27 März 2025

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au Midi - la liberté derrière les toits
le merle matinal
le merle matinal

« Schnirk krrt ». Ein Kratzen dringt durch die Traumwolke. Die löst sich in wild zuckenden horizontalen Farben auf, wie früherTM das Fernsehprogramm mit dem Sendeschluss. Ein zum Scheitern verurteilter Versuch, die Bilder zurückzuholen in die wohlige Wärme unter der Decke. « Schiirk ». Es ist real. « Türülihühüü ». Das Amselmännchen hat seine Position auf der Regenrinne gefunden.
Augendeckelgymnastik. Nur links, erst einmal. Verschwommen noch das Oxfordblau der Nacht. Musselin bewegt sich schemenhaft. Sacht hebend und vorsichtig zurückgleitend im Strom der durch die etwas geöffnete Türe dringenden Luft. Kaum wahrnehmbares Rascheln. Du drehst dich in ein engeres Löffelchen. Haar duftet durchtriebenes Vertrauen. Eine flüchtige Wolke Warm. Rechtes Auge. Gleich wieder zu, die Nacht wird geblendet. Kristallklar nun einsetzender Gesang. Pfeifen, flöten, schnirpen das Repertoire des schwarzgefiederten Gesellen. Eine Woge unschuldiger Fröhlichkeit in Erwartung eines Kontergesangs. Mein Mund formt ein vorsichtiges Lächeln, ich spüre meine Augenringmuskeln. Schürzende Lippen. Dein Haar. 
Behutsam das Kopfkissen rücken. Behaglichkeit noch einen Moment festhalten und der nächsten Strophe draussen lauschen. 

une douce brise et la mer
une douce brise et la mer

Deren gelben Augenringe sind aufmerksam. Rechts. Und links. Auf der Hut sein. Die nächste Melodie in ein verblassendes Lapisblau pfeifen. Kleine, knorrige Krallen klammern sich am Zink fest. Leises Kratzen. 
Restmüdigkeit in die Füsse drücken. Langsam genussvolles Recken, Länge läuft die Wirbel hoch. Klare Luft strömt in die Lungen, noch ohne staubigen Beigeschmack. « klo … ck ». Ein letzter Moment der Ruhe zum Schnirpen der Amsel. « tssch tssssch tsssscht ». Der nahegelegene Tennisplatz erwacht von alleine. Wassersprenger. « tschtschtschtschtssssch tssscht ».
Bein raus. Freundliche Kühle, Frühling schleicht um die Ecken. Nackte Füsse auf Holzdielen, über Fliesen. Dann die Küche, Terracotta. Ein kurzes Lärmen, Bohnen gehen in Trümmer. Unvergleichlicher Geruch tänzelt in den Raum und schwebt sich auf den Weg. Blubbernd glucksend begrüsst die Moka einen neuen Tag. Von irgendwo zweitaktig hastiges Knattern. « Il viaggio perfetto è solo una Vespa di distanza ». Licht fällt schonunglos von einem erstarrenden Himmel herab.

Aus der Tasse Aufmerksamkeit. Und eine für ein verwuscheltes Dich.

t'es tout simplement trop mignonne quand tu dors
t’es tout simplement trop mignonne quand tu dors 🙂



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