
Es gibt sie 🙂 Diejenigen, die Fotografie ernstnehmen, die begriffen haben, dass die Kamera keinesfalls der Zweck ist. Das bereitet Freude und gibt Hoffnung.
Und dann jene horizontlose Masse, die intellektuell dem Stillstand fröhnt : Die in sämtlichen Foren, communities, Gruppen eingenisteten Insassen bar jeglichem Grundverständnisses von ‘Fotografie’. Die, die sich mit einer jahrzehntelangen Tradition des Technikfetischismus hervortun und das mit Fotografie verwechseln.
Spätestens jetzt wetzen diese Spezialisten die Messer und fangen an, Tiraden in die Tastatur zu stammeln. Für ein Weiterlesen, Inhalt erfassen, begreifen, evaluieren, ist keine Zeit oder diese Hirnareale sind bereits von der ersten Schwemme Cortisol und Adrenalin gelähmt.
Weiss ich, schon vor zehn Jahren war das possierlich, wie die in den Foren auf ausschliesslich die ersten beiden Absätze des Artikels abgegangen sind wie ein Zäpfchen. Ich hätte wahrscheinlich noch nie mit f1.2 fotografiert und deshalb schon gleich dreimal keine Ahnung. Kristallklare Sache.
Erfreulicherweise gab und gibt es aber auch die, die den Rest gelesen haben. Die Gründe. Dass es mitnichten um f1.2 ging. Was es gibt und was gemacht werden kann. Wo weitergeforscht werden könnte. Die bekommen die Kernaussagen mit und wissen die zu verstehen und einzuordnen. Das sind dann auch jene, die über Anmerkungen und Kritik zu reflektieren verstehen, auch nachfragen, und mit denen sich ein Diskurs entwickeln kann. Meistens auch wird, konstruktiv für beide Seiten. Allein schon, weil es so viel mehr als ein 👍🏽 oder 🤣 sein wird. Es sind denn auch die, die wirklich machen.
Bokeh Monsters and Whores
Nun denn. Diese ‘lichtstarkes Objektiv brauchst du unbedingt’-Fahrstuhlmusik werden wir weiterhin aushalten müssen. Fast jede Frage nach Objektiven endet in dem Hinweis auf ‘lichtstarke Linse’, Bokeh, ‘Freistellungspotential’. Und straucheln nach wie vor, konstruktionsbedingtes Bällebad von Schärfeabfall auseinanderzuhalten. ‘Trennen des Hauptobjektes vom Hintergrund’ möchten sie eigentlich wissen. Background separation ; ‘freistellen’ ist etwas ganz anderes. Immer noch.
Die Marketingmaschinerie tut ihr Übriges, es wird gekauft und gekauft und dann in den Cliquen wortreich geplappert und gekauft, folglich wird es hochtrabend beworben und auch immer mehr und aggressiver, mit Sonderaktion ! Sale !! Rabatt alt gegen neu !!! einst vernünftige Seelen infiltrierend und dann denkt der Kamerabesitzer, so ein Dingen sei voll pro und ohne ginge alles an die Wand. « Kauf eins für vier, spar dich reich, ich sag es dir ». Weil das so gut läuft, werden die Kanalrohrdinger produziert, als gäbe es kein morgen.
(82mm Filter, 9 Zentimeter Durchmesser, 15 Zentimeter Länge. Ohne Streulichttulpe. Gewicht ein KILOgramm, siebzehn (!) Linsen in fünfzehn (!) Gruppen – Das ist das brandneue 35mm 1.2 von Nikon. ERNSTHAFT ? Für 35mm Brennweite ? Das ist ein Hauptabwasserkanal … Blende 1.2. Ganz doll wichtich … Flotte dreitausendzweihundertfünfzig Euronen. Das 1.4 ist für sechsfuffzich zu haben – peanuts. Priapismus will bezahlt werden.)
Dieses offenblendige Knipsen für den vermeintlichen ‘Profi-Look’ ist durch die technischen Entwicklungen der zurückliegenden Dekade zudem spürbar einfacher geworden – Geld hinlegen, anflanschen, draufhalten, klick, fertig. Den Rest macht die Kamera ganz allein – Augen-AF mit atemberaubender Treffsicherheit, auch immer flotter mit der Nachführung geworden, sicherer werdende Belichtungszaubereien, Anti-Wackel an der Grenze des Kollaps arbeitend. Das Nachfolgemodell kann das alles noch ein winziges Stückchen schneller. Perpetuum mobile in den Kassen der Hersteller.
Stand heute ist diese Materialschlacht auf einer Höhe mit den herablassend betrachteten Telefonknipsern. Diese Daseinsstufe wird allerdings vehement negiert, denn Offenblende mache angeblich den Unterschied. So jedenfalls hat das die Marketingleiterin von Panasonic formuliert. « A big step up from mobile phones. » Freudig wird es aufgenommen und potenziert ; Marketingprofi weiss halt, wie das Geld aus der Tasche gezogen werden kann. Looks pretty damn good. Musst. Du. haben.
« You're a Dick, Bob »
Es wird von den Menschen, die etwas von Bildern verstehen oder sogar beruflich damit umgehen, durchweg bekräftigt, ein gutes Foto brauche ganz objektiv gesehen drei Dinge:
- eigentlich sind es vier. Es sollte ein erkennbares Motiv vorhanden sein. Da scheitert ein erklecklicher Teil bereits dran … ein (gerne remarkabler) Moment zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit einer Absicht inbegriffen.
