wenn da technische Daten drunterstehen. Toll. Und nu ? Mir klappt hingegen der Kiefer, wenn der Bildinhalt das verursacht. Ob das nun von der 8 x 10-inch Platte und schwarzes Tuch oder aus dem modernen Telefon gekrochen ist, spielt dabei keine Rolle. Nicht die geringste. ;) Ich könnte mich jetzt darüber auslassen, dass nicht jede Kamera für jeden Typus vor der Linse passt ; das würde hier aber den Rahmen sprengen …

Vor dem shoot

Ich halte mich kurz, weil es eigentlich nur dem workflow beim Termin dient (Einfach nur shoot. Das beliebte shooting hat was mit Waffen und Blut zu tun :oops: . International bei uns Bildermachern shoot. Angekommen ? Danke. Einbrennen in den Sprachschatz. ;) ) und die ein oder andere Sache vereinfacht.

Wenn du die Möglichkeit hast – und die hast du bei einem mit dem model abgesprochenen Termin immer – : :arrow: Gestalte es abwechselungsreich. Nichts ist langweiliger, als hundert Mal die gleiche Klamotte mit dem gleichen Haar. Nicht nur vom Bild als solchem her, sondern auch fürs model. Bei der :arrow: Garderobe achtest du darauf, dass die nicht zu wild gemustert (lenkt zu sehr vom Gesicht ab ; fashion ist ein anderes Thema) und nach Möglichkeit von einer Farbe ist, die vom Hautton abweicht (fashion ist ein anderes Thema). Zur Not machst einen Hausbesuch und ihr besprecht die Bildideen, damit auch die Art der Garderobe und gerne schon grob die Reihenfolge einfach durch. Die Art des :arrow: Schmucks gehört hier auch mit rein. Ich habs ganz gern eher unauffällig (fashion und beauty sind … ;) )

:arrow: Haare, vor allem bei den Mädels bieten ein paar Möglichkeiten. Wuschelig offen, streng nach hinten, nach oben, zur Seite, Ponyschwanz recht links hinten oben. Egal, was Dir da vorschwebt, fang möglichst ohne grosse Haarkunst an und leg dann Schritt für Schritt einen nach. Das hat einen einfachen Grund : Das, was bei komplexen Frisuren mit den Haaren veranstaltet wird, hinterlässt Druckspuren, Wellen, Dellen, die nur mit viel Aufwand wieder rausgehen. Das kann einem ganz schnell den Termin vergeigen ;) Gute Haarzauberer wissen das, allen anderen bringst das schonend bei.

Für das :arrow: makeup gilt dasselbe. Gute MAs (makeup artists) wissen das, den anderen … weisst schon. Auch, wenn dein model sich selber zurechtmacht, sprichst bitte darüber. (fashion und beauty sind … richtig.) Sorgt für Entspannung bei beiden Seiten und gezaubert werden kann immer noch.

Die :arrow: location hast ausgesucht, für « unpassendes » Wetter hast einen Plan B und der Hintergrund ist ruhig (Kennst ja meine Meinung zur Ofenrohrblende. Rockt in 99% der Fälle gar nicht. « Freigestellt » wird übers Licht (und Farbe), Komposition und einen ruhigen Hintergrund). Im Studio ist das eher mal « nicht so wild », wobei es auch da keineswegs falsch ist, sich über den Hintergrund den ein oder auch anderen Gedanken zu machen. Abwechslung rockt (kleiner Hinweis mit dem Lichtschwert : Schlichtes weiss hinten ist cool. Bekommst rein über das Licht von weiss bis dunkelgrau, und das ohne Umbau. Achte drauf, dass es nicht überstrahlt, wenn sowas nicht gewollt ist. Wie ? Hä ? Wuss ? Ohne Umbau ? Quadratisches Reziprozitätsgesetz sagt dir noch was ? Inverse-square law ? loi en carré inverse ? Licht nimmt in seiner Intensität im Quadrat zur Entfernung ab. Nachsitzen. Das ist eines deiner besten, wirkungsvollsten und wirksamsten Gestaltungsmittel, wenns um Hell und Duster geht.)

