publié le 8 novembre 2013

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Herbstzeit, Winterzeit, Zeit der warmen Klamotten. Und eines « Kettenbriefes » auf allen ĂŒblich verdĂ€chtigen KanĂ€len des Netzes, in dem die Pelztierhaltung herzzerreissend angeprangert wird, gekrönt von einem Foto unbekannten Datums und unbekannter Herkunft. Teils « einfach so » reingestellt und verbreitet, teils mit ĂŒbler Polemik gegen mit Namen genannte Modedesigner. So weit, so gut. So zweifelhaft. Tierhaltung und deren Bedingungen also mal wieder.

Weil diese Bedingungen und der Umgang mit den Tieren ja so fĂŒrchterlich sind, esst ihr also konsequenterweise nichts, das Eier enthĂ€lt. Neeee, Bio. Von freilaufenden HĂŒhnern. Von einem kleinen Betrieb. Mit 300 000 Tieren, die FlĂ€chen von gewaltigen Ausmassen zerscharren, weil Huhn das mal so tut. FlĂ€chen, auf denen Hunderte Ein-Euro-Jobber in gebĂŒckter Haltung tagein tagaus die Eier aufklauben, fein sanft in die Schachteln legen, hier und da noch ein Federchen dazu ? Oder kommen die, weils ja doch so zwei, drei mehr sein dĂŒrften bei unserer Bevölkerungszahl, doch eher aus « Batteriehaltung » ? Ich glaub ja nicht, dass Huhn so irre viel Platz hat, um unseren tĂ€glichen Bedarf zu decken. FĂŒr dich. FĂŒr mich. FĂŒr sieben Milliarden weitere. Ach nee, 2/3 haben ja nichts Ordentliches zu kauen.

Ihr esst bestimmt auch kein Fleisch, weil das auch unter zweifelhaften Bedingungen produziert wird, oder ? Bestimmt auch nicht beim Junk-Anbieter im Vorbeifahren. Vorbeifahren kannst in der « neuen Welt » an Schlachtfabriken, deren Viehwartezonen auf den Tod von hier bis an den Horizont reichen. Irre. Ausserdem ist das ĂŒberwiegend wĂ€sseriges Fett, das ist nicht gut. Mageres HĂŒhnchen- und Putenfleisch fĂ€llt auch aus. Die Biester werden undenkbar unwĂŒrdig in ein paar Monaten vom niedlich gelben FederknĂ€uel auf Riesenschenkel und -brĂŒste gemĂ€stet und können wegen des nicht hinterherwachsenden Knochenbaus nicht laufen. Geht gar nicht. Aber gĂŒnstig liegen sie abgepackt beim Discounter. Lass es frisch sein. Und nach was schmecken. Wie frĂŒher, beim Dorfschlachter um die Ecke. Hauklotz, Hackebeil, Kopp ab. Keine Fabrik, in der die BetĂ€ubungsanlagen auch mal ein paar Minuten nicht fehlerfrei arbeiten, wĂ€hrend das Transportband da durchrattert.

Auch isst du nichts, was irgendwie nach Fisch riecht. Ach so, tuts ja auch nicht mehr, wurde den Biestern inzwischen soweit möglich auch weggezĂŒchtet. Nee, wenn, dann ganz natĂŒrlich. Aus riesigen Fischfarmen, um die herum die WasserqualitĂ€t wegen der FĂ€kalien ( ja, Fische scheissen ins Wasser ) bös grenzwertig ist. Kommt aber nicht am Strand an. Nur in Form von Quallen und Algen, die das Zeug nahrhaft und geil finden und sich prĂ€chtig vervielfĂ€ltigen. Oder Hochsee. Hochsee ist gut. Beifang muss abgeliefert werden. Klarer Fall. Nur, die KĂ€hne, mit denen gefangen wird, die sind so riesig und so teuer, dass die sich ein einzelner Fischer nicht leisten kann. Die gehören Firmen. Aktiengesellschaften. Und jeder ordentliche Kaufmann packt sich bestimmt die KĂŒhlkapazitĂ€ten mit fĂŒr ihn wertlosem Beifang zu, auf dass die Anteilshaber sich zum Jahresende einen Betrag zur Deckung der laufenden Kosten und der Wartungsarbeiten des Eimers aufs Konto schieben können, hab ich soweit richtig verstanden, ja ? Es geht nicht um Gewinnmaximierung. Gute Sache. Oder vielleicht doch nicht so ganz und es geht ums Scheffeln, um nur nach oben zeigende Kurven und Zahlen in den Berichten und bei der Bank, damit es ein richtig rauschendes Fest wird mit allem pipapo ?