- es ist ‘richtig’ belichtet (die Tüdelchen deshalb, weil da eine Interpretation des Fotografen mit dranhängt, die mit seiner Intention von diesem Bild zusammenhängt)
- es ist angemessen scharf (oder erkennbar beabsichtigt unscharf)
- es hat eine(n Grundstock an) Komposition
Belichtung und Schärfe kann uns die Wunderkiste inzwischen beinahe ‘ungeprüft’ abnehmen. Da ist Verlass drauf. Der Punkt mit Komposition | Bildaufbau ist nach wie vor weitestgehend unbekannt, obgleich genau das doch endlich allein forciert werden könnte, weil die Automatiken so verlässlich sind. Auf das Unwissen in diesen Gefilden ist ebenfalls Verlass. 😉
Sofort ausserhalb eines ‘Motivs’ Unschärfe, logo – die schwächste aller Möglichkeiten aus dem visuellen Werkzeugkasten, das machen die bei nahezu allem, was ihnen vor die Linse gerät. Drittel sieht man vereinzelt bei denjenigen, die in der Bedienungsanleitung zum Gerät bis an Part mit den einblendbaren Gitterlinien vorgedrungen sind. Die gerne damit ebenfalls erforderliche Balance geht meistens schon unter, die Anleitung schweigt dazu. Das Gefühl für Balance, das scheint verkümmert. (Der Goldene Schnitt bedient sich ihrer schon seltener, ist dafür noch rarer in den Köpfen.) Und der hübsche feine Rest fehlt fast immer. Selbst eine ordentliche Linienführung ist selten geworden. Wenn etwas da ist, dann meistens durch puren Zufall. Häufiger leider als Unfall – vorhanden, aber als Defekt.
Das ist die Realität der Freizeitknipserei und – schlechthin kafkaesk – bei der überwältigenden Mehrzahl der Hobbyleute mit den immer aktuellen Kameramodellen und Objektiven unveränderte Wirklichkeit seit mindestens 75 Jahren. Fünfundsiebzig Jahre jene leidige Halbwisserei, mit der verglichen die einfache Ignoranz achtungswert erscheint.
Hältst du für eine schier ungeheuerliche Behauptung ? Dieses Internet ist ja eine tolle Sache, aufgemerkt :
« Die Fotografie insgesamt, besonders aber die ernste Amateurfotografie, befindet sich in einer Sackgasse. Die Amateurfotografen haben bei Vergleichen mit den Arbeiten der Kollegen aus dem Ausland gemerkt, dass wir im fotografischen Ausdrucksvermögen stehengeblieben sind. Und aus dieser Situation, Herr Prof. Carl Bosch, wollen Sie nun versuchen, den Durchstoß von der Beherrschung des rein Technischen zum Künstlerischen hin zu bewältigen. Wie glauben Sie, wird das möglich sein? »
« Das wird nur möglich sein, wenn wir mit neuen Begriffen an die Kritik der Bilder herantreten. Überall, von allen Seiten, wird mir geschrieben, dass man nach Bildgestaltung sich sehnt und dass man ein starkes Empfinden für das Ungenügen dessen hat, was wir leisten. Nun ist ja die Sache so, dass früher die Fotografen furchtbar stark an der Technik hingen und dass sie von der Technik erwarteten, dass ihnen alles gegeben werde, genauso wie der Knipser es heute noch glaubt und meint. »
« Ich glaube, Sie haben damit schon ein Stichwort gegeben. Was nämlich heute vorherrscht, ist die Fetischanbetung der Technik, dass man zwar sehr genau Bescheid weiß, über Brennweite, über einzelne Objektive, über Verschlusszeiten und so weiter, dass man sich aber viel weniger der Bildauswahl und der Bildgestaltung widmet. »
« Es ist also dieser Fetischismus der fotografischen Technik, dem wir verfallen sind und den wir nun unterbinden müssen. Es ist das nichts anderes als Absaloms Haar, das wir kürzen müssen und das wir beschneiden müssen auf allen Gebieten. »
(« Kritik an deutscher Amateur-Fotografie », Interview des Süddeutschen Rundfunks vom 24. April 1953). Neunzehnhundertdreiundfünfzig.
Dog on a motorcycle
Es ist völlig in Ordnung, Erinnerungen ‘unbedarft’ auf die Schnelle festzuhalten. Es ist völlig okay, die Kamera als Tagebuch zu begreifen. Gedankenstützen. Das ist eine hervorragende Sache. Für dich und (hoffentlich) auch für deine Liebsten. Wenn sie mit von der Partie gewesen sind. Denn dann fällt es leichter, sich die Erinnerungen an die Situation zurückzurufen.

Es war alles wieder da. Ein Nachmittag im Juli. Sie spürte die Sonne im Gesicht, das unvergleichbar sanfte Prickeln des Salzes auf der Haut. Der leicht kühlend kitzelnde Luftzug. Aus gleissend blassblauer Endlosigkeit des Himmels tropft die Melodie der Vögel. Das an- und abschwellend schnarrende Zirpen der Zikaden aus dem Hintergrund. Sie schloss geniesserisch die Augen und sog den warmen, schweren Duft der Pinien tief in sich ein. Aus der Ferne trägt sich Gemurmel herüber, wahrscheinlich vom Markt, gefolgt von dessen tausend verschiedenen Gerüchen. Von irgendwo die Klänge einer Laute. Jauchzend quiekende Kinder in tobendem Spiel. Vergnügt rauschend das Meer, sacht plätscherndes Auslaufen der Wellen, schmatzend an den Kieseln schlürfend.
