19 juillet 2026

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« Die neue Kamera macht nicht, was ich will » und ähnliche Aussagen sind überall zu lesen, wenn jemand neu in die Fotografie einsteigen möchte oder « endlich » vom Telefon auf eine « richtige Kamera » wechselt und hoffnungslos von den ganzen Möglichkeiten überfordert ist. Ein Versuch eines Herangehens für die, die fotografieren möchten. Wer nur von der Technik fasziniert ist, der findet vielleicht den ein und anderen Denkanstoss, der sich lohnen könnte.

It All Begins With a « Why »

Das, was in diesem Beitrag kommt, sind nach meinen Erfahrungen grundlegende Überlegungen, mit denen sich auseinandergesetzt werden möchte. Werden sollte.

Echt. Mach Dir Gedanken, ob Du Fotografie als etwas « Sinnvolles » betrachten möchtest inklusive einer Entwicklung in diese Richtung, oder ob es beim Habenwollen einer dicken Kamera hängt oder « einfach nur so ». Mir ist das vollkommen gleichgültig, schreiben tu ich für Erstere 😉

Bevor Du die Shoppingtour startest, stelle Dir eine simple Frage: « Warum will ich (überhaupt) fotografieren ? » Und das auch noch mit einer Kamera anstelle des allgegenwärtigen Telefons.

Wenn Du tough bist, machst Du hier und jetzt eine Pause, greifst Dir einen Zettel und einen Stift und schreibst das runter, was Dir in den Sinn kommt. Mach einfach mal 🙂  
Ich möchte gerne, dass Du das auch wirklich machst. Ich könnte hier einen Strich ziehen und alles Weitere demnächst präsentieren 😉 Also : Mach eine Pause. Bitte.

Es wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit das herauskristallisieren, was landläufig als « Alltagsfotografie » bezeichnet wird : Das Erinnern steht ganz weit oben, das Festhalten « schöner » Momente, Erlebnisse später noch einmal nachvollziehen zu können, Erinnerungen zu strukturieren oder besondere Ereignisse festzuhalten. Bildermachen als Instrument der Erinnerung, Kommunikation und persönlichen Dokumentation. Das ist auch meine eigene « Geschichte », wenn ich an meine Anfänge zurücksinniere und es spiegelt sich sich in der zugegeben « mageren » aktuellen Forschung auf dem Gebiet wider. Es ist wenig überraschend, dass diese Motivation unverändert geblieben ist ; sie besteht seit Anbeginn der « privaten Fotografie », wenn das so ausgedrückt werden darf.
Bilder mit anderen zu teilen konzentriert sich (wohl) überwiegend auf die Messengerdienste denn diese « sozialen Medien » wie Fratzenbuch und dieses Instagram. Bei diesem Umstand spielt möglicherweise das innere « Schutzbedürfnis » der Privatsphäre mit rein, es möchte doch wenigstens oberflächlich unter Kontrolle gehalten werden, wer mitgiggeln und mitstaunen darf. 

Es gibt einen Haufen Gründe, Bilder zu machen. Wie oft denkst Du über das nach ? Denkst Du überhaupt darüber nach ? Guckst Du auf die Bilder zurück, die Du aufgenommen hast ? Reflektierst Du über die Gründe, warum es genau diese Motive sind ? Oder gehörst Du mit zu denen, die einfach drauflosknipsen und hoffst auf das Beste ? Hast Du jemals darüber nachgedacht, also so ganz bewusst, was Dich dazu veranlasst, Deine Bilder zu teilen ? Egal, ob in diesen « sozialen Medien » oder einfach nur mit Familie und Freunden ?

