Matteo, berger dans les montagnes corses. 2006.

« Das ist ein tolles Bild ; mit welcher Ausrüstung fotografierst Du ? » Ich hab nicht gezählt, wie oft ich diese Frage schon gehört habe. Ebensowenig, wie « Tolles Bild. Gefällt mir. Ich weiss nur nicht, warum. » Das Erstaunen ist oft gross, wenn ich mit « auf die Ausrüstung kommt es in erster Linie überhaupt nicht an » entgegne.
Ein ‘gutes’ Bild ist durch andere Dinge gekennzeichnet, als allerletztes vielleicht durch superduperdolle Technik. Kümmern wir uns heute ein klein wenig um den grossen Bereich der Bildgestaltung.

 

Vorausgeschickt sei eines : Ich betrachte meine Kamerabodies, die Objektive, den sonstigen Krimskrams wie Blitze, Belichtungsmesser, Filter, Auslöser, Stative als Werkzeug. Nicht mehr, nicht weniger. Ich geh nicht ehrfürchtig vor der Hassi in die Knie und fass die nur noch mit Samthandschuhen an, wie ein rohes Ei, ich beömmel mich auch nicht vor dem, der da mit seinem Telefon oder der 25€ Grabbeltischknipse rummacht. Höchstens, wenn komische Verrenkungen mit im Spiel sind. Denn das Ergebnis wird ein Bild sein. Ein gutes oder auch ein weniger gutes. Dem es völlig egal ist, wo es rausgekrabbelt kam und welche Be- und Misshandlungen es in welcher Bearbeitungssoftware über sich ergehen lassen musste. Mich interessiert auch nicht sooo dolle, unter welchen Umständen es zustandegekommen ist und wie früh einer dafür aus den Federn musste. Wenn man das nicht im Bild sieht, dann ist es auch wurscht, ob du dafür 300m über dem Boden an einem Seil und einer Stange gehangen hast. Ist das Bild vermurkst, wird es um das Wissen der Umstände seines Entstehens nicht besser. Immer im Hinterkopf behalten, dass der Betrachter da draussen im Netz eben nicht mit dabei war, als es gemacht wurde. Es muss ihn auf andere Art und Weise mitreissen. Also, auf gehts : Was ist eigentlich ein ‘gutes’ Bild ? Was macht es aus ? Meine Antwort ist kurz, aber knackig.

 

Licht / Komposition / subject of interest

(Ich lass das letzte mal in englisch stehen, weil ich Schwierigkeiten mit der Übersetzung ins Deutsche habe. Eigentlich ist es das ‘Hauptmotiv’. Ich finde aber den Zusatz ‘interest’ echt toll, weil hier die Intention, das Interesse des Fotografen ebenso mit reinspielt, wie der Umstand, ob das, was da denn jetzt ‘subject of interest’ ist oder sein soll, auch das Interesse des Betrachters in den Bann ziehen kann.) Wie ? Das solls schon gewesen sein ? Das ist das ganze Geheimnis ? Nach meinerm Verständnis von der Sache, ja. Das ist die Formel, wie sie sich für mich aus ungezählten Gesprächen rausgeschält hat. Immer ging es letztlich im Kern um diese drei Sachen. Je mehr dieser drei Elemente in einer Fotografie zusammentreffen, desto besser wird es sein. Das Bild. Das Glücksgefühl auch. Vielleicht. Es gibt in der Auftragsfotografie noch ein paar andere Sachen, aber wenn Licht, Komposition und subject of interest miteinander spielen und aufeinander abgestimmt sind, sind im Normalfall alle richtig glücklich.
Es sind ‘nur’ drei Dinge, die es jedoch in sich haben. Und gleich noch ein Dämpfer : Ich werde mich im Folgenden nur recht allgemein zum Thema auslassen und Stichworte in den Raum werfen. Ihr sollt Euch selbst drum kümmern. Selber lesen, erarbeiten, verstehen, ausprobieren, machen, noch mal machen, anders machen. Sonst wird das nichts. Praxis, Praxis, Praxis ;)

 

Licht

Hier lediglich eine Handvoll Stichworte : Frontales Licht, Gegenlicht, weiches Licht, hartes Licht, Streiflicht, Kunstlicht, Tageslicht, Farbtemperatur, Kelvinskala. Schmeiss die Suchmaschine Deiner Wahl in die Gänge. Verbinde es vielleicht noch mit dem Zusatz ‘fotografisch’. Und speziell für den Portraitbereich hatte ich da ja schon vier Teile zu verfasst ;) Kannst auch noch mal reinschauen (link öffnet sich in einem neuen tab) ;) Und fang an, auf das Licht und seine Qualität zu achten, wenn Du unterwegs bist. Es ist an der Kanalküste anders als in der schönsten Stadt der Welt anders als in Berlin anders als an der Ostsee anders als im Hohen Norden anders als in Südafrika anders als im mexikanischen Hochland … Intensität, ‘Reinheit’ und so Sachen. Ist irre ;)