MÖÖÖP !
Super Sache. Und nun kurz hineinversetzen in das, was passiert, wenn dieses Foto jemandem gezeigt wird, der kein Teil der Gruppe vor Ort gewesen ist ; es jemandem vorzeigen, der absolut keine Verbindung zu dieser Situation verspürt. Mit anderen Worten : Dieses dumpf dopaminerge Verlangen des Sharing. Teilen. Instagram, Fratzenbuch, diese Messengerdienste. Und nun ? Visuelle Kommunikation in Reinkultur, die ist jetzt gefordert. Es gibt einen recht erklecklichen Fundus an Möglichkeiten, denen am anderen Ende der Leitung die Situation im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft zu machen. Die ‘mitzunehmen’ in unser Erleben, sie daran teilhaben zu lassen.
Werbefachleute beispielsweise kennen alle Tricks, wie sowas geht. Da frage ich mich als Fotograf regelmässig, aus welchem Grunde nur ganz ganz wenige dahintersteigen möchten, wie sie (visuell) überrumpelt werden sollen, ein Produkt zu kaufen. Oder was Ursache für dieses Verlangen ist, jetzt einen Urlaub zu buchen, wie das geweckt wird. Was es eigentlich ist, was den Betrachter da fesselt. Und ob das vielleicht auch in die eigene Arbeit, die eigenen Kreationen appliziert werden kann, um deren ‘Eindruck’ zu verstärken.
Ich hinterfrage keineswegs ‘alles’, ich kann auch ‘einfach so’ geniessen. Bei vielen Dingen interessiert es mich und ich fange an, die visuellen Dinge in einem Bild aufzusplitten. Mir vorzustellen, ob das ‘ohne’ noch funktionieren würde. Oder in einer anderen Farbe, anderen Position, anderem Aufbau. So Dinge halt. Alleine schon, weil ich mich auf diesem Gebiet tummele.
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Da ist es « irritierend », wenn jemand daherkommt und meint, jetzt aber mal so richtig klarstellen zu müssen, das seien Hirngespinste im besten Falle. |

Ein unerhörtes Glücksgefühl hingegen in den seltenen Momenten, wenn jemand mit seiner Fotografie eine Zufriedenheit spürt, wenn das mit Auge und Gefühl Gesehene im finalem Bild wiederzufinden ist und wenn derjenige sich Gedanken dazu gemacht hat, wie dieses auch an andere Betrachter zu transportieren sei.
Wie eingangs erwähnt gibt es sie, die, die das mit Bildern, ihren Fotografien ernstnehmen. Die, die ihre eigenen Sachen und die anderer Fotografen reflektieren können. Die, die sich die Zeit dafür nehmen und die Zeit, zu machen, zu trainieren, statt darüber zu lamentieren, keine Zeit für Fotografie zu finden und zum nächsten Tech-Filmchen mit 10 Minuten zu hecheln. Und zum nächsten, schliesslich muss man da mitreden können. Und noch eines. Anstatt in dieser halben Stunde Schatten und Licht des Blumengestecks auf dem Tisch zu untersuchen.

In my heart I want to remain an amateur, in the sense of being in love with what I’m doing, forever astonished again at the endless possibilities of seeing and using the camera as a recording tool.– Inge MORATH |
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Come on, Silly, go ahead !
Das eigentliche Problem des geistigen Stillstandes ist, dass die Technikanbeter in den ‘communities’ vielfach der kühnen Überzeugung sind, sie wüssten, was sie mit dem elektronischen Wunderkästchen tun. « Amateur » wollen sie nicht hören, sowas seien sie auf gar keinen Fall.
Zumindest das stimmt. Denn ein Amateur, ein Liebhaber, der kümmert sich intrinsisch um sein Interessengebiet. Der kniet sich intensiv in ein Thema, der vertieft sein Wissen. Und so erlangt er Kenntnis in der Historie, den Strömungen, den psychologischen Hintergründen und Wirkungen, so weiss er um die Tricks und Kniffe und wie die zu seinen Gunsten benützt werden können.
Untrüglicher Indikator für fortschreitende Ignoranz hingegen ist, alles – gerne auch vermeintlich karikierend – als « Kunst » zu bezeichnen, was realiter mit visueller Kommunikation, Blickführung, Komposition im weitesten Sinne korrespondiert. Jene Enge und Beschränktheit in Wissen und vor allem Willen ist symptomatisch insbesondere für die toxisch lauten Bewohner der Foren, solche,
die sich für die Krönung der fotografischen Schöpfung halten.
Das ist von einem Foren-Admin. Nur falls sich jemand genötigt fühlt, sich über « herablassende Äusserungen » mokieren zu müssen. Es war zweifelsohne diffamierend beabsichtigt, dreht sich indes tatsächlich zur eigenen ‘Klientel’. Denn die Hofschranzen, welche diesen Spruch begrüsst haben, dürften als eine ‘Krone der Schöpfung’ gehalten werden, denen es offenbar zuzustehen scheint, aus dem breiten Rückenschatten des Chefs die Relevanz visueller Kommunikation und Wahrnehmung applaudierend zu negieren.