Geht es wirklich nur um diese « likes » ? Oder steckt ganz eventuell doch mehr dahinter, als nur Bilder irgendwo zu posten, damit andere die « mögen », Dich mögen ? Sind diese Fotos vielleicht auch etwas mehr, zum Beispiel (nur) für Dich selbst ? Fotografierst Du möglicherweise (auch) aus tiefstem Herzen heraus, um Emotionen und Gefühle einzufangen, festzuhalten, die Du in genau diesem Moment gesehen, gespürt und wahrgenommen hast ? Ist das womöglich das, was Du auch teilen möchtest ? Die « Geschichte » dieses Augenblicks ?
Das Licht, die Aussicht, die Blüten, die Schatten auf einer Oberfläche, die Art und Weise, wie eine Emotion über ein Gesicht gehuscht ist ? Damit stünde hinter wahrscheinlich sehr vielen Bildern, die Du aufnimmst, eine Intention. Klar, nicht jedes Foto wird perfekt sein – aber die Absicht dahinter, die sollte vorhanden sein, gerne « perfekt » 😉 . Herz und Leidenschaft. Inspiriert. Vielleicht sogar inspirierend.

Diese Sache mit der Absicht

Ich halte es für ausserordentlich wichtig, mit einer Absicht, einem Ziel, einem « Sinn » zu fotografieren, denn die « macht » etwas mit Deinen Bildern. Ein kleiner Exkurs.

Eine Absicht, das ist die Vorbereitung Deines Innern auf das, « was zählt ». Es ist eine Ausrichtung Deiner Aufmerksamkeit, bevor etwas Sichtbares geschieht. Das Sensibilisieren des Brägens auf ein Thema. Oder mehrere.  
« Absicht » | Intention ist etwas, das die meisten Hobbybildermacher unbeherzigt lassen. Hier knipseln, da knipseln. Kein Thema oder Themenbereich, kein Konzept, übrig bleibt eine beliebige Abfolge von irgendwas.
Gleiches bei der Nachbearbeitung – ohne Konzept und so inkongruent « bunt » wird der Reigen aussehen. Konsistent ist etwas anderes.

Ursache dafür ist die reine Reaktion auf das, was Du « unterwegs » (gilt für das Rumzuckeln wie das Reglergeschubse gleichermassen) siehst, real oder aus dem Gedächtnis, ohne innezuhalten. Kein besonderes Nachdenken, kein Ausloten einer Bedeutung und oder die Geschichten, Ideen oder Emotionen, die Du mit dem Bild kommunizieren möchtest, tasächlich auch zu verstehen.  
Zwischen etwas mitbekommen vulgo sehen und der Reaktion darf gerne eine kleine Pause sein. Denk nach, was sich da tut, wie das « ordentlich » dargereicht werden kann. Mach das einfach mal. Ganz bewusst, mit voller Absicht.  

—> Service des Hauses zum Ausdrucken :

Fragen über Fragen

Je früher Du Dir dieses Fragen, Hinterfragen angewöhnst, desto eher wird zum einen zu einem Automatismus und zum anderen wird Deine Fotografie zu einer Bewussten. Ausdrucksstärker. Allein schon, weil Mühe und Hirnschmalz enthalten sein werden. Mit entsprechender Übung wird das in Teilen vom Unterbewusstsein übernommen, weil es im Achtung steht, sozusagen. Das arbeitet mit Dir.

Ohne diese Überlegung(en) dokumentierst Du lediglich das, was Du gerade vor Dir siehst. Mit einer Entscheidung wirst Du etwas schaffen in Richtung eines « Werkes » und das selbst dann, wenn Du in dem Moment selbst noch im Trüben fischst. Aber das wird kommen, sich rausschälen aus einem grossen Haufen. 
Die Kamera ist sowieso da ; der Unterschied liegt darin, was Du über das, was Du gesehen hast, siehst, zu sagen hast. Das « Warum will ich dieses und jenes jetzt und in dieser Situation so und so oder so fotografieren ? ». Man weiss nie, wohin diese Ansätze führen. Es liegt denen jedoch im Gegensatz zu einer simplen Reaktion ein Gedanke zugrunde und der wird arbeiten. Lass ihn tun und gib dem Zeit, Du hast schliesslich selber auch schon Zeit investiert 😉 – es wird eine Art Konversation zwischen Deinem bewussten und unbewusstem Ich. « Belohnungen », die auf Anstrengung, Einsatz, Mühe, Aufwand beruhen, die sind nachhaltiger, als schnelles, passives Konsumieren. Dieses « Mehr » jenseits Deiner Fähigkeiten und das Präsentsein | anwesend sein vor Ort zur richtigen Zeit, das wird in Deinen Bildern auftauchen.  

