Selbst der Wind kommt da nicht gegenan. Die Hitze haengt wie eine Glocke ueber der Stadt, die Temperatur liegt gefuehlt bei 200 Grad, wahrscheinlich sind es aber nur 35, Luftfeuchte bei 50 Prozent. Santa Cruz, Bahia Huatulco, im Sueden Mexikos, im Hintergrund rauscht der Pazifik einschlaefernd vor sich hin. Auf der anderen Seite krabbeln die Auslaeufer der Anden zuegig auf 2.500 Meter und mehr, die hintere Bergreihe huellt sich in Dunst.
Pazifik, jaja
Ich habe mich einigermassen flott akklimatisiert; kein Wunder eigentlich nach dem Brutofen Kroatiens. Das hat sich vor 72 Stunden noch nicht so angefuehlt. Da war ich einfach nur hundemuede und hungrig. Michael und Volker haben mich am Flughafen von Mexiko eingesammelt.
Vol AF 438. Und das an der Scheibe ist Eis
irgendwo ueber Irlands Norden
Hinter uns Dreien lagen 12 Stunden Flug von Paris, vor uns knapp 900 Kilometer mexikanische Autobahnen und sagen wir interessante Strassen ueber Land. Das Ganze in einer Kinderwiege von Dodge. Riesengeraet, typisch amerikanisch vertraut man auf die Daempfung vermittels Blattfedern. 5 Komma 4 Liter Hubraum aus 8 Zylindern sollen das Trumm nach vorne schieben und das machen die nicht gerne. Jedenfalls kommmt das Teil nicht aus den Socken. Und es hoppelt. Hoppelt gar fuerchterlich ueber die Hinterachse. Dagegen ist Freund Beules Kombinationskraftwagen mit dem Stern und belgischer Wiege ein Geradeauslaeufer. Echt. Was ein Gewackel. Wackel wackel wackel wackel *wurgs* … ;-) Der Verkehr in Mexiko-Stadt (Stadt ist untertrieben, das ist ein Moloch; offiziellen Meldungen zufolge stapeln sich hier annaehernd 23 Millionen Menschen. Aber weil das nun mal ‘Stadt’ heisst, schreib ich das auch so) unterscheidet sich von dem in Paris nur dadurch, als alle Nase lang irgendwelche Bagaluten unbedingt die Scheiben putzen wollen. Ansonsten wie gewohnt: einfach draufhalten, es wird schon gutgehen. Es ging gut. Die Ausfallstrasse Richtung Puebla ist schnurgerade. Und voll. Das aendert sich schlagartig an der ersten Mautstelle. Nicht lang aufgehalten, Bargeld lacht, der kleine Mexikaner in seinem Haeuschen auch und weiter Richtung Puebla. Dort sollte eigentlich Nachtquartier bezogen werden, da es des naechtens im Land sehr sehr unsicher ist und hinter jedem Pfosten uns jemand nach dem Leben trachtet. Vom Aussehen her bestimmt ebenso schmierig wie aus den Dokumentarfilmen amerikanischer Provenienz. Siebzehn Augen fuer ein Halleluja. Oder Fuer eine Handvoll Ton. Irgendwas in der Richtung. Auf jeden Fall mit Tierquaeler grossgezogen und Feuerchili als Snack zwischendurch. Wahrscheinlich schon morgens um halb neun. Im fahlen Licht des Mondes schimmern hungrig die Patronen in ihren Gurten. Nervoes zuckt die Bleispritze, wartend auf das naechste Opfer. Die Fliegen um den riesigen Hut allerdings interessiert das alles weniger, aber auch deren Blut gefriert in den Adern, wenn die Saloontuere knarrt… Nun, gefaehrlich war nur das schaukelnde Etwas von Dodge in Verbindung mit Spurrinnen und camions nebenan. Und vielleicht noch der einsetzende Regen. Jedenfalls hat es uns in Puebla und so direkt am Highway nicht sonderlich gefallen und die wilde Fahrt ging weiter. In irgendeine Richtung, aber immer grobe Peilung Suedwesten, Richtung Kueste.
Wiegenschaukel am Benzinladen
Grob deshalb, weil das Kartenmaterial nicht mit der vorbeiziehenden Landschaft uebereinstimmt. Nicht so wirklich. Und grob auch, weil es hier im Lande die lustige Angewohnheit gibt, dass zwar Schilder im Strassenbegleitgruen rumstehen, aber an den wichtigen Kreuzungen eben nicht. Zumindest nicht mit dem Aufdruck Huatulco oder Ochsenkacke oder wie dieses Nest heissen soll. Oaxaca. Fragt nicht, wie das richtig ausgesprochen werden muss, bei uns hat sich der Name mit den Ausscheidungen des behornten Tiers eingebuergert. Der Ort ist nervig. Es gibt Bumps zur allgmeinen Geschwindigkeitsbehinderung. Die Dinger haben das in sich und so manche Oelwanne auf dem buckeligen Gewissen. Davon zeugen die Einschlaege auf der Rueckseite und die schartigen Blessuren obendrauf. Der gemeine Mexikaner als solcher baut die Mistdinger auch einfach mitten ins Nichts. So richtig mitten im Nichts mitten quer ueber die Strasse. Zumindest schoss das Adrenalin durch diverse Koerper und das Gepaeck hat seinen regelmaessigen Ruehrgang erhalten. Auch was wert; auf stetes Umruehren von Gepaeckstuecken in Kinderwiegen ist streng zu achten. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Schon doof, wenn so in der Nacht bei leichtem Nieselregen von allen Seiten jeder vermaledeite Schatten zum BUMP werden will und dann doch keiner ist. Aber Volker war gut geschuettelt und geruehrt wieder einsatzfaehig. Weiter geht die wilde Hatz. Allmaehlich wird das dann auch mal hell. Verdammt nah am Aequator dran, hier. Leichter Schleier am Horizont und dann ZACK! Licht an. Nun denn. Immerhin wollte nun auch die Landschaft beguckt werden. Munter hoch wars. 2.700 Meter oder so.
kurz vor 'Licht an'
Und lustige Serpentinen gibt das. Da kommt beim Chauffeur glatt der Rundkursmeister zum Vorschein und der Anhaenger des kuehnen Fahrens sowieso.
Los, wech da!
Meinen Magen hab ich besser nicht gefragt und so hat der auch nicht gemuckt. Alles wird gut. Die moerderische Delle in der Felge hinten links haben wir irgendwie verdraengt und erst nach dem Zieleinlauf naeher betrachtet. Haelt, der olle Pnoeh. Prima. Es beruhigt ungemein, gewisse Dinge einfach mal nicht zu wissen. Was auch nicht mehr muckte, war die Tanknadel. Das Schild mit der Ankuendigung, dass das naechste Benzingeschaeft irgendwie 80 Kilometer weg sein will, stand noch gar nicht so wahnsinnig weit hinter uns am Wegesrand. Der Gasfuss bekommt Angst vor dem Pedal. Aaaaaaaaber….. ist ja nicht Europa, nein. Es ist Mexiko. Da wird Benzin am Strassenrand verkauft. Wie in den Berichten im Fernsehen. ‘Gasolina und Nochwas’ will uns das selbstgemalte Schild da in der Kurve erzaehlen.
bestellt wird ueber Satellit ;-)
Und Richtig, in einem Verhau lagert der begehrte Saft fuer den Autowagen.
Zapfsaeule auf mex
Der kleine Mexikaner
Becher Kaffee mit merkwuerdigem Zucker drin und eine irre Aussicht gab das mit dazu. Toll, dieses Mexiko.
...
Und irgendwann war auch ER da. Der Pazifische Ozean. Blau und lau. Fuss reingehalten, Badewannentemperatur. Demnaechst muss ich da einfach reinhueppen. Sonntag morgen 1100 war das Hotel der Rennpiloten erreicht. Nach dann doch 12 Stunden reiner Fahrzeit zuzueglich Pausen zum Rauchen und Wasserlassen und bloeder Rumkurverei in Orten mit lustigen Namen, weil wieder jemand das Schild geklaut hat (moeglicherweise der Typ von vorhin, auf der Jagd nach frischen Gringos).
... nicht das Mistnest, aber Bumps haben die auch
erfrischend bunt ist es
Ueberrascht waren die Truppen. Ding der Unmoeglichkeit, die Mannschaften sind schon da. Schoen. Autowagen bestaunt, Essen fassen, Hotel suchen und finden und DUSCHEN. Kuhl. Erst einmal den Spak nicht so ganz genau begucken. Das Wasser im Waschbecken laeuft sicherlich innerhalb der kommenden fuenf Tage auch wieder ab. Und das naechste Handtuch hat bestimmt keine gelben Flecken. Bestimmt nicht. Bei $ 400 pro Nacht wird nicht allzu viel erwartet. Aber die Betten sind toll. Feine, harte Matratze. Ohne Mitbewohner. Glaub ich. Abwarten, erst einmal sind wir hier. Angekommen. Alles weitere wird kommen. Auch in diesem Blog. Gruss in die weite Welt, bonne journée à tous.
Spassiger Geselle