 

:idea: Harmonie mit Licht und :idea: Farbharmonien, die einen « Fluss » haben machen zusammen mit dem Ausdruck ein « starkes » Portrait aus. Nicht die bis Anschlag aufgerissene Blende, wenn da irgendwo die magische 1.4 oder gar 1.2 auf der Optik prangt (mal ganz abgesehen davon, dass die meisten Optiken dann relativ kontrastarm (« weich » für den Fachmann) zeichnen ; auch die Dinger möchten ein wenig abgeblendet werden, wenn sie ihr volles Potential auch ausspielen sollen). Bau zu deinem model eine persönliche Beziehung auf, dann bekommt es dieses mysteriösen Glanz in den Augen, der uns immer wieder um den Verstand bringt. Und die vielzitierte « Schönheit von innen » ; ein model, das eine Persönlichkeit hat, bekommst immer « schön ». Egal, wie es aussieht. Ist so.

Ich wiederhol es auch hier noch einmal, weil ich neulich wieder über eine Frage à la « Gibt es nicht ein total cooles Setup und ein paar beaten to death Sachen, damit meine Portraits auf Anhieb gelingen und ich keine Fehler mache ? » gestolpert bin : Die Technik macht beim Portrait wenn es richtig hochkommt vielleicht 10% des Ergebnisses aus und gehört zu Deinen Grundfertigkeiten, die Du im Schlaf beherrschen solltest. Lichtaufbau, das kannst bei vielen Bildern im wahrsten Sinne des Wortes von den Augen ablesen. Streng Dich an. Das Netz ist voll mit « Plänen » zu Standardaufbauten, die Du nachstellen kannst. Martin Schoeller macht was ganz anderes ? Vielleicht, ja. Nennen sich Kinoflo, die Lampen. Kein Geheimnis. Wenn Du meinst, sowas sei schon « Arbeit », dann lass es besser bleiben. Der wirkliche Spass versteckt sich in den 90 restlichen Prozentanteilen, die überhaupt nichts mehr mit geilem Kamerakram und rotgoldberingten Glasbausteinen und Lichtmonstern zu tun haben. Sondern ausschliesslich mit dem Verhältnis zwischen Dir und dem Menschen vor der Linse. Das bewältigst Du, wenn Du kein Ausnahmetalent bist, mehr oder weniger flüssig nur durch Übung. Durch nichts anderes. Fehler zu machen, das gehört zum immerwährenden Lernprozess. Fang mit jemandem an, den du gut kennst und eine Engelsgeduld mitbringt. Wenn was so richtig schiefgeht, lacht euch drüber schlapp. Und danach machst es nochmal. Ordentlich. Wird schon. ;)

 

Auf gehts …

 

Also denn …

Wie schon angedeutet, soll es jetzt erst einmal nur um den Bereich Gesicht gehen (also klassisch dem Kopfportrait mit bissel Schulter dran). Sonst wird das ein information overflow und du denkst, dass du auch wirklich von üüüberhaupt Nichts auch nur im Ansatz eine Ahnung hast und wirfst deinen Kram vor lauter Gram in die Ecke. Will ja keiner. (So am Rande : Mir ging das keinen Deut anders, als ich damit angefangen hab. Es gibt kein ultrageheimes Geheimrezept, wie man da drumrumkommen könnte. So lange ganz schnöde üben, bis es ein Automatismus wird. Wie immer.) Aber eines kann ich dir guten Gewissens mit auf den Weg geben : Fang mit nur einem model vor Deiner Linse an, beschränk dich nur auf Kopf und Schultern für den Einstieg, lass es einigermassen ruhig da vor sich hinstehen und -posen (halt es bei Laune, kann nicht oft genug drauf hingewiesen werden) , bevor du dich an Ganzkörper, alles in Bewegung und mehrere Leutz wagst. Das legt die Latte nämlich gleich mal zweieinhalb Meter höher. Nicht nur ein bisschen, nee, richtig. Es sind für viele Teile des Körpers « nur Kleinigkeiten », die in ihrer Summe einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Endergebnis haben. Ist sonst wie bei einer Autorallye antreten wollen, aber einen Gangwechsel nur nach der Schritt-für-Schritt-Checkliste einigermassen ohne Kratzen im Getriebe hinbekommen . ;)

 

« Da stellnwa uns ma janz dumm …

watt issn Jesicht ? » 

 

Mehr oder weniger Gewuschel an Haar, Augen, Nase, Mund ; Kinn, Hals nehmen wir auch noch mit und thront auf Schultern, oder ? Bei « Normalgewachsenen » ein leichtes Oval, Augen recht genau auf der Hälfte, Ohroberkante dito, Rest drunter. Lässt sich in Drittel aufteilen. Ach, kuck. Das kann ja zur Bildgestaltung herangezogen werden. Erstaunlich, erstaunlich, die ollen Drittel, da sind sie wieder. Und nicht nur die, sondern auch noch die goldene Zahl für wohlgefällige Proportionen, die 1:1.618 irgendwas kommt drin vor. Das empfinden wir als « schön ». Gewusst ? Kannst mal sehen.

