3 septembre 2026

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Ich habe im letzten Artikel geschrieben : Fotografie ist eine Sprache. Das wird recht allgemein auch so aufgefasst und ist keine spinnerte Idee von mir. Es wird bei nahezu jeder « Umfrage » zu « Was ist ein gutes Foto | Was macht ein gutes Bild aus ? » in diesem Internet deutlich, gleich, ob repräsentativ oder auf einen nur kleinen Teilnehmerkreis beschränkt.

Was macht ein gutes Bild aus ?

« Ein gutes Foto lässt einen innehalten. Nicht, weil es schön ist – sondern weil es wahr ist ».
« Es kann ruhig, schlicht, sogar ein bisschen gewöhnlich sein. Wenn es sich echt anfühlt, wenn es etwas Ehrliches in sich trägt, dann reicht das ».
« Für mich ist ein gutes Foto eines, das Gefühle weckt, ohne dass man genau weiß, wie oder warum ».

Bemerkenswert ist, dass technische Perfektion zugunsten emotionaler Wahrheit abgelehnt wird. In zahlreichen Antworten heißt es explizit : « Es geht nicht um technische Perfektion » – und im Anschluss wird beschrieben, worum es dann eigentlich geht. Es ist fast immer eine Form von Gefühl.
Was also mit Fotografie versucht wird, ist, etwas zu vermitteln. Den Betrachter dazu zu bringen, etwas zu sehen, zu fühlen oder zu verstehen, was er sonst nicht wahrnehmen würde. Das ist es, was Fotografie von reiner Dokumentation unterscheidet. Zu zeigen was da war, das ist lediglich der Einstieg ; was es bedeutete, wie es sich anfühlte, warum es wichtig war – darin liegt der wirkliche Kern. Ich kann dir sagen, dass das unterschwellig auch in deinen Überlegungen, warum du überhaupt fotografieren möchtest, mitschwingt. Geh deine Notizen dazu gerne noch einmal durch und frage etwas umfassender nach deinem « Warum ». Klingelt was ? Sehr schön 🙂

Auf den ersten Blick scheint das « einfach » zu sein. Auch, wenn es jetzt und hier an dieser Stelle (noch) keine Rolle spielt : Behalte zunächst einmal im Hinterkopf, dass die feinen Dinge und damit verbundenen Möglichkeiten der Bildkomposition zum Erreichen dieses Ziels unterstützend wirken. Unser Unterbewusstsein hat da feine und feinste Antennen, selbst wenn es dir erst einmal oberflächlich « unerklärlich » bleibt, warum eigentlich ein Gefühl ausgelöst wird.

Schweinehunde.

« Aber dafür ist neben Familie und Job keine Zeit » und ähnlich formulierte Ausflüchte. Klar. Für Sport ist die Zeit da, nennt sich Training, meinetwegen auch « Vorbereitung für den Wettkampf ». Für diese Zeitverplemperei in diesen « sozialen Medien » … und falsch, « Information » ist etwas grundlegend Anderes. Merkste die Fadenscheinigkeit ? Dein Wille ist es – Aufschieben, Wegschieben, Prokrastination ist so einfach. Zu einfach. Logst du deine Zeiten am Rechner mit ? Gibt die Möglichkeit, das zu machen, nennt sich « screen time ». Es wird dich erschrecken. Also : Zusammenreissen 😉 Es geht, es dauert vielleicht etwas länger, aber « keine Zeit » ? Zu billig und Du weisst das auch. Wenn es Dir zu « aufwendig » erscheint, das Geraffel einzupacken – dann ist es das schlicht und ergreifend das « falsche » Geraffel. Zu gross, meistens einfach auch nur zu viel, gepaart mit einer Panik, was zu verpassen, « ich will für alles gerüstet sein » – reduzier es, vor allem für den und im Kopf. Telefon – immer dabei und es geht damit mehr, als du dir selber eingestehen willst. Du weisst es, kümmer Dich um die Einstellungen und die (im Vergleich wirklich günstigen) Apps, mit denen quasi alles auf « pur » eingestellt werden kann. Es geht um das Training, die Übung, das Machen. Am Ball bleiben, den Ball auch spielen, statt tagelang über den nächsten Spielzug zu grübeln. Mach einfach, lohnt sich 😉 .

Ran an den Braten.