 

Komposition

Betrachte ich mal die letzten 20 Jahre, den Übergang von der analogen Fotografie ins digitale Zeitalter : « früher » hatten die wenigsten das Geraffel, das heute gerne mal stolz die Beitragsfooter der einschlägigen Foren zumüllt, sondern eine Kompaktknipse. Der Film ging – wenn er denn nach Wochen und Monaten mal voll war – ins Labor, ein paar Tage später gabs das Tütchen mit den entwickelten Negativen und den Papierabzügen oder die Dias. Die Bilder blieben mehr oder weniger in den eigenen vier Wänden und waren ‘hübsch’ oder wurden gar nicht erst gezeigt. Die, die ein eigenes oder Zugriff auf ein Labor hatten, haben sich da nächtelang eingeschlossen und gezaubert. Bei den Bildern, die es wert waren und in aller Regel war bei den Leuten auch ein gehöriges Mass an fotografischem Wissen abseits von Empfindlichkeit, Blende und Verschlusszeit vorhanden. Wer das Handwerk nicht wirklich beherrschte, der hat sich eigentlich auch nicht hingestellt und gesagt « Hey, ich bin der tolle  Fotograf ».

 

Heute sind die Apparate mit ihrer Computertechnik so ausgefeilt, dass es eigentlich schwer ist, ein Bild rein technisch zu vergeigen (ok, die Problembilderecken und viele viele andere Fragestellungen beweisen, dass richtig, richtig viele im Kopf heillos überfordert sind, mit den Dingern). Das Labor steht heute bei jedem auf dem Schreibtisch. Nur … das zum Singen und Tanzen zu bekommen, das ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Meistens gehört da richtig Arbeit zu. Wie überall, wenn es gut werden soll.
Da wird schnell ‘gedacht’ ein Regler hier, einer da, schön bunt, tolle Sache. Und weils in Sekundenbruchteilen wie eine Seuche über den Globus grassieren kann und sich kaum einer traut zu schreiben ‘boah, ist das schlecht !’ glauben viele, sie könnten ‘fotografieren’. Es fehlt die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst ( und zwar vom Druck auf den Auslöser bis hin zum gnadenlosen Aussortieren des eigentlich ausschusswürdigen Materials ). Bilder von denjenigen, die es beherrschen, werden auch gelobt und zwar gerne mit dem Zusatz « Ich weiss nicht, warum » Da ist die Ehrlichkeit wieder da : Ich hab keinen Plan und deshalb weiss ich nicht, warum mir was gefällt. Weil ich das aber nachbauen will, frag ich mal ein Forum. Da brauch ich nicht selber zu kramen und zu lesen und zu überlegen und zu verstehen, sondern nur machen.

 

Nicht falsch verstehen ; ich finde die Möglichkeiten, wie wir sie heute haben, genial. Ich liebe es, sofort sehen zu können, ob die Schärfe auf dem Punkt sitzt oder die Liddeckel nicht gerade zuklappen ( da bin ich manchmal Meister drin, diesen Moment zu erwischen ). Ich mag das Zebra (die Lichterwarnung, die sich bei so vielen Kameras heutzutage aktivieren lässt) um zu checken, ob die Lichter auch an den ‘richtigen’ Stellen ausbrennen. Ich mag, dass ich eine fertige Version aus dem Rechner so lassen kann, wie sie ist, und nicht beim nächsten mal bibbern muss, ob ich das nochmal genau so wieder hinbekomme (Unikate sind richtig toll, btw. Es geht nichts über einen richtig grossen, klassischen Abzug auf Baryt in echtem Hochglanz … )

 