 

Glaubst nicht ? Dann schmeiss die Suchmaschine deines Vertrauens an nach « da Vinci Vitruvius » und « da Vinci Gesicht Proportionen ». Ende des 15. Jahrhunderts hat der Mann Sachen rausgefummelt, die nichts von ihrer Aktualität eingebüsst haben bis heute. Kannst ja das Rad neu erfinden, wenn Du lustig bist … :roll: Ich hab es in einem der vorhergehenden Teile der Serie zu Portaits*  schon mal erwähnt : Gestaltungsregeln sollte man vor dem wüsten Drauflosbrechen und Schimpfen auf « Standard » und « langweilig stereotyp » in erster Linie erst einmal kennenlernen und auch anwenden. Lohnt nicht, die Ader schwellen zu lassen. Mach einfach. Zaubern kannst du dann, wenn du die Tricks beherrschst.
(*) die links zu den vorhergehenden Teilen stehen wieder ganz unten, wie bisher auch schon ;)

 

Und das bringt mir jetzt was ? Denk nach. Positionierst die Augen mittig im Bilde, wird es statisch. Kann wirken. Bei frontalen Portraits. Setzt die Augen aber etwas höher, kommt von ganz alleine eine bisschen Dynamik rein. Guck dir mal die Bilder von Richard Avedon oder Martin Schoeller an. Nicht wegen der Technik ; wegen des Aufbaus. Inspirationsquellen, die ihresgleichen suchen. Achte bei denen auch einmal auf den Raum überm Kopf. Werd dir der « Gefahr » der Benutzung des mittleren AF-Feldes bewusst. Vor allem beim Hochformat. Headroom.

 

Zudem verbirgt sich unter der Haut ein Haufen Muskeln, damit die Mimik gesteuert werden kann. Die Mediziner können uns da mehr drüber verraten, Freund stud med stöhnt noch ob der lateinischen Namen, die er sich irgendwann einmal ins Hirn gebimst hat für irgendwelche wilden Testate und Examina. Ich hab irgendwas von nicht ganz 30 an der Zahl im Hinterkopf rumschwirren. (Wer es genauer weiss – ohne Fachtermini – schreibe mir eine mail ;) ). Die Elemente, die einen Portraitfotografen in erster Linie interessieren, sind – grob eingeteilt – Augenbrauen, Augen, Mund. Zu einem gewissenen Maße noch der Nacken und dann gehts auch schon in den Körper. Diese drei Dinge sind die Hauptbestandteile, an denen wir Stimmungen aller Art am besten ablesen, erkennen, interpretieren können. Mit denen gilt es zu arbeiten. Mit ein wenig Konzentration kann da jede Seite per Befehl an die entsprechenden Muskeln einzeln angesteuert werden. Stell Dich vor einen Spiegel und mach mal. Es ist faszinierend, was diese Troika alles veranstalten kann. Wut, Verzweifelung, Erstaunen, Erschrecken, Angst, Trauer, Verwunderung, Erschöpfung, Freude, Häme, Langeweile, Gleichgültigkeit, Überraschung, Konzentration, Träumerei, Neugier, Aggresion, Sanftmut, Verführung … alles an nonverbaler Kommunikation spielt sich vorrangig in diesem Bereich ab und wartet nur darauf, herausgelockt und als Bild festgehalten zu werden.
Damit es für den Menschen mit dem Seelenräuber nicht ganz so hart wird, arbeitet das model mit und denkt selber dran, was es machen soll. Muss es auch, denn wenn es anfängt, über bestimmte Dinge nachzudenken, passieren ganz andere Dinge einfach so, die wir haben wollen. Dazu im Verlauf des Beitrags mehr. DU bist aber derjenige bzw. diejenige, der das dem Menschen vor der Linse beibringen sollte. Nicht mit dem Holzhammer, aber nachhaltig.