« Gucken » ist ein automatischer Vorgang. Wir biegen um eine Ecke und nehmen alles auf einmal auf: die Gebäude, die Reflexionen, die Menschen, die Cafés und Läden, die Tauben, den Lärm und die Bewegung. Das Auge ist außerordentlich effizient, wenn es darum geht, eine ganze Szene aufzunehmen.  
« Sehen » hingegen ist selektiver, absichtsvoller. « Sehen », das ist dieser Moment, in dem sich ein kleiner Teil der Gesamtszenerie klamm und heimlich von allem um ihn herum trennt. Vielleicht ist es eine Hand, die auf einem Geländer ruht, nur ein wenig fester als nötig, beguck die Knöchel. Vielleicht sind es zwei Fremde, die in entgegengesetzte Richtungen unterwegs sind, und die zufällig die Haltung des anderen für den kürzesten Moment widerspiegeln. Manchmal ist es nur ein Lichtfleck, der einer gewöhnlichen Figur plötzlich eine völlig andere Präsenz verleiht. Der Ort, der Platz, die Strasse haben sich nicht verändert. Deine Aufmerksamkeit ändert sich. Weil Du erstens bewusst auf die kleinen Dinge achtest und sich dahinter eine Absicht verbirgt. Antworten auf ein Warum. Ich bin der festen Überzeugung, dass Fotografie in einem solchen Moment wirklich beginnt.

“Wir müssen jedoch vermeiden, einfach zu fotografieren, schnell und ohne nachzudenken zu fotografieren und uns mit unnötigen Bildern zu überladen, die unser Gedächtnis überladen und die Klarheit des Ganzen mindern” – Henri CARTIER-BRESSON

Das Zitat bezieht sich auf deine Vision, das « Warum ». Merken 😉

Damit Dein Gedankenwirrwarr um das Warum herum ein klein wenig Ordnung und Substanz bekommt, im Anschluss etwas zu Blickwinkeln (= Perspektive). Und zu Orten und Plätzen. Als Grundlagen, als Einstieg, nimm es, wie Du es für richtig hältst.

Blickwinkel - Kamerahöhe - Perspektive

Fang mit der einfachsten (und einer der wirkungsvollsten) Sache überhaupt an : « Geht es interessanter | schöner | besser | wirkungsvoller als aus Stehhöhe ? ». Mach. Es. Dir. Bewusst. 😉 Je früher Du allein dieses verinnerlichst, desto besser stehst Du von Anfang an davor, dass sich Deine Bilder von der erschlagenden Masse unterscheiden. Versprochen. Ist. So. Die gefürchteten « Gruppenbilder », wenn Du mit Deiner Gang irgendwo unterwegs bist.

Der wichtigste Punkt zum ewigen Merken :
Die Position der Kamera im Raum – in den drei räumlichen Dimensionen – ist wesentlich mehr, als eine vermeintlich nur neutrale, technische Entscheidung.

Wo du relativ zu deinem Motiv stehst, das bestimmt, wie der Betrachter es zu sehen bekommt, UND wie er es (emotional) sehen soll. Die Position der Kamera im Raum ist eine « Erklärung » der Beziehung zwischen dir und deinem Motiv. Sie plaudert etwas darüber aus, wie wichtig dir das Motiv ist und wie du es interpretierst und wie du es interpretiert haben willst.

Der Blickwinkel und damit die Perspektive, das ist Ethik, die sichtbar wird.

Lass den mal ruhig ein klein wenig sacken, das ist wichtiger und tiefgreifender, als es auf den ersten Blick erscheinen will 😉 .

 

« Blickwinkel », das ist die Höhe, der Abstand, der Winkel von dir, ‘vertreten’ durch die Kamera, zum Motiv. Diese drei räumlichen Dimensionen und deren Verhältnis zu deinem Motiv zeigen deine Beziehung zu ihm.
Knackig : Dominanz oder Unterwerfung, Intimität oder Beobachtung, Engagement oder Distanz.