Warte, forsche ich kurz im Internet nach. Mit einem Rechner oder unterwegs mit dem Tablett, welches wahrscheinlich einen programmierten FrĂŒhtod sterben wird, auf dass ich bald einen neuen kaufen muss, wĂ€hrend die Reste des « alten, kaputten, sowieso technisch nicht mehr up to date befindlichen GerĂ€tes » an einem westafrikanischen Strand verklappt werden. Gut, dass der Akku noch so lange hĂ€lt. Der besteht nĂ€mlich aus Rohstoffen, die leider in unserer « ersten Welt » nicht so an der OberflĂ€che rumliegen, sondern in SchwellenlĂ€ndern unter zumeist fragwĂŒrdigen Bedingungen abgebaut werden. Bevor die daraus gewonnenen Einzelteile wild um den Globus geschippert werden zur Endfertigung.
Ja, mit Containerfrachtern, den Giganten der Meere. Ein fĂŒnfzehnstöckiges Hochhaus ist Lego, neben einem solchen Pott. Diese Dreckschleudern. Jo. Weil die nĂ€mlich den Dreck verfeuern, der bei der Herstellung von « sauberem », vor allem schwefelbereinigtem Sprit fĂŒrs liebe Auto ĂŒbrigbleibt und irgendwie wegmuss. Du fĂ€hrst doch Diesel ? Und nicht so einen alten, rĂ€uchernden Stinker, nein fein hochmodern, oder ? Diesel aus Raps. GefĂŒhlt ist halb Deutschland gelb im FrĂŒhsommer, um das Zeug « nachwachsend » zu gewinnen. Pumpe DĂŒse, auf dass die Leistung stimmt. Nur 
 da kommen Restpartikelchen hinten raus, die die Lunge nicht mehr verarbeitet bekommt und die du nicht schlicht raushustest. Der Kram wird stattdessen mit diversen Katalysatoren aus teuersten, weil seltenen Rohstoffen rausgefiltert. Oups. Dann lieber Benziner. Braucht leider auch so ĂŒble Kats. Wegen der steigenden « Umweltauflagen » noch nicht ganz zweistellig an der Zahl. Pro Karre. Und nimmt Biosprit. Von unvorstellbar grossen AnbauflĂ€chen in SĂŒdamerika und Asien. Das Zuckerrohr, was da wĂ€chst, ist zu nichts anderem nutze ausser der Herstellung von Sprit. Wirklich unvorstellbar grosse FlĂ€chen werden damit bebaut. Das Volk hat aber nichts mehr zu essen. Und fackelt, sofern es nicht ohnehin schon fĂŒr nachwachsendes Benzin passiert, den Wald ums Dorf drumrum ab, damit wenigstens das Allerallernötigste an Nahrung noch angebaut werden kann.

Nee, Hybridauto, leicht und sparsam und umwelthip. Das mit den Akkus hatte ich schon, oder ? Mit dem ganzen elektronischen Schnickschnack, der da noch so drin ist, fang ich mal lieber gar nicht erst an. Da hauen Firmenkonglomerate das GestrĂŒpp namens « Wald » weg, weil an Rohstoffen gebraucht wird, was unter der zarten ErdflĂ€che lagert. Leider auch nicht in unseren Gefilden, sondern Ă€quatornah. Aber fĂŒr Hightech-GerĂ€te wie so eine Steuerlektronik das fĂŒrs Auto nun mal ist, dafĂŒr ist es erforderlich. ZurĂŒck zum Hybridflitzer. Karosse aus Alu und Verbundkunststoffen. Leicht. Irrsinnig teuer in der Herstellung, weils es in einer einzigen Fabrik fĂŒr die GerĂ€tschaften zur Aluherstellung und den Backöfen fĂŒrs Kohlefaserzeug den Jahresstromverbrauch einer gar nicht mal so kleinen Stadt hat. Am Tag. Atom ist kacke, Öko rockt. Energie aus  Biogas, das ist die Zukunft, jawoll. Hochsubventioniert schiessen die KĂŒbel schlimmer als Pilze aus dem Boden. GefĂŒttert mit Mais. Ach nee, die brauchen ja nur das GrĂŒnzeug, also aus einer weiterentwickelten Pflanze, die keine Frucht mehr trĂ€gt. Spart die Kosten fĂŒrs PflĂŒcken. Und einen riesigen Hunger haben diese GĂ€rpötte. Wieder der ein oder andere Hektar weg. Sogar hier im Land. Soweit er nicht dichtgepflastert ist mit Solarpaneelen. Aus Rohstoffen hergestellt, die auch nicht an der OberflĂ€che so rumliegen. Aber die arbeiten mit Licht. Jo. blöderweise aber hier auf der nördlichen Halbkugel nicht gaaaanz so effizient. Steckst die in Brand, arbeiten die toll, weils irre Licht gibt. Beinahe ein perpetuum mobile. Gelöscht bekommst das nicht vernĂŒnftig, lass runterbrennen. Da gehen lustig funkensprĂŒhend chemische Kombinationen in die Luft, da schlagen die Herzen derjenigen, die auf diese lustig bunten Modelle und Formeln stehen, PurzelbĂ€ume vor Freude.