 

Kopfhaltung

étonné et curieux. M. DOUCOURÉ, jardinier au Jardin des Tuileries. 2013. – Ansprechen, unterhalten, reinhalten und … verwackeln :P Ihm gefällt es und mir auch irgendwie ;)

Bevor wir jetzt richtig loslegen, einen Tip für die Kopfhaltung im Allgemeinen und Besonderen. :idea: « Stirn Richtung Kamera, Kinn ein ganz klein bisschen nach vorne ». Hat ein bisschen was von Schildkröte. Mag ein wenig seltsam anmuten, bringt aber eine Menge. Zum einen verschwindet schlagartig das Doppelkinn, der Hals wird optisch verkürzt (und gestrafft), weil die ganze Chose Richtung Jochbein wandert und – das ist der eigentliche Knackpunkt – die Haut da untenrum wird unmerklich, aber sichtbar gespannt und das betont die Kinnlinie und gibt der Sache Form. Wichtig ist « Stirn Richtung Kamera ». « Kopf Richtung Kamera » sieht total verquer aus, probiers mal durch, dann siehst, was ich meine. Stellt euch gemeinsam vor einen Spiegel und beobachtet euch dabei. Schlimmstenfalls wird gelacht. Es bleibt beim model vielleicht aber im Gedächtnis hängen und es wird es fürderhin automatisch machen, wenn es in eine Kamera grinst. Das ist irre viel wert. Denn es sieht in aller Regel immer ein wenig « besser » aus, als 0815. Vor dem Spiegel üben. Bis einer heult. :wink:

 

Zudem kannst in Verbindung mit anderen Sachen (Oberkörper / Schulterbereich diagonal zur optischen Achse, kameraentfernte Schulter hoch, kameranahe weiter runter oder beides andersrum, je nach Wunsch, Kopf ein wenig « kippen », erinnerst dich dran ? Linien und deren Psychologie auf die Bildwirkung, da war was …) eine Menge mit einem dynamischem Bildaufbau spielen. Monsieur DOUCOURÉ da oben hats von ganz allein schon gemacht, deshalb zeig ich das mal, auch wenn es verwackelt ist. Ich hab so Tage … Er war reichlich perplex, dass ich mich mit ihm, gerade ihm, laufen doch noch so viele andere rum … auseinandergesetzt hab. Ein Versuch, äusserst schüchtern, der Mann. Aber das Gesicht. Diese Reaktion, diese Regung.

Und noch etwas ist zu sehen, was häufig zu wenig Beachtung findet : man sieht neben seinem rechten Auge – das andere rechts. Bildmitte. Ich mein tatsächlich sein rechtes Auge. Richtungsangaben etc pp immer aus Sicht des models, nicht vergessen, gelle ? Schick. Also, da neben seinem rechten Auge sieht man noch Haut. Das passiert oft bei 3/4-Portraits, dass die Aussenseite schon vom Augapfel unterbrochen wird. Sieht merkwürdig aus, weil dann auch schnell das Lid im wahrsten Sinne des Wortes im Nichts verschwindet. Scroll nach oben, zum Aufmacherbild. Das Mädel in der dunklen Jacke, ihr rechtes Auge : Loch Richtung Haare. Bei der anderen gehts auch nicht so 100pro in Ordnung ; ist irgendwas zwischen 3/4 und Profil. Ihre linke Augenbraue hätte gern ganz verschwinden können. Lange Wimpern dann noch zu erkennen, ist okay bei Profil. Augenbraue nicht. Deshalb auch in der Unterschrift « alles andere als perfekt » ;)

 

3/4-Portrait – Bahnhof. Das war Himmelherrgottssakra gleich was nochmal ? Donc, ganz schnell zurück zu den basics. Wir teilen headshots grob in frontal, 7/8, 3/4 und Profil ein.
Frontal ist klar, oder ? Platt von vorn und « macht man eigentlich nicht aus Gründen der Dynamik » *hüstel*.
7/8 : das Model schaut leicht von der Kamera weg, eine Gesichtshälfte ist etwas dominanter, beide Ohren sind zu erkennen. Achte da auf das kameraentferntere Ohr, dass du das möglichst noch erwischst, ohne es zu beschnippeln.
3/4-Sicht : das kamerafernere Ohr ist nicht zu sehen. Wie aber gerade eben angemäkelt, lass die Aussenkante des Schädelknochens der Augenhöhle am Stück.
Bei der Profilansicht ist das Gesicht quasi rechtwinkelig zur Kamera. Sichtbar ist nur ein Auge. Stell sicher, dass auch die Augenbrauen der entfernten Seite hinter Nasenrücken und -wurzel verschwinden, wenns nach Lehrbuch werden soll. Ellenlange Wimpern, die da keck noch vorlugen sind in Ordnung.

