28 Oktober 2025

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la domaine en automne

Wie ein dicker Strich eines Edding zieht sich der Kanal mitten durch das Land. « Wenn die Ausserirdischen kommen, dann landen die in Büdelsdorf » heisst es. « Die Lichterschlangen vom Kanal und der A7 sind ein eins a Zielkreuz ». Irgendwie scheint das Leben auf der Nordseite der Stadt ein anderes zu sein.


Es ist ruhiger, eine scheinbar andere Welt. Weit weg. Jenseits des grossen Kanals, dieser vielbeschäftigten Wasserstrasse des Nordens. Hin kommst du nur über die Brücke. Oder du setzt mit dem Dampfer über, dessen Fahrplan am Wochenende am späten Vormittag beginnt. Auf « der anderen Seite » der Stadt also. Wo die Häuser scheinbar kleiner sind und die Nachbarn bald ausser Rufweite.

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« Alteingewachsenes Grundstück » vermelden die Makler und verharmlosen damit Dickichte, die untenrum inzwischen häßlich werden. Thuja ist noch oft vertreten, ebenso Rhododendren. Invasive Relikte des letzten Jahrtausends, « so man ganz bannig fein grün, und das das ganze Jahr över ». Die Wege zur Haustür sind länger, die Autos höher. Es ist beinahe eine kleine Reise. « Die Grösse des Hauses ist egal, wenn du eine halbe Stunde über den Kies brauchst, um hinzukommen ». Nach dem Gartenzaun hinter Küche und Zwischendiele weites Land. Die Höfe sind Güter, in große Felder und Äcker eingebettet. « Wann kommen wir endlich auf Karlis Land ? » « Wir fahren seit drei Tagen drauf rum ».
Pferde in Pension verdienen das Geld. Gepflegte Anlagen des Gutes. Majestätische Scheune, davor ein Reitplatz.


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« Prrrrch ». Es klingt zufrieden. Die Sonne stemmt sich noch einmal mit Macht gegen die Wettervorhersage. Wärme im Gesicht. Und dem Fell. Das regelmässige Ticken des Zaunes macht schläfrig.

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Die Bäume atmen in bunt. Wie leichter Husten schaukeln Blätter Richtung Sandweg. Beinahe vorsichtig spannt sich die geschwungene Horizontlinie des grossen Schlages auf dem Kanonenberg (« Achtstückenberg » – ganz früherTM standen da acht Stück Geschütze zur Sicherung des alten Kanals, der sich in einem Einschnitt verschanzt 😉 ). Unter den Sohlen hölzern platzend Eicheln und Kastanien hauptsächlich, vereinzelt Bucheckern. Staubig weiche Luft. Aus dem kleinen Rasenstück ein Pilzhaufen mit leicht moderiger Note.

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Tänzelnd nussig schwebt ein Wölkchen warme Flanken heran, aus glänzendem Auge ein sichernder Blick. Das Ohrenspiel neugierig nach vorne und abwartend gespannt zu den Artgenossen. Verspielt rennend im Durchsetzen der Rangordnung auf der Koppel, kurz nur. Erdig flüchtig Sattelfett ausdünstend sich ausruhend döst Zaumzeug am Gatter. Einen Schluck aus der Thermosflasche, heiss läuft Tee über die Zunge, entwickelt sich Süsse an den Knospen und verschwindet, glucksend drehend hüpfend wie ein Wiesenrinnsal, die Speiseröhre hinunter platschend in der Magenkuhle. Leise behaglich knurrend aus dem Nichts eine Samtpfote, weich und selbstsicher. Hockt sich in raschelnd knisterndes Laub und beginnt ihr Putzwerk.

Koppelleben
Koppelleben
chatte
chatte

Über allem ein weiter Himmel in königlich saturiertem blau, nach silbern changierend und garniert mit dem halbwegs ordentlichen ‘V’ eines Vogelzuges. Geradezu aufdringlich als Kontrast dazu rot orange gelb braun des Laubes. Impressionistisch hingetupfter « goldener Oktober ». Der Windhauch bringt Lehm mit und eine energiegeladene Erwartung. Ich betrachte rundum die Szene und bin lebendig. « Das ist es », denke ich, « das ist es, eben jetzt, die Gegenwart ». Und in dem Augenblick, in dem ich dieses Bewusstsein in meinem Kopf in Worte fasse, werde ich undurchlässig, ein Stück glatte Rinde. Ich schaue einfach zu. So, wie man das schöne Gesicht anschaut, das einem Menschen gehört, der vor Jahren in einem anderen Land unsere Liebe war. Mit zärtlicher Wehmut und dankbarem Wiedererkennen, aber ohne eigentliches Gefühl. Danke. Für die Erinnerungen.

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Der Geruch von Ammoniak durchströmt die Luft. Gemischt mit einer strohigen Wärme. Stall. Frischgepflegtes Leder drängelt sich dazu. Knischquietschende Stiefel und Sättel. Des Zaumzeug klimpert Ringe und Gebiss. Weit oben zieht ein Jet einen Riss in den Himmel. Morgen wird es schütten.




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