6 février 2024

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Wenn ich das richtig verstanden habe, ist für diese ominöse ‘Bildqualität’ unbedingt ein ‘grosser’ Sensor erforderlich, mindestens Kleinbildformat. Wegen dieser ‘Freistellung’. Und dieser ‘Rauscharmut’. Dynamic Range natürlich auch. Oder ? Das ist das, was dir in diesem Internet eingetrichtert wird. Drunter geht, wird aber Murks. Wahrscheinlich. Richtig ? Dann lass uns mal in medias res gehen.

The Difference is What Makes It Yours.

Ich habe es Hein um die Ohren gefeuert : Entscheidend, ob sich jemand ein Bild angucken möchte oder eher drüber wegsieht, ist der allererste Eindruck, den das Auge wahrnimmt. Wir können nur so, weil wir auf ganz viele Dinge seit unserem ersten Augenaufschlag quasi ‘getrimmt’ werden. Und dann ist da noch dieses evolutionär bedingte Zeugs, dem wir uns nicht entziehen können – was wir selber so als Mensch an Fortschritt machen, das hinkt der Technik mehr als nur einmal Erde – Mond und zurück hinterher. Zu Fuss. ‘Sehgewohnheiten’ ändern sich, wird gesagt. Aber anders, als uns weissgemacht werden will. ‘Mustererkennung’ ist und bleibt eine eigene Sache.

Das Getrommel der Werbung – status quo

Ein klein wenig was vorweg, damit wir auf dem gleichen Level die Sache begucken. Ich stelle mal die steile These auf, dass seit 2020 in der Sensortechnologie eine Art ‘Stillstand’ besteht. Guck die Werbetexte oder -filmchen seit dem an und du wirst feststellen, dass es kaum noch um mehr und noch mehr Megapixel geht. Es scheint eine Art ‘Grenze’ erreicht zu sein. Erst einmal. Gleiches bei den ganzen Finessen des Autofokus, da ist auch gerade eine Wand erreicht, über die keiner rüberhuppen kann oder mag. Bildstabilisierung dito (da ist es wie bei diesen ‘Nutriscore’-Angaben bei Lebensmitteln : Trinkschoki hat ein ‘B’. Wenn die mit weissem Wasser angemixt wird. Mit Milch und Geschmack ratzfatz ‘C’. Wieviele Stufen das bei so einem Antizatterdingen nun tatsächlich sind, mit was für einer Optik und welchen sonstigen Rahmenbedingungen, das findet sich wenn, dann meistens auch nur irgendwo im Kleingedruckten. Merkste was ? )
*Was* wie blöde propagiert wird, sind Videoeigenschaften. “Guck mal, wie doll der Klappbildschirm ist, kannst dich selber drin sehen …” *Das* ist der Markt ; man versucht auf Teufel komm raus, den Telefonen noch ein paar Krümel vom Kuchen zu klauen (und diese Hosentaschenstudios sind für den 0815-Standardkrempel an content schon eine ganze Weile wirklich, wirklich gut zu gebrauchen. Wenn das Licht stimmt und der Ton entsprechend vernünftig dazugeliefert wird, ersetzen die locker alles andere – Licht und Ton wollen auch bei den Cinemühlen stimmen, davon mal ganz ab. Aber weil da nun ein iPhone für eingesetzt wurde, haben sich sich auf den einschlägigen ‘Fachkanälen’ die Spezies dermassen über den Streich von Apple beim Werbevideo für das iPhone15 echauffiert, weil wohl nur schwer zu akzeptieren ist, dass dem so ist. Wo man doch für ‘profi’ zwingend die dicke Mühle braucht. Begrab den Gedanken. Umgehend.)

Sony hat mit der A9 irgendwas von Ende 2023 und global shutter eine technische Möglichkeit fabriziert, die was mit der Auslesegeschwindigkeit des Sensors zu tun hat. ‘Global shutter’ ist so ähnlich zu begucken, wie Zentralverschluss bei Mittelformat. Grenze bei dem nur die Massenträgheit sich bewegender Bauteile ; blitzen bei 1/1600 ? Nix los, und selbst das kommt von einer seit Ewigkeiten bestehenden ‘Grenze’ von 1/500 Blitzsynchrozeit – da träumte Kleinbild bis November letzten Jahres nicht einmal von, so weit weg war das (neee, neee, HSS ist was anderes – ich rede von ‘echter’ Synchronzeit, volle Pulle Licht und so …). Also keine brandneue Geschichte. Sony hat dafür andere Sachen opfern müssen, die selbstredend ein gern genommenes Einfallstor für Gemoser sind – Basis-ISO hoch, Dynamikumfang etwas runter und beschämend wenig Megapickel und so. Irgendwas ist immer, wenn die Elektronen mit einem Male auf engstem Raume so richtig flitzen sollen.
Ansonsten ist Schweigen im Walde. Tut sich nichts ausser Firmware hier und da mal auf einen halbwegs aktuellen Stand bringen. Oder doch lieber gleich für das Firmenergebnis ein ‘neues’ Modell und mit dem den Datenblattsektenjüngern den anderthalbfachen Kurs aus der Tasche zerren ?