 

Wie gesagt, es ist Kleinkram. Wenn du dein model mit aller Zeit der Welt sachte vor der Kamera dirigieren kannst, achte auf solche Dinge. Hast du das ganze in Bewegung, wird es sofort deutlich schwieriger bis unmöglich – mal ganz davon abgesehen, dass du das im Sucher auch fast « nicht » siehst. Das muss ganz tief im Unterbewusstsein verankert werden, damit du das bei solchen Aktionen mitschneidest ; konzentrierst dich schwer drauf, gehen andere Sachen ruck zuck in die Wicken. Kannst nicht alles gleichzeitig im Auge haben. Ist so. Hinterher beim Sortieren darfst dann aber ruhig wieder auf jeden kleinen Mist achten. Und wenns nicht mit dabei ist, ist es auch nicht tragisch. Der Betrachter, der nicht vom Fach ist, wird es nicht bemerken, weil er es nicht weiss. Hast es aber mittendrin gefunden, und stimmt der Rest auch, nimm dieses und nicht das andere. Sieht einfach besser aus.

 

Mach mal einen Test mit einer « unbedarften » Person und lös aus, wenn der Augapfel da alleine rumglänzt und einmal, wenn der Knochen da gerade eben noch mit drin ist. Dazu musst du dich nur ein klitzekleinwenig drehen. Ist eine Geschichte im Millimeterbereich, bekommt das Menschlein da vor dir gar nicht mit. Dann leg beide Bilder nebeneinander und lass vergleichen.

au défilé du nouvel an chinois. Paris 2012.

Schnell noch was zur Mähne. Offen ist meistens sehr cool, wenn es nicht gerade Fisselhaare sind. Behalt zwei Sachen im Hinterkopf : ins :arrow: Lastenheft für die Retusche gehört das Beseitigen (« Auffüllen ») von « Löchern » zwischen Nacken und Haar, vor allem, wenn der Hintergrund hell ist. Dieses Dreieck da, das zieht wie ein Magnet das Auge. Doof. Zweite Sache ist die Unterbrechnung zwischen Kopf und Rumpf durch einen Haarstrang, bzw. das meistens teilweise Verdecken der Kinnlinie. Hast keine Pose im Gange, bei der die Hände da oben mitmachen, überleg dir, ob du das so lassen möchtest, oder ob das ohne vielleicht nicht doch besser aussieht.

 

Mit langen Haaren kannst tolle Sachen machen. Hab ich eingangs schon drauf hingewiesen : Sorg für Abwechselung. Ponyschwanz rechts links oben unten. Oder Hochsteckfrisur. Dutt. Affenschaukeln. Bist absolut frei dabei, ebenso das model, falls es sich selber zurechtmacht. Oder der hairdresser. Aber zeig ruhig, dass da eigentlich Mähne ist. Will heissen, dass man das ruhig und unbesorgt da hinterm Kopf aufblitzend sehen darf. Bringt Leben ins Bild. Kurze Haare lassen sich zum Beispiel mit Gel in die irrsten Varianten bringen. Nur so am Rande, damit auch für die Bengels noch was zum Zaubern bleibt ;)

 

Der Mund

Schmollmund, Kussmund, Lachmund, offener Mund, beleidigter Mund, nicht gekonnt dämlich billig halboffener Mund, gekonnt halboffener sexy-hexy-gib-mir-jetzt-sofort-deine-Nummer-Mund, unbewusst halboffener Mund, verkniffener Mund, nachdenklich grübelnder Mund, geschockter Mund, sag-mal-cheese-und-du-weisst-dass-du-irre-dusselig-aussehen-kannst-Mund. Okay, ne Menge Holz.