Der grösste Fehler, den die meisten Fotografen machen, ist, einen « komfortablen Blickwinkel » zu finden und den endlos zu wiederholen. So wie dieser Oberexperte in einem Forum kürzlich, der stolzgeschwellt sein erstes Bild mit einer ganz dollen Kamera rausgekramt hat, fünfzehn Jahre soll das her sein, inzwischen. Zu dem, was der heutzutage so der Öffentlichkeit zumutet ist kein Unterschied festzustellen. Kein bisschen was an wie auch immer geartetem Fortschritt. Stillstand, eine wahrlich erschreckende Feststellung war das. Meistens aus ‘Augenhöhe’ (eher noch darüber, denn Kameraauge auf Augenhöhe ist meist schon höher, als Augenhöhe des abgebildeten Motivs. Bildwinkel der Objektive macht das) und ‘respektvoller’ Entfernung.
—> siehe gerade von eben : Deine Bilder werden schlagartig ‘anders’ als die der Masse, wenn du anders, als aus Stehhöhe … 😉

Jedes Motiv, jede Szene oder Begegnung enthält Dutzende von potentiellen Bildern. Und jedes einzelne erfordert eine andere physische Beziehung.

Höhe

« Höhe » – das ist die vertikale Beziehung. Wo du die Kamera auf einer vertikalen Achse positionierst, das hat unmittelbare psychologische Konsequenzen, die beim Betrachter (meistens unbewusst) ausgelöst werden.

Da wäre der hohe Winkel, nach unten fotografierend.
So etwas impliziert beispielsweise Dominanz, einen Überblick, die Verkleinerung deines Motivs. Ist ein Mensch das Motiv, dann wirkt das recht schnell emotional herablassend. Du schaust von oben herab. Das Motiv schaut möglicherweise nach oben oder ist sich deiner gar nicht erst bewusst. Das kann Verletzlichkeit für das Motiv erzeugen. Oder ein Gefühl von Autorität in deiner Intention, vor allem der unbewusst rausgelassenen. Oder halt simple Herablassung in den Augen eines Betrachters. Passiert schnell bereits aus Stehhöhe, hämmer Dir das in Deinen Kopf, bitte.

auf Augenhöhe mit dem Motiv.
Das vermittelt Gleichberechtigung, Begegnung, Direktheit.
Du trittst dem Motiv ‘zu seinen Bedingungen’ entgegen. Das ist eine Position des Gesprächs, von Engagement, nicht der Beobachtung.
Für Tiere (und kleine Menschen, insbesondere Kinder) bedeutet das oft, dass du in deren Welt bist, aus ihrer Perspektive, ihre Würde bleibt gewahrt, Augenkontakt und gegenseitiger Respekt. Grobe Peilung auf das Brustbein, so auf die Höhe des Manubrium sterni, als Tip aus dem Leben.

von unterhalb des Motivs (untersichtig).
Ein niedriger Winkel, nach oben fotografierend. Erhebung, Monumentalität, Macht im Motiv werden vermittelt. Es impliziert gleichzeitig deine Unterwerfung, Respekt, Ehrfurcht gegenüber dem Motiv.
Das Motiv ragt über dich hinaus. Es dominiert den Himmel. Es wird heroisch. Oder bedrohlich, ehrfurchgebietend, angsteinflössend.
Du hast die Autorität dem Motiv überlassen. Du hast es erhoben und auf ein Podest gestellt.

Abstand

Nah ran. ‘Close-up’, das ist die ‘intime’ Beziehung.
Wie weit du mit deiner Kamera vom Hauptobjekt im Bild entfernt bist, das bestimmt die Natur der Begegnung mit dem Motiv.
‘Nahekommen’. Das ist der ‘Weitwinkelbereich’ der Nähe und schafft Immersion, Teilnahme, Intimität, manchmal auch Konfrontation (‘auf die Pelle rücken’ = in den Intimabstand eindringen. Der beträgt Pi mal Daumen einen Meter, näher ran sorgt für Unwohlsein, Beklemmung bis hin zu « Ich. Will. Hier. Weg. ». Das ist immens wichtig zu wissen, hinter die Ohren damit, bitte. Danke.).
Du bist jetzt Teil der Szene. Du bist Teil dieser Begegnung. Was Winkelverzerrung erzeugen kann, ist Drama oder Unbehagen. Wenn du diesen Ansatz verfolgst, kannst du keine Objektivität beanspruchen. Nicht von dieser Position aus. Du bist involviert. Du bist ‘mit’ im Bild.