Wir sind hier in einem Fotografie-Fachforum, nicht in einer Knipsergruppe bei Facebook.
Aber sicher doch.
Borniertheit ist der Ausdruck dafür ; der beschreibt diese Art von Forenteilnehmern in ihrer Prätention und die diese multiplizieren, dass es nur so eine Art hat. Inklusive der Realitätsferne, es könne etwas « besseres » sein, als real eine weitere müßige Kamerabesitzer-Knipserblase …
So werden dann Aussagen wie diese produziert:
Wenn du mit jemandem sprichst und in die Augen schaust, ist seine Nase auch unscharf, weil dein Auge nicht beides gleichzeitig fokussieren kann. Ich finde es völlig in Ordnung, das auch in einem Foto so zu halten.
Irgendwo etwas aufgeschnappt und hört sich plausibel an, oder ? Es wird lediglich unter den Teppich gekehrt, dass wir eine Szenerie für den Bereich unserer Konzentration mit den Augen dauerhaft und deutlich zu schnell abscannen und zusammensetzen, als dass das Gehirn mithalten könnte und daher in der menschlichen Wahrnehmung so gut wie nie der Eindruck von Unschärfe entsteht.
You're Talking Crap For the Sake of Talking Crap
Es wurde in so einem ‘Fachforum’ thematisiert, statt Zoomobjektiv lieber doch eher eine Festbrennweite über einen gewissen Zeitraum alleinig zu benützen, um deren Bildwinkel zu verinnerlichen, in diesem Winkel ‘sehen’ zu lernen, da so ein Zoom in der Realität zu diesem Zweck eher weder ‘festgestellt’ noch mit gaffer tape ‘festgeklebt’ wird. Die überwiegend kläglich hilflosen Reaktionen waren im Wesentlichen erwartbar ; sie spiegeln die aktuelle Lage der sogenannten Amateurfotografie wider.
Anhand deiner Posts sollte man wohl davon ausgehen, dass die „innere“ Qualität eines Bildes – jenseits der technischen Ansprüche – fix von der Wahl der Brennweite abhängt. Dass ein bestimmtes Motiv nur mit genau einer Brennweite „gut“ abgelichtet werden kann.
15 mm mehr Brennweite = 1 Jahr zusätzliches Augentraining, bevor auch damit gelungene Bilder gemacht werden können!
Und dass das nur gelingt, wenn man nach zeitintensivem Training den Blick für diese Brennweite konditioniert hat.
Und auch, dass es eigentlich egal ist, was man fotografiert ob Kaffeetasse, Kölner Dom, Meerschweinchen, Rennsport oder Niagarafälle – Hauptsache, es passt gerade zur fixen Brennweite. Motivideen und Bilderwünsche werden völlig überbewertet. :ugly:
Das alles gelingt aber nur einem kleinen elitären Zirkel von FB-Enthusiasten – dem du dich selbst selbstredend zugehörig fühlst. :ugly:
Alle andern machen nur minderwertiges Zeug.
Natürlich ist das alles Quatsch!
Argumenta ad hominem, die wie moderige Pilze zerfallen. Die Sache mit ‘Zoom bei einer Brennweite für länger festtackern ist ein hehrer, aber eher platzender Traum’, dem Training (und dem Sinn eines Trainings ganz allgemein) des Sehens, des Prävisualisierens, der Antizipation von Gelegenheiten wird geflisstentlich ignoriert. Ebenso, wie sich die eigene Wahrnehmung mit dieser ‘Übung’ schult, entwickelt und schärft ; wie du deine Umgebung aufnimmst, wie du auf sie reagierst. Ob du ‘Warten’ aushalten kannst.
Ad hoc « Dagegen ! » führt häufig nur zu zweifelhaften, fadenscheinigen Aussagen, die mit kurzem Nachdenken als eben solche entlarvt werden können.
All the Gear And No Idea
Ein Blick auf die RealitätIch mache im Mai eine Reise nach Indonesien, Bandung und Yogyakarta sowie Singapore. Welche Objektive würdet ihr empfehlen, ohne das der Rucksack zu schwer wird. Das Komplettsortiment und keinen blassen Schimmer, was jeweils mit was angefangen werden kann. Ist niemals trainiert worden und so wird aus Verzweiflung versucht rauszufinden, was andere vielleicht machen wollen würden könnten möchten. Dass jeder auf seine ureigene Art an Motive herangeht – unbekannt … Mir ist bewusst, dass es sich um einen Trip handelt, der ‘besonders’ ist und von dem nun auf Teufel komm raus auch bitte ‘besondere’, nach Möglichkeit ‘einmalig tolle’ Bilder wieder mit nach Hause zurücksollen. Die ehrliche Antwort ist « Nimm das Telefon und geniesse die Momente, statt dich mit etwas rumzuschlagen, von dessen Anwendung du keine Ahnung hast und hinterher über die Schlepperei ärgerst. ». |
Habe ich ‘nur’ eine fixe Brennweite (ob allein zur Verfügung oder mich zu einer solchen Beschränkung durchgerungen), werde ich trivialerweise auch danach meine ‘Motivideen und Bilderwünsche’ ausrichten. Wenn irgendetwas nur bedingt mit meinen Erwartungen korrespondiert, dann ‘gönne’ ich mir die Zeit, um zu gucken, was aktuell tatsächlich passiert. Ich gebe mir selber die Möglichkeit zu ‘sehen’, sei es das Licht in einer anderen Richtung zu bemerken, als in der, in die ich es ‘erhofft’ oder ‘gewollt’ hatte. Zu erkunden, herauszufinden, was stattdessen da ist. Um mitzubekommen, was bis eben unbemerkt geblieben ist, ‘übersehen’ wurde. ‘Warten können’ wieder, Warten aushalten können ohne Panik, etwas ‘zu verpassen’.