 

Die Mimik des Mundes ist diejenige, die die wenigsten ordentlich steuern können, sobald sie sich drauf konzentrieren müssen. Dann klappt das vielleicht mit der Schnut, aber guck dir mal den Rest der visage an. Natürlich sieht anders aus. Vor allem, wenn die Augen nicht « mitspielen ».
Daher greifen wir etwas in die Trickkiste. Dieses « nun LACH ! / LÄCHELE ! doch mal », das fanden wir schon in frühester Jugend doof und das hat sich bis heute nicht geändert. Schiiiiiiiiiiiiiiiiiiihs. :roll: Völlig verkrampft, weil man sich drauf konzentriert, den Schnabel breitzuziehen und gleichzeitig in die Linse da zu starren. Starren. Es ist ein Starren.

 

(Wenn alle Stricke reissen, dir ganz fürchterlich die Idee fehlt, weil da vor dir eine Gruppe sehnlichst auf das erlösende Klicken oder die Blitze wartet oder du einen Sack Flöhe in Form von ernst dreinschauenden Kindern da hast, versuchs mit » Ouistiti » . Mit  w a s  ?  :idea: Ouistiti. Kleines Äffchen. Auf französisch. Wer im deutschen Sprachraum dabei weiterhin ernst guckt, der behält zumindest die Zunge hinter den Zähnen und es klappt irgendwie. Der Rest fängt an zu giggeln und liefert frei Haus was völlig natürliches. Sogar ohne den ernsten Blick. Bei Erwachsenen hilft meistens ein trocken dargereichtes « Boah, guckst du miserabel ». Dann gibt es im ersten Moment ein völliges Erstaunen mit einem Anflug von Verzweifelung und sofort hinterher ein natürliches Lachen. Ziel erreicht. Bist schnell genug, bekommst schon eines von der Panik ;) )

 

Verwickel dein model in ein Gespräch, während du es vor dich hindirigierst, gib ihm was zum Nachdenken, das nichts schweres mit der aktuellen Mimik zu tun hat. (Das machst doch hoffentlich per se, non ? Ich reite da gerne drauf rum, weil es auch bei Leutchen, die das « schon ein wenig gemacht haben » immer wieder ein wunder Punkt ist. Deine Interaktion mit dem model, dessen « Spielerei » mit der Kamera, das wird man im und am Ergebnis sehen. Glaubst gar nicht, was Augen alles verraten. Vor allem, ob es sich bei der ganzen Turngeschichte vor der Kamera wohlgefühlt hat. Man sieht sowas.) Gut, du sabbelst mit dem Menschenkind vor der Linse. Es wird sich nicht mehr auf seinen Mund konzentrieren und das ist das, was wir wollen. Stellst du im Laufe des Termins fest, dass es die Lippen unter Kontrolle hat, dann kannst richtig das Zaubern anfangen. Gibt viele, die können ganz ganz subtil die Mundwinkel hochziehen. Fast nicht zu sehen, aber diese winzige Falte da an der Ecke … Geschlossener Mund, Anflug von Lächeln. Hammer. Und wenn dann noch der Glanz in den Augen stimmt ; da geh ich auf die Knie. Nicht vor technischen Daten und dicken Hosen. Vor dem Ergebnis, vor deiner Arbeit. Ich. Jop :cool:

 

Es gibt so ein ungeschriebenes Gesetz : « Der Mund ist zu oder man sieht die Zähne. Ganze Zähne ». Da ist was dran, weil es nämlich einfach diese Möchtegern-sexy halboffenen Schnäbel mit künstlichem plastifiziertem Möchtegern-Schlafzimmerblick nach umfassendem Botox-Missbrauch :shock: ins Off befördert. Und zwar ganz weit. Das sieht dümmlich billig aus. Gibt nur ganz ganz wenige, die diesen schmachtenden Mund wirklich können. Bei denen spielen dann aber auch die Augen und die komplette sonstige Mimik mit. Schnapp dir den nächsten Auto-Tuningkasperkram-Katalog mit diesen sich auf polierten Motorhauben räkelnden Grazien und guck dir das ganz genau an. Und ? Eben. Läuft mir das kalt den Rücken runter. (Sollte so ein « look » beauftragt und damit tatsächlich ernsthaft gewollt sein, dann mach es in drei Gottes Namen. Geld stinkt nicht.)

 

Es gibt aber Menschen, die bekommen von Natur aus den Mund einfach nicht zu, ohne dass das verkniffen aussieht. Da sorgst dafür, dass zwischen den Lippen Luft bleibt. Möglichst über die ganze Linie und ohne Zähne. Oder bring sie dazu, zu lächeln oder richtig zu lachen.