Greif Dir ein oder mehrere Bilder, irgendwelche, die Dir gerade über den Weg laufen und « gefallen ». Nicht unbedingt berühmte (Kunst)Fotografien, sondern einfach Bilder, die mehr sind als nur eine Dokumentation. Z.B. ein Porträt, bei dem die Erschöpfung der Person zu spüren ist. Eine Straßenszene, die Chaos oder Einsamkeit vermittelt. Eine Landschaft, die eine Stimmung erzeugt, die über das bloße Zeigen der Umgebung hinausgeht. Zu jedem Bild frage Dich : Was löst das bei mir aus ? Was will es mir sagen ? Grandios wäre, wenn Du Dir das ausdrucken kannst, klebe es in Dein Notizbuch und schreib Deine Gedanken hinsichtlich der ausgelösten Gefühle, das, was Du empfindest, dazu.

Im nächsten Schritt wirst Du versuchen, selber Fotos mit ähnlichen Absichten zu machen.

Die « erste » Aufgabe.

Geh los und fotografiere drei Dinge, die bei dir ein Gefühl auslösen. Keine Dinge, die offensichtlich emotional sind, sondern solche, die in Dir ein Gefühl hervorrufen.
Anregung : Eine Ecke in Deinem Zimmer, die friedlich wirkt. Eine Straße, die geschäftig oder einsam wirkt. Licht, das durch ein Fenster fällt und warm oder kalt wirkt. Dir wird sicherlich noch einiges mehr einfallen.

Es spielt jetzt noch gar keine Rolle zu wissen, wie dafür die technischen Einstellungen gesteuert werden, und das ist völlig in Ordnung. Stell die Kamera auf Automatik. Einfach « draufhalten » und auslösen. Das Ziel ist weniger technische Kompetenz, sondern (wichtiger) zu erkennen, dass mit einer bestimmten Absicht fotografiert werden kann, dass Du versuchst, jemand anderem das Gefühl zu vermitteln, welches Du selbst empfunden hat.

Wenn Du mit diesen (drei) Bildern zurückkommst, schaue sie Dir an. Greife Dir dazu gerne jemanden dazu, dem Du vertraust, von dem Du weisst, dass auch kritische Bemerkungen kommen (und dürfen), statt nur lediglich (wenn auch liebgemeinte) Lobhudelei ; so etwas bringt Dich nicht weiter.
Sind die Bilder, gelungen ? Ist zu spüren, spürt Dein Kompagnon, was Du vermitteln wolltest ? Meistens sind die ersten Versuche nur Teilerfolge. Ein « Gefühl » ist da, aber schwach, oder das Bild enthält Ablenkungen, die es untergraben, oder der Moment war nicht ganz richtig. So etwas ist absolut normal, mach Dir keinen grossen Kopf darum. Überlege, was anders sein könnte. Noch keine technischen Änderungen, sondern ausschliesslich Beobachtungen. Was wäre, wenn Du näher oder weiter weg gegangen wärst ? Was wäre, wenn Du auf etwas anderes gewartet hättest ? Was wäre, wenn dieses ablenkende Element durch eine andere Position (möglicherweise) beseitigt worden wäre ?
Das sind keine technischen Fragen. Es sind Fragen des Sehens (!) und der Entscheidung. Das ist ganz ganz wichtig. Wirklich. Aufmerksamkeit, Beobachtungen, bewusstes Hinsehen, Entscheidungen treffen. Das unterscheidet den Fotografen vom Knipser. Fotograf hat im Hinterkopf, dass der Betrachter eben nicht beim Machen mit dabeigewesen ist und lotet schon aus diesem Grunde aus, wie der Funke auf diesen unbeteiligten Dritten überspringen kann.

Damit legst Du ein Muster für alles Folgende fest :

Jede Aufgabe hat einen kommunikativen Zweck. « Erfolg » bedeutet, dass Du jemanden dazu gebracht hast, das zu fühlen, zu sehen oder zu verstehen, was Du beabsichtigt hast. Technische Perfektion ist irrelevant, wenn die Kommunikation scheitert. Technische Unvollkommenheit ist verzeihlich, wenn die Kommunikation gelingt.

Denk drüber nach. Wirf einen Blick in die Foren – dollste Technik und sonst ? Ebenso in den « Kommentaren » – Technik. Und sonst ? Da kommt wenig. Gibt welche, die schreiben ihre Empfindungen. Pflück sowas, vor allem, wenn der « Autor » seine eigene Absicht erläutert. Passiert ganz selten, aber wenn, dann greif Dir das mit Kusshand und untersuche für Dich selbst, ob das passt, ob die Absicht funktioniert hat, oder eher nicht. Habe im Hinterkopf, dass es « fremde » Bilder sind. Und habe im Hinterkopf, dass bei « gelungenen Diskussionen » über Bilder in solchen Anstalten die Wenigsten tatsächlich auch Ahnung haben, beispielsweise Symbole und Symbolik überhaupt zu erkennen und entschlüsseln zu können. Es ist eine Laiensphäre, aber es können durchaus brauchbare Hinweise enthalten sein, auch unterhalb der Oberfläche, jenseits des Offensichtlichen, des offensichtlich Sichtbaren | Gezeigten. « Baum ».
Ein gutes Foto muss sich nicht auch zwingend aus sich selbst heraus erklären. Es hält die Spannung aufrecht zwischen dem, was gezeigt wird, und dem, was verborgen bleibt. Es lässt dem Betrachter Raum, zum Mitautor zu werden.