Dass nebenbei Bildaufbau in seiner Grundstruktur angewendet und verinnerlicht werden kann, scheint ohnehin vollkommen fremd zu sein. Kleine Erinnerung : Hinter-, Mittel-, Vordergrund zur Blickführung bei ungefähr 50mm Brennweite und weniger. Wo fangen vielleicht Diagonalen an und wo enden sie ? Wo werden die Schnittpunkte landen, auf bzw. in deren Nähe positionierte Bildelemente das Gehirn so gerne mag ? Passt das ins Geviert des Ausschnittes, der vom Sucher vorgegeben ist ? Bei länger werdender Brennweite das noch stärkere Eingrenzen, der immer ‘einfachere’ Aufbau, die Konzentration auf ‘die Essenz’ noch stärker konspektierend. Oder ein unangenehmes Gefühl von Gewimmel und Chaos verstärkend – diese Sache mit der eigenen Wahrnehmung und deren Umsetzung im Bild.
Creativity is a Line Item
Die Übungseinheit mit der Festbrennweite ist zusätzlich auch noch so etwas wie Jogging für das Gehirn wegen der (vermeintlich ganz doll furchtbar angsteinflössend) eingeschränkten Möglichkeiten und bietet Freudensprünge für die Kreativität.
Es ist tatsächlich ein testimonium paupertatis, was der sich da oben zitiert aus den Fingern gesogen hat. Würde sich wundern, was alles zu nur einer Brennweite ‘passt’. Das gelingt einem kleinen Zirkel – die haben sich gekümmert. Ist dem Anschein nach irgendwie upper class, in der Lage zu sein, das Hirn zu benutzen. Wenn das für den ‘elitär’ ist ? – bitte. Ich weiss, was alles mit einer einzigen Brennweite machbar ist.
« Gut für Dich, aber woher soll es ein Anfänger wissen? »
In einem einzigen Moment Totalversagen jeglichen Verstandes aufgrund pathologischer Hybris dieses grassierenden « Hauptsache : Ablehnen ! ». Ja, woher soll einer sowas nur wissen ? Hmmmmm … 🤔
Schnipp ! Zing ! 🤩
Durch Machen ? Üben, ganz vielleicht ? Vollkommen illusorisch, sowas, nicht wahr ? Hey ! Es soll sogar Menschen geben, die kaufen sich in voller Absicht eine Kamera mit fest eingebautem Objektiv. Leica Q, Fuji X100-Serie, Ricoh GR – die müssen mit dem Klammerbeutel gepudert sein. Eine Menge von denen produzieren mit den Geräten wunderschöne Sachen. Elitäres Gesocks. Am Rande übrigens : Das hochgehaltene ‘Offenblende über alles’ geht am profimässigstenstendem mit einer fixed lens, oder ist das auch schon vergessen, beim schäumenden Gegenanwettern ohne Rücksicht auf Verluste ?
Festbrennweite oder Zoom – dem (hoffentlich gedruckten, ausbelichteten, sonst physisch vorliegenden) Bild ist das per se vollkommen egal. Wenn der Kopf hinter der Kamera dazu in der Lage ist, das Bild bereits in seiner cadrage zu sehen, bevor durch den Sucher gelugt wird, dann wird auch bei einem Zoom unterbewusst die ‘passende’ Brennweite eingedreht. Das ist etwas elementar Anderes, als ‘mal gucken, wie es klappen könnte’. Konträr, eigentlich. Hirnakrobatik, elitäre. Erfahrung gewordene Übung. Das ist das, was dieses berüchtigte ‘gute Auge’ ausmacht. Fotografisches Sehen, statt Zufallstreffer. Oder wie jemand das so herrlich auf den Punkt brachte : « Festbrennweite oder Zoom ? Ob du mit dem Auto oder mit dem Bus zur Schule kommst – du bist zwar in der Schule, aber die Hausaufgaben sind immer noch nicht gemacht ». 😉
Besser kann man es nicht ausdrücken, man schräkt die eigene Kreativität mit Scheuklappen ein die alles andere ausblenden!
Aber der hier öfter direkt geäußerte Ansatz alles zu ignorieren was nicht zur gerade montierten Festbrennweite passt und das als kreativ zu bezeichnen ist für mich eine Scheuklappe und nicht mehr!
Damit lernt man eben nicht “sehen”, damit lernt man alles was nicht passt auszublenden und natürlich lernt man dabei gar nichts darüber wie ein Motiv mit verschiedenen Brennweiten und Perspektiven umgesetzt werden kann!
Besser als in diesem Originalzitat kann Borniertheit kaum zum Besten gegeben werden. Mir ist ja so einiges an Geschwätz untergekommen, aber das ist ein highlight.