 

Lässt die Zähne zeigen, schreib dir spätestens für die Nacharbeiten auf den Zettel, da eventuelle Lippenstiftreste wegzumachen. Gut, jetzt weisst, was da noch für eine Falle aufgestellt wird, hab schlicht ein Taschentuch zur Hand, dass das umgehend beseitigt werden kann. Blutendes Zahnfleisch ist ebenfalls nicht sooo dolle ;)

les gars. Paris 2012. Einer von beiden guckt cool :)

Die Augen

Zu Augen hab ich schon ein Menge geschrieben, daher im Schnelldurchgang : Dir Iris wird oben wie unten von den Lidern begrenzt, achte darauf, dass beim leichten Blick nach oben keine zu auffälligen « Kanus » mit dem Augenweiss fabriziert werden. Glanz bekommst durch Interaktion mit dem Gegenüber rein. Und auch nur so, nicht anders. Wohlfühlaussehen. Hat dein model eine ausgeprägte Phantasie, kanns auch so klappen, wahrscheinlich indes ist es nicht.

 

Zu viel Augenweiss kommt nicht so gut, vor allem bei seitlichen Blicken. Dirigier die Augen mit deiner Hand, wenn es sein muss, dass die Iris nicht in einer Ecke klebt. Weit aufgerissene Augen symbolisieren Unsicherheit bis hin zur Panik. Die allerwenigsten Menschen haben gleichgrosse Augen, finde raus, welches das kleinere ist und spricht das durchaus mit deinem model auch an. Schadet nicht, wenn es das weiss und eventuell selbst mit drauf achtet. Du selber behältst das im Hinterkopf und komponierst dein Bild entsprechend, auf dass beide Augen ungefähr gleich gross sind, nachher. Sieht besser aus.

Bei Frontalgeschichten hast einfach mal keine Angst, das grössere Auge nachher in der Retusche zu kopieren, zu spiegeln und umzusetzen, damit es halbwegs ordentlich aussieht. Wie das geht ? Schmeiss das Internet an, da schwirren zig Anleitungen zu rum, wie sowas in Photoshop zusammengefrickelt wird. Verflüssigen, verbiegen, bis es passt und nicht zu auffällig ist. Kannst auch ruhig dem model sagen, warum und weshalb. Geht nur ums « gute » Bild. Übertreib es nicht. Man braucht es nicht zu sehen, selbst, wenn man weiss, dass es gemacht wurde.

 

So. Und dann, ja dann … :arrow: dann gibt es noch den « coolen » Blick.

 

Bei Männlein wie Weiblein sublim, aber äusserst wirkungsvoll. Funktioniert mit den unteren Lidern. Die ein klein wenig nach oben ziehen lassen und schwupps, da isser, dieser Blick. Wie das geht ? Stell dich vor den nächsten Spiegel und übe. Das geht. Zunächst mit ein klein wenig Konzentration, später wie von selbst. Und zwar für jedes Auge getrennt. Wunder des Körpers und der Muskelfunktionen. Zieht unmerklich auch die Mundwinkel hoch. Unbezahlbar, wer es beherrscht.

 

« Augenkneifen » mit oberem und unterm Lid ist eine andere Sache und baut zusammen mit den Augenbrauen recht flott eine Falte über der Nase ( falls die nicht ohnehin schon vorhanden ist ). Sieht bei Jungs ganz gut aus, bei Mädels eher Richtung grummelig.

 

In der Nachbearbeitung passt bitte höllisch mit Fummeleien in den Augen auf. Adern rausoperieren – vor allem, wenn sie wirklich auffallen – geht noch. Beim Augenweiss ist extreme Vorsicht angebracht, damit das nicht im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge sticht :roll: Roboter. Wechsel häufig vom nahen Bearbeitungsbereich zurück in die Komplettansicht, dann passierts nicht so schnell. Gleiches gilt für Zähne. Abgesplitterte Kanten ansetzen, ggfls. ausrichten ist alles ok. Weisser als weiss nicht. Oder setzt einen Blinkistern mit drauf.