Es fehlen nach meiner kleinen Welt nur leider so erschreckend oft die Grundlagen. Nicht nur ISO, Blende, Verschlusszeit, sondern auch die ‘rein sichtbaren’ wie eben Führungslinien, Kontraste in Farbe, Form und Licht. « Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden ». Ist richtig. Noch richtiger ist, dass sie dazu zumindest im Ansatz bekannt sein sollten. Hilft gewaltig, auf dem Weg zum ‘fotografischen Sehen’. Was da auch meint, abstrakt visualisieren zu können, wie der schwatte Kasten da in meiner Hand ‘sieht’. Das sind der beschränkte Kontrastumfang im Vergleich zum menschlichen Auge, das sind Farbtemperaturen, das ist der aus dem Kopf wachsenden Baum, der gnadenlos aufgezeichnet wird usw. …
Ein paar Stichworte für das rein visuelle : Drittelregel (vertikal wie horizontal – ein mächtiges Gestaltungselement, vor allem im Zusammenspiel mit Balance), Goldener Schnitt, Goldene Spirale. Versuch auch rauszufinden, aus welchen Gründen diese Aufteilungen ‘funktionieren’. Führungslinien – vertikal wie horizontal, S-Linie (die ist auch immer wieder gerne genommen, wenn ein model posiert – mal drauf achten ;) ), Diagonalen auf- und absteigend. Findet sich eigentlich in jedem besseren Buch für Einsteiger in Sachen Fotografie.
Bißchen komplexer : Muster. Sich wiederholende Muster. Formen – Vierecke, Dreiecke, Kreise. Die Schwierigkeit besteht manchmal darin, sie in einem Bild auch auszumachen. Augen auf und suchen. Solche Dinger werden ganz gern unbewusst positioniert. Behalt die ‘westliche’ Lesart im Hinterkopf : von links oben nach rechts unten. Spiel damit, dann kann es Spannung geben, im Bild. Vielleicht auch Unwohlsein. Irgendwas ist immer. Vertrau Deinem Bauchgefühl. Wenn Du auch nur ein klein wenig Sinn für Grafik, Design und Gestaltung hast, Dein Unterbewusstsein wird sich rühren und Dinge als ‘passt irgendwie’ bewerten. Das Geheimnis besteht darin, den Schlaumeier da in Dir drin zum Reden zu bringen …
Abstrakter : Flächen. Farben. Die psychologischen Wirkungen von Farbe. Farbharmonien. Farblehre ganz allgemein. Kontrastlehre noch dazu und das sollte erst einmal reichen, für den Anfang. Merkst was ? Ist ein weites und vielfältiges Gebiet. Schlimmstenfalls ist es Luxuswissen. Aber es hilft, nicht einfach nur zu gucken, sondern mehr oder weniger gezielt zu sehen. Grüne Tür in roter Wand. Oder blau an gelblich. Das knallt. Überleg kurz, warum. Linien, Farben, Formen, Flächen, Kontraste. Ein Mensch oder Tier dabei, schwupp ! wird die Sache noch interessanter, als sie ohnehin schon ist. Licht macht den Rest.

Chat en toute curiosité. Karlsgården, Sør-Trondelag, Norvège. 1999.

Oder nehmen wir eine Sandsteinmauer. Viele erkennen in einer Sandsteinmauer eine Sandsteinmauer. Ich sehe darin ein strukturiertes Gebilde, welches mir je nach Tageszeit und Licht und Farbtemperatur verschiedene Sachen erzählt, die es unter Umständen lohnenswert erscheinen lassen, das als Bild festzuhalten. Mit unterschiedlichen Brennweiten, aus verschiedenen Abständen. Von oben, um sie klein, von unten, um sie gross und mächtig erscheinen zu lassen, vielleicht. Oder eher weich gehalten mit allen kleinen und kleinsten Details. Oder hart, um es auf ein Punkt-Flächenmuster zu reduzieren. Abweisend im kalten, blauen Licht. Oder zum Anlehnen in den Rottönen des Abends. Ich sehe.
Ich sehe, weil ich gelernt habe, zu sehen. Bewusst. Weil da entsprechendes Wissen abrufbar ist, weiss ich in der Regel auch recht flott, warum mir ein Bild gefällt oder eben nicht. Nicht ‘ob‘ es mir gefällt, sondern ‘warum‘ es mir gefällt. Und weil das so ist, und weil ich das jeden Tag beacker und trainiere ist es mir herzlich gleichgültig, ob ein Bild aus einer Legokamera oder einer state-of-the-art-Nachtsichtgerät-mit-rotgoldenen-Ringen-Maschine kommt. Weil soweit erst einmal es egal ist. Wie ich sowohl mit der einen, wie auch der anderen Bildaufzeichnungskiste Ergebnisse hinbekomme, die nicht unbedingt gleich eine Kiefersperre verursachen, aber doch einen wow-geil-nee-iss-nich-wahr-nicht-mit-DEM-Ding-Effekt haben.