Ganze Wissenschaftszweige haben demzufolge keinerlei Ahnung von dieser ‘Kreativität’, denn die verbreiten doch glatt das Gegenteil : Je eingeschränkter die Möglichkeiten, desto mehr wird dieses Ding mit Denken und Forschen und um-die-Ecke-Probieren, mit dieser mysteriösen Kreativität angekurbelt, mit dem (wenigen) Vorhandenen etwas Brauchbares zu schaffen.
Alles Pfuscher, echtes und vor allem richtiges Wissen, das ! Gibt ! Es ! NUR ! IN ! FOREN ! J A ! W O L L ! Noch drei Ausrufezeichen ? Hier : « !!! ». Sonst glaubt das einem wieder keiner. Ausrufezeichen können sie. Wie war das gleich von Opa bereits überliefert ? « Wer auf den Tisch haut oder brüllt, der pflegt in seinen Annahmen fehlzugehen. »
Das Bild mit den Scheuklappen gefällt. Denn wie von diesen Könnern beständig dargelegt wird, sind es im Grunde sie selbst, die mit den Scheuklappen. Die das, was es rechts und links ihrer eingeschränkten Sichtweise gibt, vehement ausblenden. In flammenden Worten. Blind. Rechnungsposten. Bilder von denen kannst mehrheitlich nur als mahnende Beispiele heranziehen. Als Beispiele dafür, was alles schiefgehen kann, mit dem Druck auf den Auslöser und hinterher am Rechner, bei der ‘Entwicklung’.
Mit der Kreativität kann das bei denen schon aus dem Grunde nichts werden, weil die sich den Grundlagen für jegliche handwerkliche Umsetzung renitent verschliessen. Und damit ist deren ‘Gipfel der Schöpfung’ dann irgendwas mit Hauptsache Ofenrohrblende. Überwiegend aus Stehhöhe. Gerne mit den Blick des Betrachters anziehenden Störungen, die im Sumpf der Verschwommenheit so unwiderstehlich werden können und nach unausweichlicher Beachtung schreien. Sarracenia flava var. rubricorpora, Dionea und Drosera beispielsweise, die findet Insektengetier auch mit Sonnenbrille und geblendet verschwimmendem Blick, so magnetisch wirken die gelben und roten Blobs (Ich sehe die Fragezeichen – das sind hübsche, fleischfressende Pflanzen unserer Moorlandschaften 🙂 ).
Oder in Tonwertgleichheit verschwindende Motive, die gefürchtetes Verdun der vollen kreativen Ausnutzung der dynamic range des Wunderkastens mit schwarzweiss-‘Umwandlung’ sind. Wozu auch überhaupt damit belästigen, dass Schwarzweissfotografie von Anfang an ein anderes Sehen als in Farbe möchte, soll es ansprechend werden ? Hinterher tölpelhaft mal gucken, ob das in sw … epic fail, wie der Angelsachse ein derartiges Pfuschen zu umschreiben weiss.
Dumber by the Day
Die Etüde ‘Eine (Fest-)Brennweite über einen längeren Zeitraum als alleinige ‘Option’ benutzen’ ist stellvertretend für viele Themenbereiche. Auch auf anderen Gebieten geht es bei solchen Fingerübungen um das Aneignen von fundamentalen Einzelteilen, Fertigkeiten auf dem Weg zu einem gekonnten Umgang mit dem Metier. Nur kommt bei denen diese brüske Missbilligung weit weniger zum Vorschein. Hinter der Ablehnung steht die wohlige Bequemlichkeit eines Status quo, eine inkohärente Beklemmung, es könne irgendwie mit Mühe verbunden sein, deren Erfolg sich erst im Zusammenspiel mit anderen Umständen offenbare.
Das, was hinter dem Tellerrand der Offenblende sein könnte, wird somit in toto lautstark als Tand verteufelt, als ‘Kunst’ und – ganz mächtig wichtig moralisch – als ‘herablassende Äusserung’ zertreten.
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Wenn ‘Profi’-Forenvolk etwas liest, von dem es unterbewusst ahnt oder weiss, keine oder grossteils unzureichende Kenntnis zu haben, dann ist das umgehend herablassend, arrogant, hochnäsig. Denn es weiss, dass es keinen Boden im direkten Dialog wettmachen kann ; es würde gnadenlos zerlegt. Um die vermeintliche Hoheit zu behalten, ist es für solchen Plebs wichtig, den Gegenüber zu diskreditieren. Richtig blamabel wird es, wenn noch dieses verächtliche « Kunst » mit ins Spiel kommt. Was er nicht versteht, ist für den foreneinsitzenden Könner « Kunst ». |
Ich gehe jede Wette, dass die Fachmannen der hier zitierten Zeilen die von ihnen attackierten Hinweise, Vor- und Ratschläge noch nie selbst ausprobiert geschweige denn über einen gewissen Zeitraum hinweg durchgehalten haben. Andernfalls würden sie merken, auf welch brüchigem Eis sie sich bewegen. Es war mit Sicherheit nur ein Stichwort Auslöser für die Drolerien, mit denen solch Forenprofi
versucht, andere Ansichten als absolut nicht zielführend zu diskreditieren. Wobei … bei manchem Teilnehmer hier kennt man das eh nicht anders.