Und mal ganz ehrlich, wie viele Informationen gibt es denn zu den wirklich wesentlichen Dingen, wie Anfassgefühl (ich weiss, ist eine subjektive Sache. Aber eine ganz doll wichtige, in meinen Augen), Erreichbarkeit von grundlegenden Bedienelementen, Menükonfigurationen, Dauerbelastung und Haltbarkeit im echten Einsatz ohne Samthandschuhe ? Kleine, aber oft gar nicht mal so wenige, weggefallene oder mies geänderte Dinge, die es beim Vorgängermodell noch gab ? Bei Fujis X-Pro3 seinerzeit zum Beispiel Wegfall 100%-Peilung beim in den optischen Sucher einblendbaren Fensterchen ? Oder keinen Sucherrahmen mehr für unter 18mm Brennweite ? Magst jetzt drüber schmunzeln, aber für einen, der nahezu ausschliesslich mit manuellen Optiken unterwegs ist, ist das ein Grund, das Ding nicht zu kaufen. (hey ! Ich lach mir doch keine unaufdringliche, nette kleine Kamera an, um dann eine Optik von gefühlt den Ausmassen einer Gehwegplatte dranzubauen 😉 ) Olympus kann das auch, mit Wegfall ‘ist absolut tolles Feature‘ bei Nachfolgemodellen. Oder dieser ‘neue ergonomisch superdolle Griff‘, der für Bärenpranken gut ist, aber bei schmalen Händen einfach nur ein Krampf wird ? Andersrum geht das auch – nur mit spitzen Fingern angenehm. Oder der ‘neu entwickelte’ Auslöser, der mit einem Male an einer Kante sitzt, an der sich Hornhaut bilden will ? Oder Auslöser, die sich anfühlen, als würden sie jeden Moment wegbrechen wollen ? Derart Infos gibt es, aber verschwindend wenige und dann werden die von den Algorithmen so dermassen ‘nach hinten’ geschoben, dass das schon beinahe strafwürdig wird. Bringt halt keinen Umsatz für Werbezwangsstörungen … Was sich aber bescheiden anfühlt oder in der Bedienung misslicher wird, das magst nicht so gerne benutzen.  