4 thoughts on “Von ganz weit her…

  1. Wackel, Wackel…..

    I wull di watt!
    Leichtes Torkeln um die Mittellage ist der Terminus Technicus.

    Schön daß alles läuft.
    Bin gespannt!
    $400 die Nacht? Hast u Lack gesoffen?

    Naja
    Der Hörr Fotograf hats ja

    Und die Sprache verloren hat er auch, jetzt hab ich gerad mein Wörterbuch mit dem Buchstaben von der Sprache aus der nichtmehr ganz so großen Stadt rausgeholt, da schreibt der Bengel nach heimischer Mundart.

    Grütze nach….öh..is links oder rechts kürzer????
    Beule

  2. Wackel, Wackel…..

    I wull di watt!
    Leichtes Torkeln um die Mittellage ist der Terminus Technicus.

    Schön daß alles läuft.
    Bin gespannt!
    $400 die Nacht? Hast u Lack gesoffen?

    Naja
    Der Hörr Fotograf hats ja

    Und die Sprache verloren hat er auch, jetzt hab ich gerad mein Wörterbuch mit dem Buchstaben von der Sprache aus der nichtmehr ganz so großen Stadt rausgeholt, da schreibt der Bengel nach heimischer Mundart.

    Grütze nach….öh..is links oder rechts kürzer????
    Beule

  3. Herr Fischer!
    Der Strand sieht gemütlich aus, die Tankstelle bietet eine Rustikalität, wie sie mir liegt.
    Allso scheint alles im Lack.

    Seinz jegrützt,
    jw

  4. Herr Fischer!
    Der Strand sieht gemütlich aus, die Tankstelle bietet eine Rustikalität, wie sie mir liegt.
    Allso scheint alles im Lack.

    Seinz jegrützt,
    jw

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