Deutlich zu viele von denen sammeln sich in diesen Einrichtungen, ausgestattet mit dem festen Willen, essentielle Dinge gar nicht erst kennen zu wollen. Weil sie diesen Widerwillen infinit aller Welt verkünden, schieben sie sich bar jeglicher Mithilfe in die Ecke der Unwissenden, der Bornierten, oder gleich ganz der Dummheit. Marketingrauschen gerne aufnehmend, neue Technikspielzeuge machten bessere Bilder (und dieses ‘bessere Bilder’ verwechseln mit ‘angenehmer zu Bildern kommen können’ – klar haben lautlos arbeitende Auslöser ihre Vorteile, aber eben auch nur das. Sie ermöglichen vielleicht an einem besonderen Ort ein Bild zu machen, aber ohne den wissenden Kopf dahinter wird das kein Stück ‘besser’. Die Technik alleine hat (bisher) zu keiner Zeit Inhalt und Komposition ‘verbessert’). Zu viele wollen weder erkennen noch verstehen, dass Kamera und Objektive für einen wirklichen Fotografen nur das sind, was ein Stift oder eine Tastatur für einen Schreiber : Utensilien, vermittels derer Gedanken und Ideen festgehalten, aufgenommen, dokumentiert werden.
Der exorbitante Unterschied ist, dass Autoren nie auf die Idee kämen, allein deren Besitz würde zu fachlicher Kompetenz, geschweige zu einem Literaturpreis führen. Foren-, marketing- und influenzerindoktrinierte Kamerabesitzer indes glauben an sowas. Es wird ihnen schliesslich überall rund um die Uhr honigbärtig « wie ein Profi » eingetrichtert, bis das Hirn auf Durchzug geht. Mit dem Aufkommen dieser ‘künstlichen « Intelligenz »’ wird es nur schlimmer – die gängigsten Algorithmen werden überwiegend mit mainstream gefüttert. Mainstream ist das, was ganz doll viele für ‘gut’ halten, und ‘gut’ ist etwas, wenn es ganz doll viele absondern. In dem, was ganz doll viele absondern, findet sich indes unfassbar viel Unsinn. Damit kann das mit Forenkönners unreflektierter und ungeprüfter sogenannter « Information » nur nach hinten losgehen. Unkontrollierter Konsum von content, der ausschliesslich auf Klickraten zur Befriedigung der Algorithmen zielt ; Inhalt ist etwas ganz anderes und ‘funktioniert’ auch anders.
« When your sister does your hair, you don't need a mirror »
Mir hat beispielsweise bisher keiner eine nachvollziehbare Erklärung dafür geben können, warum das unfallfreie Bedienen einer Kamera schon ‘Fotografie’ sein sollte. Aber ganz viele spintisieren, dass dem so sei.
« Haben ist besser, als brauchen » – dieser ridiküle Spruch bringt auf den Punkt, was vermeintlich heutzutage alles so von einer Kamera und einem Objektiv « zu leisten sein muss ». Irrigerweise wird es dann zu einem unabdingbaren Minimum erhoben. Ohne IBIS würde in keinem Fall ein Kauf erfolgen.
Bleib damit doch einfach einmal bei der Wahrheit, und die ist eine vollkommen verquere Kamerahaltung oder deutlicher: Eine falsche Bedienung des Gerätes – Arme am Körper, die meistens linke Hand stützend unter dem Objektiv, Sucherkante am Knochen der Augenhöhle, das macht mit drei Punkten stabile Kamerahaltung und dann wird diese unglaubliche Belichtungszeit ohne Stativzwang auch real. Vorher ist dieses als ‘Begründung’ verklärte ‘hammermässig EV-Stufen länger aus der Hand’ einfach nur dummes Geschwätz.


Wenn das eine ‘Kontrolle der Einstellungen’ sein soll … Halten wie ein Telefon, und das ist nicht nur auf Werbebildchen der Fall – mich wundert nichts mehr.
Zwölf EV dynamic range seien bitterlich zu wenig (nur zur Erinnerung : ohne Mühe gleichzeitig ‘sehen’ kann Mensch sieben) und bei diesem und jenem Modell sei (bei völligem Verkennen des vom Hersteller angedachten Einsatzzweckes) ‘alte’ Technik verbaut … das alles weist darauf hin, dass etwas ganz Elementares verkannt wird : Das Gerät übernimmt ‘ablenkendes’ Nachdenken und händisches Einstellen von Parametern zugunsten der Konzentration auf das wirklich Entscheidende – das Bild. Komfort wird zu einem Credo erhoben und an dessen ‘Funktion’ arbeiten die sich ab, oftmals bis hin zu einer vermeintlichen ‘Allgemeingültigkeit’ für jeden Einsatzbereich.
Unstrittig – es ist absolut beeindruckend, was die Dinger einem Fotografen heutzutage alles an Arbeit abnehmen können, dass das in keinen falschen Hals gerät. Nur sollte man auch reell einordnen können, was für das, was man selbst in der Hauptsache so macht, sinnvoll ist.