Let’s Turn Over The Soil

Damit es klar ist : Ich weiss durchaus, dass ein größerer Sensor bessere Ergebnisse liefern kann.
Leistung bei schlechten Lichtverhältnissen – wann warst du das letzten Mal im Finstern unterwegs, also so richtig dunkel ?
Oder mit dem ganzen Geraffel und ohne Licht das letzte Mal in einem Tanzschuppen ? Meine olle APS-C fängt bei ISO 6’400 das Rauschen an, dass das sichtbar werden kann. Sichtbar – ‘störend’ ist noch eine ganz andere Nummer. Das Ding, das nur schwarzweiss kann, bei 25’600, die ‘Dicke’ bei 1’600, die ganz Dicke bei 800 … soviel dazu. Und wenn du permanent Schattenbereiche hochziehen musst wie irre, dann solltest du dir vielleicht mal Gedanken über deine Bildsprache machen. Und wie sowas mit Belichtung in Einklang zu bringen ist.
Oder die Menge der erfassten Details vulgo ‘Auflösungsvermögen‘ – was hindert dich eigentlich, da einfach physisch und oder optisch näher ranzugehen, wenn es dir doch auf diese Details ankommt ? Detailaufnahmen bereichern im übrigen jeden essay, jede Geschichte, die aus mehr als nur einem Bild besteht. Zwingend erforderliches Bild, sowas. Und komm mir jetzt bloss nicht mit den berüchtigten ‘Cropreserven’. Wann das letzte Mal berechtigt gebraucht ? Berechtigt. Das ist was anderes, als ‘weil ich es hab und es kann’. Das ist vorgeschoben für Schludrigkeit. Reine Bequemlichkeit. Faulheit. ‘Berechtigt’ ist Produktfotografie mit richtig Durchsatz gegen Geld, wenn ich mich nicht länger als unbedingt erforderlich mit diesem stacking befassen muss, weil ich einfach weiter weg kann, damit den Schärfebereich vergrössere und der Rest immer noch für die Doppelseite langt. Mache ich sowas nur gelegentlich, habe ich auch die Zeit für die Nachbearbeitung. Erst recht, wenn das Hobby ist. War doch immer das Schöne, sich die Zeit nehmen zu können, nicht ?
Oder dieses Gehampel um diese bekloppte ‘Freistellung’ ? Ist erstens ein ‘Argument’ von und für Leute, die ausser Blende aufreissen nichts auf dem Kasten haben und zum zweiten Asche ab Blende 2.8 gegenüber den ‘mickrigen’ Sensorformaten. Die Technologie ist so fortgeschritten, dass kaum einer den Unterschied ‘pur’, also komplettes Bild, erkennt. Willkommen im Jetzt. Die ganzen ‘Blindtests’ beweisen das immer wieder auf amüsante Weise. ‘Treffer’ sind reines Glück. Falls wer es ‘sieht’, dann kannst du davon ausgehen, dass am Rechner mächtig reingezoomt wurde. (Und dann diese äusserst krude Argumentation der Äquivalenzbrüller, Schärfebereich nähme dabei mit zunehmender Vergrösserung ab. Tut er nicht. Wie soll er auch, wenn einmal mit Auslösen auf immer und ewig fixiert. Es ist nur der subjektive Seheindruck. Punkt. 🤪
Oder dieser toootal dolle Autofokus. Machst du Köter als Nebenjob, oder folgst du nur diesen grassierenden Zwangsneurosen, weil das mit einem Male irgendwie ‘alle’ machen ? So ein Hund rennt und springt eigentlich eher die wenigste Zeit wie doof in der Gegend rum. Die können auch noch ganz andere Sachen, die in meinen Augen auch schlicht schöner anzugucken sind ; voller Galopp hab ich deutlich zu oft gesehen, inzwischen. Ausserdem waren solche Bilder vor 20 Jahren auch schon möglich. Denk drüber nach, wie die das veranstaltet haben könnten. Gibt da Techniken, um die Schärfe festzunageln. Bequemlichkeit steht allerdings ganz ganz vorne, heutzutage. Hirn kurz bemühen ? Ihhhgitt ! Gleiches für Fluggetier. Und Kinder. Scheinen heutzutage nur zu rennen. Und alle anderen Situationen, in sich gekehrt, heulend, ins Spiel vertieft ? – offenbar evolutionär auf der Strecke geblieben.
In body image stabilization – feine Sache, hochempfindliche, komplexe Technik. Ausfall bei irgendwo heftig anstossen garantiert ? Sich irgendwo anzulehnen, aufzustützen, beide Arme am Körper, Kamera auch mal oben an den Augenhöhlenknochen, Beine etwas auseinander – echt ALLES vergessen in Sachen ‘Wie ich eine Kamera stabil und sicher halte’ ? Von meinen Apparaten hat das keine und irgendwie kommen da ohne Mullen und Knullen brauchbare Bilder raus. Mysteriös. Aber schön immer wieder die Ansage « Ohne das würde ich heute keine Kamera mehr kaufen » als zementierte ‘Meinung’ propagieren. Bedanke ich mich artig, bleibt auf dem Markt mehr Auswahl für mich. Spottbillig, meistens noch dazu.
Bei vielen von den Oberspezialisten drängt sich der Gedanke auf, wie die eine Kamera überhaupt unfallfrei festhalten können, wo schon alles andere ohne eigenes Zutun ‘zu funktionieren hat’. Jeglichen Kapiervorgang eingestellt.

un samedi soir
un samedi soir

‘Gute’ Fotografie ist (auch) subjektiv ; darauf können wir uns glaube ich alle einigen. Nur : die (noch) aktuelle Überzahl der großartigsten Fotos sind mit einer Technologie aufgenommen worden, die aus Zeiten von vor der Digitalschwemme stammt. Guck Dir doch tatsächlich mal die Werke von echten Fotografen wie Sir Donald McCULLIN, Sebastião SALGADO, Peter LINDBERGH, Alfred STIEGLITZ, Margaret BOURKE-WHITE, David BAILEY, Horst P. HORST, Lee MILLER, Anton CORBIJN, George HOYNINGEN-HUENE, Diane ARBUS, Jacques Henri LARTIGUE und so vielen mehr an. Mach mal 😚 Bei deren Arbeiten geht es weder um Körnung, noch um mikroskopisch feine Details oder die neueste Ausrüstung. Entscheidend sind das Auge, die Hingabe und die Vision. Das sind die Sachen, die nach wie vor unverändert von Bedeutung sind. Es ist vollkommen wurscht, ob das nun ein bisschen krisselt oder glatt ist, wie ein Babyhintern. Komplett. Wurscht. 