Der mittlere Abstand.
Das ist wie der Abstand von so bummelig zwischen 35 und 60mm Brennweite.
Dieser Abstand repräsentiert eine ‘neutrale’ Beobachtung, Dokumentation, eine reporterische Haltung. Es der ‘klassische’ Bereich des Journalismus (oder Reportage) und der Dokumentation. Du bist nah genug, um Details zu sehen, aber just weit genug entfernt, um Trennung | ‘Distanz’ und Unparteilichkeit zu bewahren.

Der weite Abstand.
Das ist wie die Perspektive der Teleobjektive, meistens der ‘leichten Tele’ mit Brennweiten zwischen 75 und 105mm Brennweite. 135mm würde ich da vielleicht auch noch mit reinnehmen.
Tele-Kompression (und zwar bereits rein durch ‘Bauart’, nicht nur über die Blende … . Ein grosser (weiter) Abstand, das schafft eine gewisse Isolation, Extraktion, die Fähigkeit, den Kontext ziemlich weit bis vollkommen zu eliminieren. Hier kannst du vereinfachen, den Raum komprimieren und Elemente stapeln, aber du schaffst auch emotionale Distanz. Du bist ‘draußen’ und schaust rein. Die Intimität ist verloren, wenn du dich (in aller Regel deutlich) jenseits der Naheinstellgrenze befindest. Es ist bestenfalls rein visuell, nicht physisch.

Winkel

Deine seitliche Position zum Motiv – das spielt sich auf der horizontalen Ebene ab.

Frontal, ‘straight on’.
Direkte « Konfrontation ». Es beinhaltet auch Anerkennung. Das Motiv ist sich deiner bewusst oder wird dir präsentiert. (Das mit dem ‘präsentieren’ unterschätze nicht … das ist ganz oft der Fall)
Das ist in der Portraitfotografie und bei wildlife üblicherweise Standard’erkennung’ und Begegnung.

Seiten- oder Profilansicht :
Hier geht es um Beobachtung ohne Konfrontation.
Das Motiv existiert unabhängig von deiner Präsenz. Du bist mehr Zeuge denn Teilnehmer. Das kann eine Erzählung schaffen, in der Bewegung impliziert wird, wie horizontales Schwenken oder Portraitfotografie, bei der der Charakter nur im Profil gezeigt wird.

Von hinten :
Das Motiv entfernt sich von dir oder ist sich vielleicht deiner auch gar nicht bewusst.
Das bewirkt etwas Geheimnisvollen, Mystisches bis hin zur Verweigerung oder den Betrachter als Verfolger statt als Beobachter. Es kann Verletzlichkeit oder Unabhängigkeit mit sich bringen, je nach Kontext.

Schräge Winkel :
Das ist alles dazwischen, sagen wir 45 Grad oder ein Drei-Viertel-Winkel. Diese wirken oft dynamischer als die reinen Front- oder Seitenansichten, weil sie Bewegung, vor allem diagonale Bewegung suggerieren. Und achte gerade bei Portraits (teuflisch) darauf, dass bei sowas auch das hintere Auge noch angemessen in der Schärfe liegt.
Es gibt tatsächlich Spezialisten, die postulieren « Ich wollte die Schärfe auf dem hinteren Auge – das gefiel mir so » und ähnlichen Nonsens. Realübersetzung : Der Augen-AF der dollen Knipse hat das andere Auge aus welchem Grund auch immer nicht erwischt oder erwischen können.
Du brauchst eine sehr triftige Begründung für sowas, visuell am besten und dann auch mit Worten – da ist es wieder, das Warum. Alles andere ist billige Masche und Effekthascherei. Und schnell auch visuelle Misshandlung. Denk nur mal kurz darüber nach, wie Du Dich fühlst, wenn Dir so ein Held ein halbzermatschtes Gesicht verpasst. Danke. Wenn es auf nur das eine Auge ankommt, dann zeig auch nur das, statt Dich da fadenscheinig rauszuwinseln, eingekniffener Schwanz und schuldbewusst unterwürfiger Dackelblick und wütendes Kläffen … erbärmlich.