« Nicht erklären zu müssen, worum es in dem Bild geht »

« Es erklärt sich nicht von selbst. Es braucht keine Bildunterschrift, um dir zu sagen, wie du dich fühlen sollst »

« Wenn es eine Tür zu einer anderen Welt öffnet »

Da geht eine ganze Menge auf « Gefühl » – das Geheimnisvolle ist der Mechanismus, durch den solche Regungen hervorgerufen werden. Das Foto hält gerade so viel zurück, dass der Betrachter etwas von sich selbst einbringen muss. Das Foto lässt Raum. Eine « Spannung » zwischen dem, was gezeigt wird, und dem, was verborgen bleibt, zwischen der Absicht des Fotografen und dem, was aus dem Bild « von selbst » geworden ist.

Die « zweite » Aufgabe.

Führe für Dich den Bereich der « Emotionen » ein. Gib Dir folgende Aufgabe : Wähle drei Gefühlsregungen aus einer Liste aus: Glück, Einsamkeit, Frieden, Anspannung, Verwirrung, Freude. Fotografiere keine Menschen, die diese Emotionen offensichtlich zeigen. Fotografiere Dinge, Orte, Situationen, die in Dir diese Emotionen hervorrufen, und versuche, auch in | bei einem Betrachter diese Emotionen zu wecken, ohne sie zu erklären. Konzentriere Dich dabei weniger auf das Subjekt als solches, sondern mehr auf das Drumherum, mit dem | von dem | durch das diese emotionale Regung dargestellt | repräsentiert | verdeutlich werden kann.

Ich sage es gleich : Das ist schwieriger, als es klingt. Es erfordert, darüber nachzudenken, was visuell eine emotionale Reaktion auslöst. « Glück » könnten helles Licht, offener Raum, warme Farben sein. « Einsamkeit » könnte ein einzelnes Objekt in einem leeren Raum sein, oder harte Schatten, oder etwas Isoliertes.
Du wirst experimentieren müssen, um das herausfinden. Gib Dir die Zeit.

Geh anschliessend auch diese Bilder – am Besten auch wieder mit einem « neutralen » Dritten – durch. Die meisten werden nicht ganz funktionieren ; das ist zu erwarten und das ist auch gut so, denn damit kommt ein « Lernprozess » in Gang. Sie werden zeigen, wozu Du Dich hingezogen fühlst, wie Du über visuelle Kommunikation denkst, was Dir leichtfällt und wo Du Dich weiter reinknien und beschäftigen | auseinandersetzen möchtest.

Greif Dir abermals ein paar Bilder, die Dir gefallen (am besten von renommierten Fotografen – von diesen « Influenzern » gibt es in aller Regel nur klickibunti, denn tatsächlich mit Hirnschmalz dahinter). Stell Dir ganz einfache Fragen dazu : Was soll damit vermittelt werden ? Wie wird das erreicht ? Ausschneiden, ausdrucken, ab ins Notizbuch damit und schreib Deine Analyse mit dazu. So wird neben der praktischen Übung auch Deine visuelle Kompetenz in Schwung gebracht (und peu à peu wirst dabei mitbekommen, wo was herkommt und wer was wie « erweitert » und umgesetzt hat(« zitiert » nennt sich das, nur kopieren ist zu billig … 😉 ).

Der Hintergrund des Ganzen.

Du wirst allmählich verstehen (und verinnerlichen), dass Fotografie in erster Linie Kommunikation ist und nicht nur bloße Dokumentation. Du wirst Erfahrungen sammeln, Bilder mit bestimmten Absichten zu gestalten. Du wirst anfangen, Deinen Blick durch praktisches Tun statt durch passive Beobachtung zu schulen. Du wirst Dich über die Grenzen ärgern, an die Du stösst – und das ist grandios. Denn es ist diese Frustration, welche die Bereitschaft schafft für das Erlernen technischer Fertigkeiten, allerdings erst, nachdem ein Ziel festgelegt wurde.

Aus dem Warum folgt das Wie. Ich muss als erstes wissen, was ich bezwecken möchte, bevor auch nur eine einzige Frage nach der Umsetzbarkeit, der Machbarkeit auftaucht.

Und nur so 😉
« Hamwa immer schon so gemacht » – Scheuklappen, kein rechts, kein links im Blick, geschweige denn im Bewusstsein.




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