Natürlich ist es manchmal hilfreich, 80% eines Bildes ausschneiden zu können, wenn man mit 100 und mehr Megapixeln fotografiert. Natürlich ist es von Vorteil, ohne zweites Bild dem Kunden ein Produktbild eines Schuhs zu zeigen, auf dem eine geteilte Naht zu sehen ist, die mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Weiss ich, mache ich selber. Nur – das ist erstens beruflich und zweitens top notch Produktionen mit top notch Auftragsanforderungen, top notch Kunden, top notch Drumrum. Die wollen dafür das dicke Zeug sehen, auch wenn das rein psychologischer Natur ist. Machst du jeden Tag, oder ? Vor allem das mit dem 80% Ausschneiden und dem horrenden Aufwand an Vorarbeit und Planung und pipapo, der sofort mit auf dem Plan steht, wenn da hinterher mit einer einzigen Auslösung zehn einzeln brauch- und nutzbare Bilder bei rauskommen müssen. Und ich verrate dir nochwas : So gut wie keiner ist in der Lage, einen Unterschied zwischen einem PhaseOne-Bild und einem gut aufgenommenen GH4-Bild zu erkennen. Auch nicht von den top notch Auftraggebern, wenn die den Print vorgelegt bekommen. – Erwin OLAF hat Mittelformat genommen, weil von Anfang an feststand, dass die Bilder auf zwei (!) Meter (!) lange Kante ausgedruckt werden würden. Hast du wann das letzte Mal gemacht ? ‘Wirken’ tun dessen Bilder by the way auch in kleiner A4.

la Dame de Fer sous la pluie
la Dame de Fer sous la pluie

It’s the Print, Silly – Die Magie des Haptischen

PRINT ist das Stichwort. Druckst du aus (drucken lassen zählt auch, kein Ding 😉 ) ? Papier macht eine Fotografie zu einer Fotografie. Meine Meinung.
Papier ist in Bezug auf ‘Rauschen’ und Details viel, viel nachsichtiger, als viele sich das so vorstellen. Wenn Detail, dann mach auch Detail. Kein crappy crop, der dich hinterhältigst mit Panikattacken befeuert. Echt, lass es mit Ausdrucken auf einen Versuch ankommen. Ist eine irre Erfahrung 🙂
Der Großteil der Bilder wird heutzutage auf Bildschirmen (an)gezeigt. Auf meist wirklich kleinen Bildschirmen noch dazu. Mit diesem Instagram als dem beliebtesten Medium, Bilder zu verteilen und zu begucken. Dein stundenlang vorbereitetes, AI-entrauschtes, AI-geschärftes ’Vollformat’bild, in das du deine ganze Seele gesteckt hast – das wird wird einige Sekunden lang in der Breite von 1080p auf einem 6-Zoll-Display angezeigt, um dann mit einem Wisch in die ewige Düsternis des Vergessens befördert zu werden. Echt. Die Wirklichkeit ist kein Ponyhof. Irgendwie traurige Wahrheit ist doch, dass die meisten Bilder heute in diesen endlosen ‘timelines’ verschütt gehen und nie wieder erwähnt werden. Ist die Sensorgröße in diesem Fall wirklich so wichtig ? Und für so ein irres ‘Nutzererlebnis’ schleppst dich mit der neuesten ’Vollformat’kamera und kiloweise Objektiven ab ? Echt jetzt ? Papier. Wie früherTM. Schuhkarton oder Buch – man guckt da öfter rein, als so vermutet wird. Allein das haptische Erlebnis ist schon toll. Kribbelt 😉 Ich lasse mir auch von niemandem vorschreiben, es müsse mindestens A1 sein. ‘Richtig’ präsentiert hat auch Postkartengrösse und kleiner einen unglaublichen Reiz.