« Inspiration comes and goes, creativity is the result of practice. »

Sacken lassen. Kreativität kann man üben (und im Grunde genommen ist Kreativität nichts anderes, als das Lösen von Problemen. Auch mal drüber sinnieren ;) ). Die Werbeleute machen uns das jeden Tag wieder vor. Okay, die von der germanischen Radiowerbung vielleicht auf einem anderen level als britische Filmchenmacher …
Ein Läufer im Vorbeilaufen mit verwischtem Hintergrund ist eigentlich schon cool, weil kaum einer auf die Idee des panning kommt, aber wenn der über mich rüberhüppt, dann wär das vielleicht mal gleich ne Runde noch viel cooler, weils einfach so ganz anders aussieht. (Ok, erwischt und zugegeben, ich habs irgendwann einfach mal gemacht. War richtig cool. Und ich hab die Idee auf ewig und noch drei Tage abgespeichert, als mögliches Bild.) Hey, go crazy ! Rockt.
Geht jetzt übrigens in Richtung Perspektive. Auch so ein Kompositions- oder Bildgestaltungsding. Von oben wie ein Vogel, von unten wie ein Frosch, aus Augenhöhe, halbtief, von weit weg, von nah dran, von ganz nah dran. Von drinnen. Kein Scherz. Endoskopie. Nimm Dir die Begriffe zu Herzen : Totale, Halbtotal, Halbnah, Nah, Gross, Makro. Und verwurbel das mit Deinen Brennweiten, die Du zur Verfügung hast. Mach Dir Gedanken, wie was mit Weitwinkel aussieht, wie mit Normalbrennweite und was sich dann bei Teleeinsatz noch mal ganz gewaltig ändert. ;) Führungslinien nicht unterschätzen. Drittelregel vielleicht noch mit dazu ? Aaaaah, es wird :)
Daraus – aus der Perspektive und den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten des Glaskrams – abgeleitet : Ich kenne mein Werkzeug und ich weiss, was ich womit wie machen kann, um eine Idee umzusetzen. Ebenso weiss ich, welches Werkzeug ich benötige ( jahaaa, soviel zum Thema, es sei egal. Nur, da gibt es noch was : Ich kenn die Grenzen meines Krams uuuund ich weiss an und für sich recht häufig, wie ich die so tricksen kann, dass da doch noch was brauchbares bei rumkommt. Den über mich drüberspringenden Läufer bekomm ich auch mit ner Hosentaschenknipse hin, die gefühlt fünf Minuten Auslöseverzögerung hat und vorfokussiert werden muss. Echt jetzt. Läuft. ;) ).
An solchen Dingen scheint es mir in den Forenlandschaften auch gerne mal zu fehlen. Wer offenbar gesteigerten Wert auf hohe Bildqualität legt, sich aber über ‘verwackelte’ Aufnahmen beschwert, der braucht keine neue Kamera und auch keine andere Optik. Der muss entweder an seiner Kamerahaltung als solcher arbeiten oder in ein vernünftiges Dreibein investieren. Am besten in beides. Hund HabenWill ist kein guter Berater. Fehler zu machen ist super, sie als solche zu erkennen und daran zu arbeiten eine richtig gute Schule. Erkennen, analysieren. Dann kannst auch mitreden. Aber suchen Du musst. Nach den Linien, den Flächen, den Formen, den Perspektiven, und danach ein Bild auseinanderdröseln. Üben. Wie immer. Praxis, Praxis, Praxis.

Clôtures dans le brouillard. Cornouailles. 2006.

… und noch so ein Dilemma : « Wie bekomm ich diesen und jenen Look hin ? »

 

Es ist also irrsinnig vieles, das beim Entscheidungsprozess für ein Bild eine Rolle spielt, und es lässt sich auf Licht, Komposition, subject of interest runterbrechen. Wobei es mir auch völlig egal ist, ob Schatten absaufen oder Lichter an Stellen, die eh nichts beitragen, eventuell ausbrennen. Warum müssen wir eigentlich in jedem verdammten Schattenbereich und jeder Funzel noch Struktur haben ? Weil es ‘neu’ ist ? Oder ‘was Besonderes’ ? Oder schieb ich da nur an den Reglern rum, weil ich sonst mit dem Bild nichts zu erzählen habe und mir nicht eingestehen kann oder will, dass das Ding was für die Tastenkombination cmd+backspace ist (Mac, Dose weiss ich nicht. Im Zweifel Strg+Alt+Entf … kleiner Scherz – beim Mac gehts damit Richtung Tonne. Löschen. Tilgen. Wegwerfen.) ? Vielfach war und ist erschreckenderweise immer noch Letzteres der Fall. Rollen sich mir die Fussnägel hoch, für andere ist es Neuland. Wow ! Wo ich eigentlich nach meiner ganzen Lebenserfahrung ‘tiefste Nacht’ erwarte, sind Strukturen, klar und deutlich. Das haut mich so aus den Socken, dass ich den Kram drumrum ausblende. Das ist cool, das ist toll, das will ich auch. Frag ich ein Forum, wie das geht. Und weil das unheimlich viele ‘andere’ sind, die in Foren gefragt haben, wie das nachgebastelt werden kann, wird es irgendwann zur Gewohnheit. Es wird selbstverständlich, es ‘muss’ eigentlich so. Und schon leben wir in einer im wahrsten Sinne des Wortes übersättigten Bunte-Bilder-Welt. Denk bitte vorher nach, ob das nötig ist. Ein mickriges Bild bleibt ein mickriges Bild und wird am Rechner nicht besser. Höchstens ein effekthaschendes, hilfeschreiendes, buntes mickriges Bild. Drück es in die Tonne. Und wenn Effekte, dann denk vor dem Auslösen drüber nach. Erleichtert die Sache mit der Komposition, dem Licht und … weisst schon … erleichtert die Geschichte. Wenn ich zB mal ergründet hab, wie so ein Weichzeichner-Dreamy-Pastell-Filter funktioniert, kann ich bei der Aufnahme auch schon mal eine Nylonstrumpfhose vor der Frontlinse festtüdeln. Nur so ein Gedanke. Kreativität und so …