 

Ebenfalls bei der Haut. Lass Struktur drin und bügel nicht alles Richtung Aprikose – sieht bei älteren models auch einfach nur merkwürdig aus – und übertreib es nicht mit Frequenztrennung und Konsorten, die da im Moment durchs Netz schwirren und gerne mal bis zur Qual übertrieben eingesetzt werden ;)

 

Augenbrauen, nur wegen der Vollständigkeit. Spiel mit rum, Fehlerquellen gibt es eher wenige und wenn, dann fallen dir die meist unvorteilhaften Falten in der Stirn bestimmt auf ;)

Offenblendgezappel im Nahbereich

Da kann man ganz toll mit « freistellen » mit 1.4 oder gar 1.2 :twisted: Vor allem kann man damit ganz ganz toll danebenliegen noch bevor du « jop, jetzt passts » fehlerfrei zu Ende gedacht hast und das Bild in die Tonne schieben. Person und erst recht Kopf vom Hintergrund löst man mit einem aufgeräumten Hintergrund, mit Licht, Farbe (Kontraste aller Art, erinnerst Dich ? Toll. Machen ;-) ), Komposition und am allerallerbesten immer noch mit einem einzigartigen Ausdruck im Gesicht. Weil der Mensch nämlich so gepolt ist, dass er in Gesichter guckt, wenn er im Bild welche findet. Das Drumrum wird, so es sinnvoll und mit Bedacht da auftaucht, nicht als störend empfunden. Ist so. In Foren nicht, ich weiss :roll: Offenblende mit Gesichtern im Nahbereich ist die Vorschlaghammermethode für alle, denen sonst nichts einfällt. Wie Grossbuchstaben im Netz. Gebrüll. Aber über glattgebügelte Mädels in der Werbung meckern, ja ja …

 

Lia, 2013. FX, 85mm, f4, Ausschnitt. Ihr rechtes Auge ist schon raus aus der Schärfe. Ich könnt mich beissen. ;) Klick ins Bild macht es gross.

Nun denn, ist ja wie es ist und irgendwas ist immer. Okay.  Bei « normalen » Portraits sitzt die Schärfe auf den Augen. Mehrzahl. Mindestens richtig satt auf dem kameranahen und das andere ist immer noch annehmbar im Bereich. Zu den malträtierten Matschaugen und was ich von solcherlei Vergewaltigungen halte, hab ich in den basics schon was geschrieben. Wenn du das trotzdem vorhast, mit papierdünnem Schärfebereich zu arbeiten, sei es, weil du mal damit rumspielen willst oder was auch immer : such dir vorher das AF-Feld dafür aus (oder machs gleich manuell « nach Sicht ») und wenn das passt, zieh  s o f o r t  durch. Du gibst weder Dir, noch dem model, noch deiner Kamera auch nur den Hauch einer Chance, zu zucken oder (AF) es sich doch noch anders zu überlegen, in dem kleinen Moment zwischen halbem Durchdrücken des Auslösers (da sind bei den heutigen Kameras ALLE Systeme im Achtung ; Belichtung und der AF. Und der kann es sich noch überlegen, ob er statt der Iris doch den Tuscheklumpen da vorne an der Wimper viel viel toller findet) und dem Hochfliegen des Spiegels. Wenn es dir nicht auf den Tuscheklumpen ankommt, ist das Bild für die Tonne. Dann schreib in der Bildunterschrift aber auch was von Tuscheklumpen und lass das Mädel aus dem Spiel.

Greif Dir einen dieser Depth-of-Field-Rechner und guck da einfach mal nach, über welche Schärfebereiche wir bei voll aufgerissener Blende eigentlich reden. Ich kann dir eines verraten : Bei Kleinbild und 85mm an Nahgrenze 80cm bei Blende 1.4 bzw 1.8 beträgt dein « Komfortbereich » für eine exakte Schärfe um und bei anderthalb Millimeter. Millimeter. Bei Blende 4 sind schon « komfortable » 18mm drin. Langt immer noch bei leicht versetztem Kopf, dass das hintere Auge schon verschwimmt. Ist das Bild nur fürs Netz oder Ausdruck bis etwa DIN A4, gehts noch. Wirds grösser abgezogen, nervt das schon. Weil man es sieht. Denk drüber nach.

 

Zur Wiederholung : Portraits – die basics Vom Licht I – bewölkte Tage Vom Licht II – bei strahlendem Sonnenschein Vom Licht III – Licht am Fenster Vom Licht VI – Licht sehen Vom Licht V – Belichtungsmessung