Unstreitig auch : Diese Wunderwerke an Computertechnik wollen halbwegs so eingerichtet werden dass die wichtigsten Funktionen möglichst ohne Hingucken und erst recht Sucherei erreichbar sind, oder so werkeln, wie der Bediener sich das vorstellt, insbesondere für spezielle Anwendungsbereiche (dieses Vogelerkennungsgedöns mit AF-Verfolgung bei der Nikon Z8, das ist in der Tat gigantisch. Mystery 😳 ). Damit will sich recht intensiv auseinandergesetzt werden. Oder wie ein befreundeter, gestandener Fotograf es so nonchalant auf den Punkt brachte : « Für das Monster brauche ich eine mindestens einmonatige Intensivschulung, um Chef zu bleiben, statt mich von dem Ding dauernd überrumpeln zu lassen. »
Danach interessiert sich tatsächlicher Fotograf bestenfalls ‘beiläufig’ für Verschlusszeit, Blende und Signalverstärkung, früherTM ISO, als solche Dinge gerne bereits feststehen, bevor die Kamera überhaupt am Auge ist oder ‘intuitiv blind’ passend zur Intention eingestellt werden. Nahezu alle Zaubereien bleiben unauffällig und fürderhin mehr oder weniger unbeachtet.
In der Hauptsache kümmert ihn, wie das, was sich im Geviert des Sucherbildes abspielt, angeordnet werden möchte, um nach seiner Vorstellung, seiner Absicht ‘Bild’ zu werden. Und selbstredend hat er neben Komposition ein Verständnis von Licht, timing und das Wissen, wann er wo sein sollte.
Nobody Cares Your Bokeh Balls.
Vergnügungs-Reisende – Sie steigen wie Tiere den Berg hinauf, dumm und schwitzend ; man hatte ihnen zu sagen vergessen, dass es unterwegs schöne Aussichten gebe.– Friedrich NIETZSCHE « Der Wanderer und sein Schatten » |
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Die Düpierten sitzen weiter vor der schieren Prätention, der Bedeutungshuberei, der kostspieligen Ausstattung, Offenblende aus Stehhöhe und ergötzen sich an Aberrationen und ihrem handwerklichen Dilettantismus. Bleib halt bei rein der Technik, feiere die Genialität von Ingenieuren und Programmierkünstlern, das kann durchaus eine tolerable Freizeitbeschäftigung sein, aber ‘Fotografie’ ? – bei den Gesprächen halte dich zurück.
Lausche, lerne. Dann kann das vielleicht noch was werden. Und fang an zu begreifen, dass die handwerklich visuelle Seite tatsächlich stark ausbaufähig ist, wenn du deine Bilder Menschen zukommen lässt, die sich damit auskennen und mit der lapidar vernichtenden Bemerkung « entspricht nicht unseren technischen Anforderungen » zurückbekommst. Aufbau mangelhaft, Inhalt wahrscheinlich ebenfalls. (Das Geschreibsel in den Blasen, wenn da einem der ihren so etwas widerfahren ist, ist jedes Mal aufs Neue überaus entzückend einfältig.) Minischärfebereich und Hintergrundmatsch interessiert in diesen Kreisen absolut niemanden, wenn es Effekt um des Effektes Willen ist, statt unterstützend etwas im Ausdruck verstärkt. Unbedarft Gleich-Unwissende kannst damit über den Tisch ziehen, obgleich es die auch nicht interessiert ; bei echten Profis zieht das halt so gar nicht. Oder warte noch eine Dekade, dann sind die wahrscheinlich nahezu ausgestorben.
Und wenn du da meinst « Die Ansprüche sind halt verschieden. Das sollte man akzeptieren können. », dann ist das schön. Gilt das für beide Seiten ? Oder wieder einmal mehr nur für dich ? Denn so, wie das in dem freht aufgetaucht ist, hat es allzu deutlich nur eine Richtung. Weisst was ? Wenn du der grosse Zampano und Held sein willst, dann mach das in der Spelunke um die Ecke am Stammtisch. Da bleibt ihr schön unter euch, da nervt keiner rum. Nur ist dieses Internet nun einmal eine recht öffentliche Veranstaltung, da ist vielleicht unter Umständen ganz eventuell mit Gegenwind zu rechnen.
Gut. Amateure hingegen finden die Aussichtspunkte und verbringen an denen Zeit, ohne sich darüber zu echauffieren. Bei jedem dieser Zwischenhalte eignen sie sich Neues an, werden damit experimentieren und Wissen vertiefen. Sie *machen* tatsächlich, denn sie wissen, dass keine noch so grosse Menge an gelesenen Büchern oder ellenlangen Listen an Seminarteilnahmeurkunden den einfachen Akt des Machens ersetzen können.
Amateure werden Fotografien produzieren, welche sehr wahrscheinlich in Köpfen haftenbleiben, anstatt in der Bedeutungslosigkeit rasend schäumender Bilderströme des rapide sinkenden Durchschnitts zu verschwinden. Sie assoziieren mit ‘Bildqualität’ eher qualitativ hochwertige Fotografien denn Pixelchen in 400% angaffen. Amateure nehmen Neuerungen in der technischen Entwicklung gerne auf und wohl an, sofern sie mit ihrem Metier in Einklang zu bringen sind, aber meist ‘nur’ als Mittel zum Zweck, denn als Selbstzweck. Sie wissen : Der Kauf einer Kamera macht sie erst einmal lediglich zu einem Kamerabesitzer, denn in der Fotografie geht es vor allem darum, was im Inneren des Fotografen vor sich geht. Es geht darum, wie wir denken, was wir fühlen und tun.