Und dann kommt da noch was, was sich im vielgequälten Satz von Bob Capa « if your photographs aren’t good enough, you were not close enough » wiederfindet : Es ist nicht nur die rein pysikalische Nähe zu ‘meinem’ subject, sondern auch die intellektuelle. Beacker ein Thema bis zum Umfallen, liebe oder hasse es. Die intensive Beschäftigung damit macht es – zusammen mit dem allgemein fotografischen Wissen – sehr schwer, ein Bild davon zu vermasseln.

surfers. Cornouaille. 2006

Ein ‘gutes Bild’, das kann viele Ursachen haben. Ein paar Dinge, auf die ich so fliege. Und als Anregung :
Ich mag Kontraste, wenn sie gesehen und dargestellt werden, ich mag Führungslinien aller Art, ich liebe einen aufgeräumten Hintergrund, Augenhöhe bei Insektenmakros. Den ‘guten’ Umgang mit der Horizontlinie. Wenn mein Auge im Geviert gehalten und nicht bspw bei Portrait mit Kopf links und Blick nach rechts aus dem Rahmen gefeuert wird, soweit da nicht das subject of interest ist. Kopf rechts und Blick nach links lässt mich immer wieder zu den Augen zurückkommen, weil wir halt in der ‘westlichen’ Welt mit Betrachtungs- und Lesegewohnheit links oben nach rechts unten leben.

 

Ich mag Freistellung über Farbe, einen dunstigen Hintergrund, über Kontraste … und nicht ausschliesslich mit der Holzhammermethode Offenblende. Ich hasse Matschaugen ; die hat das model meistens nicht verdient. Ich mag auch keine Tuscheklumpen, sondern diesen unvergleichlichen Glanz der Iris mit der sich drüberwölbenden Pupille. Der psychologische Einsatz von Farbe zur ‘Stimmungsmache’ … Hammer. Wenn die psychologisch wirksamen Kleinigkeiten in Arm-, Hand- oder Beinhaltung rausgearbeitet wurden. Einfach nur toll.
Ich mag die Farben und das weiche Licht vor Sonnenaufgang. Das bei und kurz nach Sonnenaufgang mit seinen langen Schatten, die so hervorragend eingesetzt werden können, um den Blick zu führen. Oder das warme Gegenlicht zu Sonnenuntergang, wenn so schön mit Silhouetten gearbeitet werden kann. Mittagslicht und extreme Kontraste können sehr wirksam sein, wenn Schatten wirklich absaufen und Lichter brennen, wenn Hitze dargestellt werden will. Ich mag die Vogelperspektive ebenso wie den Frosch, wenn es dem Bild diesen ‘kick’ geben kann, er es anders macht, als die Masse. Ich mag dieses ‘gewisse Etwas’ in Landschaftsbildern, wenn da ein Vieh oder ein Mensch mit auftaucht. Oder einfach nur ein Lichtstrahl. Und manchmal auch Strassen und Gassen, in denen einfach nichts los ist. Ich steh total auf ‘aufgeräumte’ Bilder und Wimmelkram nur, wenn es angebracht ist. Manchmal gehören Sachen in die Mitte, meistens aber knapp daneben.
Und manchmal musst dein eigenes Licht zur Party mitbringen ;)

Wer sich noch einmal Sachen über Grundlagen zu Portraits und Licht anlesen will : voilà, scroll Dich durch ;)