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Also für den Hinterkopf : « Perspektive » ist alles andere, als « neutral ». Sie drückt einen Standpunkt aus, unterbewusst, aber tiefgründig.

Tl;DR (einfach mal ans Ende. Weil. Ich. Es. Kann. 😉 )
Perspektive
Wo Du stehst – rechts oder links, höher oder tiefer, näher oder weiter entfernt – das ist nicht nur « hier stehe | stand ich gerade, als ich das Bild gemacht habe », es ist ein statement.
Deinen Blickwinkel zu verändern, das ändert nicht nur, wie Dein Motiv visuell aussieht, es verändert das Bild emotional und psychologisch. Es sagt etwas über Dich aus (und zwar recht deutlich, sogar), und es sagt etwas aus über Deine Beziehung zu und Deiner Meinung über das Motiv. Du redigierst den Bildinhalt.

– Was bedeutet es für dich ?
– Erhebung oder Unterwerfung ?
– Intimität oder Distanz ?
– Konfrontation oder Passivität ?

Du triggerst damit Emotion(en) und gibst einem Foto Bedeutung. Beim Betrachter meistens un(ter)bewusst und in der Stärke je nach individueller (Lebens)Erfahrung unterschiedlich, aber es löst in jedem Fall etwas aus.

Orte und Plätze

Orte und Plätze : Fotografier nicht einfach drauflos, fang das ein, was diesen Ort, diesen Platz ausmacht, was dieser Ort, dieser Platz mit den Menschen drauf macht. Mit seiner direkten Umgebung. Was hat Dich da eigentlich fasziniert ? Denk nach, da war was. Mit Sicherheit. Dieses kleine bisschen an « Mühe », das erpart ganz viele Enttäuschungen und « Hm. Irgendwie war das alles anders, da … ». Habe eine Intention. Fotografier das, was dieser Ort, dieser Platz Dir offenbart, schenkt, präsentiert. Die Sache mit den Perspektiven von eben, zum Beispiel. Und natürlich einem « Warum will ich ein Bild hiervon und davon ? ».
Die meisten fotografieren Orte / Plätze, wenn die hoffnungslos überfüllt sind. Was schenkt es Dir, wenn da keine Tourimassen sind ? Kein Lärm ? Nur Licht, Stein, Ruhe ? Und dann steht da jemand unter einer Latüchte, als würde dem Atem des Ortes oder Platzes gelauscht, bevor der schlafen geht oder sich zum Aufstehen bereitmacht :).  
Fotografier, was auf dem Platz passiert, suche und sortiere sie Dir, die kleinen Szenen, die « das Leben » zeigen. Es wird sie geben. Définitif.
Stell Dir die Frage, ob Dein vorgestelltes (das ist etwas anderes als « vorgefertigtes » Bild, bleib gedanklich offen gegenüber allem) Bild ohne diesen Ort / Platz noch « funktioniert ». Wenn « ja », dann ist (es) das gut. Wenn « nein », dann wird es eine (beliebige) Postkarte. Kauf lieber eine und schick sie nach Hause zu den Lieben 😉 Kommst gleichzeitig ein bisschen zur Ruhe und kannst Dich neu sammeln. Und ein caffè ist eh immer gut.

« Schnappschüsse » - impulsive Bilder auf ein stimuli hin

Impulsartiges Handeln mach ruhig auch, das ist wichtig für das Hirn, das kann es dann sozusagen abhaken. Danach die Sache mit eingeschaltetem Hirn. Also mit den Fragen « Warum dieses ? » « Warum so ? »
Vergleichen kannst Du die Bilder später am Rechner. Nicht nur « kannst », das musst Du machen. Lerneffekt. Erfahrungsschatz aufbauen. Die mit Nachdenken werden ziemlich oft die « besseren » sein. Deine Absicht macht den Unterschied.