Dann halt Windkraft, ist nicht ganz so doof. Jupp. Aber nicht vor meiner TĂŒre, so einen fauchenden Riesen. Wirst ja kirre von. Ausserdem sterben Vögel, weil die in die Zugbahn reinragen, so hoch sind die inzwischen, auf dass das Sirren und Surren und Brummen des Generators da oben unten nicht mehr zu hören ist. Also offshore, raus aufs Meer, da fliegen die Biester ein bisserle höher. Geht im Flachwasser. Nordsee ist cooler als die Ostsee, weil da mehr Platz ist, bis da wieder einer wohnt. Dummerweise wurde « vergessen », dass da die Nachlassenschaften zweier gar nicht mal so kleiner kriegerischer Auseinandersetzungen munter verklappt wurden und sich durch die doofe Meeresströmung wild verteilt haben. Mit dem Freischaufeln der Wege fĂŒr die Kupferleitungen Richtung Festland verdient sich eine hollĂ€ndische Firma gerade eine Platinnase nach der anderen. Ist dem Betreiber aber relativ egal, weil das ja subventioniert wird, vom Staat. Zum festen Kurs, an dem die kommenden 20, 30 Jahre nichts gedreht werden kann, mĂŒssen die Energieversorger den Betreibergesellschaften den Strom abnehmen. Sonst wirds ja nicht mehr lukrativ. Zu teuer. WĂŒrde kein vernĂŒnftig rechnender Kaufmann anfassen, so ein Projekt, viel zu unberechenbar und damit unsicher. Beguck mal Deine Stromrechnungen der letzten Jahre, wer das finanziert. Windiges GeschĂ€ft. Und du dachtest, du könntest vernĂŒnftig rechnen und hast das unter Kontrolle.