Fotografie als Sprache

Fotografie ist ein Kommunikationsmittel, vor allem in den jetzigen Zeiten. Ganz oben schon, dieses « Teilen ». 
Ich verstehe Fotografie als einen Prozess des visuellen Erzählens. Es hat Ähnlichkeiten zu einer Sprache : Bilder sind Wörter, Bildserien Absätze und ganze Werkkomplexe sich entwickelnde bzw. abgeschlossene Geschichten. Trenne Dich von der Vorstellung, ein einzelnes Bild würde Können und Vision eines Fotografen definieren ; das ist genauso abwegig wie zu meinen, das Erlernen eines einzigen Wortes einer (Fremd)Sprache käme einer fliessenden Beherrschung dieser Sprache gleich. 
Wie beim Geschichtenerzählen ist Wissen um das vielgequälte storytelling ebenso anzuraten (Einleitung – Hauptteil – (climax) – Schluss | die berühmte « Heldenreise »), wie dessen Unterschied zu einem Narrativ zu kennen. Visuelle Lesefähigkeit ist beileibe kein überflüssiges Modewort, sondern in meinen Augen eine grundlegende Technik, in unserer mit Bildern überschwemmt werdenden Welt bestehen zu können, statt davon überrollt zu werden.

Wie bei dem Erlernen einer Sprache (und das muss keineswegs gleich eine Fremdsprache sein, erinnere Dich einfach an Deine Grundschulzeit zurück … 😉 ) klappt das auch in Sachen visueller Kommunikation mit einer Menge von Übungen, die dann miteinander kombiniert, verbunden, verwoben werden, anstatt lediglich als Demonstration technischer Fertigkeiten oder stupider Anwendung ästhetischer Prinzipien betrachtet zu werden. (So funktionieren diese « sozialen Medien » – Schema F, Abhakliste für einen « Bewertungsausschuss », like like like. Baum. Muh. Wuff. Mau.)

Überlege Dir nur eben mal auf die Schnelle, was sich mit dem, was oben zur Perspektive geschrieben ist, bereits alles anstellen lässt. « Working the scene » nennen Fotografen das, wenn sie ein einziges Objekt aus allen möglichen Winkeln und Entfernungen ablichten. Allein so etwas erweitert den visuellen Wortschatz, wenn Du es so nennen möchtest. Das zudem ohne irgendwas an Lichttechnik, wilde Kameraeinstellungen (Einstellungen Verschlusszeit Blende, vielleicht noch Signalaufbereitung), Kameratechnik mit ihrem ganzen Plunder kommt ganz ganz ganz weit hinten erst, wenn überhaupt … ) und Bildbearbeitung. Kommt alles deutlich (!) später. Am Anfang – noch lange vor dem Druck auf den Auslöser – kommen ganz einfache Fragen.

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Was ist mein Warum für die Fotografie ?
Was ist meine Absicht für dieses Foto ?
Warum ist mir dieser Moment wichtig ?
Warum möchte ich, dass dieses Foto existiert ?

Als Antwort auf diese Fragen wirst Du Dinge bemerken, die schnell übersehen bzw. gar nicht erst gesehen werden. Und Du hast einen Grund « gefunden », was Deine Aufmerksamkeit erregt hat. So eine Erkenntnis ist Gold wert, immer. Besorge Dir ein Notizbuch und schreib Dir Deine Gedanken dazu auf, es hilft ungemein 🙂
Aus diesem « Warum ? » (ja, ich weiss, schooon wieder 😉 – das gilt immer und für alles) ergibt sich dann auch ein « Wie », dessen rein technische Seite für den Anfang erst einmal deutlichst hintenanstehen soll.

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Wenn man nicht weiss, was man sucht, dann kann es nichts Besonderes werden. Warte nicht auf Motivation, ergreife (je)den günstigen | günstig erscheinenden Augenblick




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