Auf den Schreck einen Orangensaft. Oder Tomate. Ist gesĂŒnder und auch noch billiger. Weil hier horrende Gelder zu Produzenten fliessen, die ganze Landstriche unter Folie und Glas verschwinden lassen, damit die ganzjĂ€hrige Versorgung sichergestellt ist. Weil die Bedingungen so toll sind, produzieren sie eine Menge. Wollen ja verdienen. Und machen so viel, dass zudem irre viel ĂŒbrigbleibt. Muss leider, weil sonst fĂŒrs nĂ€chste Jahr der Geldfluss abgedreht wird. Wegschmeissen und vergammeln lassen ist doof. Also packen wir das in Container und schippern das zu den HilfebedĂŒrftigen nach Afrika. Da wird der Krempel dann nahezu verschenkt. Das Volk greift zu. Und das da blöderweise in der Umgebung ansĂ€ssige BĂ€uerchen auf dem lokalen Markt sieht zu, wie seine eigene Ernte, die er schon zum Selbstkostenpreis anbietet, vergammelt. Weil der Kram einfach teurer ist, als das, was von den guten Menschen aus dem fernen Europa da hingekippt wird. Zu Hause gibt es keine Zukunft mehr, also die Habseligkeiten geschnĂŒrt und auf nach Europa. Wenn die da das Geld schon verschenken, können die das auch mir geben. « Ich wĂŒrde dafĂŒr sogar arbeiten und die Sprache lernen wollen. Kann ich was nach Hause schicken, damit die DaheimbleibenmĂŒssenden und Oma sich dann auf dem dortigen Markt wieder was Schönes kaufen können. Ausserdem haben die mir die Reise bezahlt, alle zusammen. »
Nee, ist mir alles zu doof, ich hau ab auf meine SĂŒdseeinsel. Toll, dass die Preise fĂŒr den Flug sich noch auf dem Niveau von 1985 gehalten haben. FĂŒr hin und zurĂŒck. 1985 bist zu dem Kurs nur hingekommen. Und Flugbenzin lĂ€sst sich leider nicht so wie fĂŒrs liebe Auto ohne weiteres zusammenbrauen. Wird dir ganz kalt von, nicht ? Schnell den Pelz ĂŒber. Aber nicht den echten, das ist ja widerlich. Nee, Kunstpelz, den kannst mit reinem Gewissen kaufen. GĂŒnstig. Weil das in Asien zusammengeschneidert wird. Unter Bedinungen, zu denen du nicht mal deinen Hund halten wĂŒrdest. Geschweige denn sowas deinem Nachwuchs zumuten, egal, was der grad ausgefressen hat. Ist da auf dem anderen Kontinent aber Tagesordnung. Die Materialien wie der tolle Kunstpelz kommt aus chemischer Produktion. FĂŒr die jede Menge Erdöl gebraucht wird. ( Wie eigentlich fĂŒr alles, was so jeden Tag in den Körper getan wird und in dessen Zutatenliste irgendwas mit « E » auftaucht. Erdöl als Grundstoff. Und Schimmelkulturen, damits schmeckt. ) Wo da die AbfĂ€lle hingekippt werden, das will ich lieber nicht wissen. Passiert ja nicht hier. Ist gottseidank ganz schön weit weg. Und unblutig, nichts fĂŒrs Tagesprogramm in der Glotze.

So. Ich geh jetzt ZĂ€hne schrubben. Aber nicht mit der Superweiss *pling* ZahncrĂšme, deren Nanoteilchen nicht weggespĂŒlt werden, weil sie sich in so kleinen Ecken festsetzen können, dass selbst Wasserteilchen wie ein Fussball erscheinen, wĂ€hrend sie dran vorbeischwimmen. Nanodreck wird ĂŒber kurz oder lang in die Zellen wandern. So, wie der PlastemĂŒll, der auf den Weltmeeren verklappt mĂ€chtig in kleinste Bestandteile zerrieben wird oder zerfĂ€llt und von den da doof rumschwimmenden Viechern aufgenommen, aber nicht ausgeschieden wird, sondern auch bei denen in die Zellen wandert. Bevor sie heute mittag im take-away junk wieder in meinem Körper landen könnten. Anschliessend Dusche. Mit Gel aus der NachfĂŒllpackung, damit der Verpackungsberg nicht noch schneller wĂ€chst. Fliegt in den Gelben Sack. « GrĂŒner Punkt » heisst das Projekt, das hinterher den ja so viel weniger werdenden MĂŒll trennt. Halt ! Ist das nicht eine Gesellschaft ? Dann mĂŒssen die ja Geld verdienen. Mit möglichst jĂ€hrlichen steigenden Konzernzahlen und steigendem Gewinn. War wohl nichts. Hoffentlich hol ich mir mit der Duschgelverpackung nichts. Wird wohl dermatologisch getestet sein. An Tieren. Stinknormale Seife wird aus Knochen zusammengekocht. Macht auch blitzeblank und nicht alles muss nach Kernseife mĂŒffeln. Hinterher ein paar Tropfen Öl und die Haut trocknet nicht aus.

Pelztierhaltung. Als ob das was irrsinnig weltbewegendes wÀre. Die nÀchste Eiszeit kommt bestimmt. Her mit dem Pelz. Dem echten. Da stink ich nÀmlich nicht so drin wie im Kunstzeugs. In dem riechst wie der Spender.

Mensch, schmeiss einfach mal dein Hirn an. Und fang vor deiner eigenen TĂŒr das Kehren an, bevor du trĂ€nenreich irgendwas unreflektiert « wegen des schlechten Gewissens » und der ach so « bösen Anderen » teilst.