The Luster Dulls Over Time

Lass es sacken und geh in dich. Unvoreingenommen von Foren und diesem Youtube-Zeugs. Ich schreibe es noch einmal : Youtube verhökert Werbung und dein ganzes Leben in Form der Datenspuren auch gegen Werbung gegen ‘umsonsten Speicherplatz’ und schmeisst alles, was dem nicht absolut entspricht, gaaaaaanz weit nach hinten in den ‘Vorschlägen’. Instagram ist keinen Deut besser. Es ist und bleibt das Geschäft von diesem Herrn Google und dem Zuckerhaufen und die wollen und werden ihren Reichtum damit unfassbar mehren und klammheimlich die Weltherrschaft an sich ziehen. (Nur so zum Spass : Guck mal nach, wem die Unterseekabel für den Datenverkehr gehören … )

au Pic-Clops
au Pic-Clops

Die Kamera, die dich traurig aus ihrer Ecke anguckt, ist die wirklich inzwischen so unbrauchbar, wie es dir eingeredet werden soll ? Oder liegt da eigentlich ungenutztes Potential, weil du dein eigenes fotografisches Potential unterschätzt ? Im Zweifel wirst mit dem Ding ohne Not alles das bewerkstelligen können, was du so fotografierst. Ich gehe davon aus, dass die weiland beim Kauf deinen wie auch immer gearteten Anforderungen angepasst war. Und haben sich diese Anforderungen tatsächlich so dermassen geändert, dass es nun unbedingt das Topmodell und die sündteuren, viehisch schweren High-End Glasmonster mit tellergrossen Linsen sein ‘müssen’, wie sie dir alle einreden wollen ? Die, die sich so auf dynamic range und Rauschverhalten und und und stürzen, dass sie über diesen ganzen Kram das ‘vergessen’ haben, was ‘Bild’ eigentlich ausmacht ? Die Geschichten, die damit erzählt werden können ? Wer verlangt eigentlich jetzt mal so in der echten Welt, dass bei … ich nehm mal Hochzeitsbilder, dass bei denen jede Hautpore rausgearbeitet sein muss ? Ich dachte immer, es ginge darum, den Tag aller Tage zusammen mit der allgemeinen Stimmung mit dem Gefühl des Tages festzuhalten. Oder wollen die Brautleute heutzutage was anderes, als nochmal Tränen in den Augen vor Glück wegen der Erinnerungen und Emotionen, die beim Angucken wieder hochkommen ? Bei der Dokumentation von was für einer Geschichte auch immer sollte es weniger um glattgebügelte, ‘geräuschlose’ Postkarten gehen, denn um die Emotionen des Geklauten Moments, des Eingefangenen, gesehen durch die Augen des Fotografen. Deutlich öfter.

Ich hab neulich meinen Datenwust an Ausgaben des National Geographic wiedergefunden und mal geblättert. Alter ! Wie geil ! Was da an Fotografien mit Bewegungsunschärfen drin ist. Und das liegt nicht an den ‘langsamen’ Filmen, die die damals zur Verfügung hatten. Da geht es um Emotionen. Zeig, dass etwas in Bewegung ist, dass das Leben brummt. Körnige Filme ? So what ?
Diese eine Fotografie von Sam ABELL aus Neufundland, mit den Fischern am Boot und unter schwerem, bleiernem Himmel – da knattert das so richtig. Und krabbelt unter die Haut. Das Korn macht, dass das rauhe Klima gefühlt werden kann. Oder die Fotografien des nächtens aus den Südstaaten von William Albert ALLARD. Da spürst du die Hitze der Nacht, da hörst du die Geräusche, da gehst mit den Bewegungsunschärfen mit.
Ich hab Zahlen gefunden : 1993 wurden für das Magazin knapp 1,7 Millionen Fotos gemacht. In die Hefte ‘geschafft’ haben das 1’400 und ein Keks. Das sind 0,001% aller Bilder. DAS ist editing, Auswahl. Gnadenlos. Und trotzdem sind da diese körnigen, ‘unscharfen’ Dinger mit bei, die die Forenkasper in die Tonne treten würden, weil sie das mit dem editing und den rüberkommenden Emotionen einfach nie verstanden haben. Und auch nicht verstehen wollen. Wie sind wir da heutzutage mit diesem ‘alles gestochen scharf’ und ‘glatt’ versaut … Für 2018 oder so sind die Zahlen übrigens ähnlich. Hintenraus. Gemacht wurden glaub 2,7 Mio … und auch unscharf, knatternd.
Es ist die reine Wonne und zeigt einmal mehr, was wirklich richtig gute Fotografie ist und wie solche ‘Unzulänglichkeiten der Technik’ ganz bewusst und gezielt eingesetzt werden können, um Emotionen ‘rüberzubringen’. Klar haben die auch die Beiträge, für die richtig Technik aufgefahren wurde. Nur sind das durch die Bank absolute Spezialthemen. Der ‘Alltag’ ? – schiet was drauf, Hauptsache Kamera dabei. Und ausreichend Akkus :). Alles weitere ist eh ‘im Kopf’, im Unterbewusstsein : Kamerabedienung ‘blind’, Komposition, Licht, Licht, Licht, Thema und Motif verstanden, keine übertriebene Nachbearbeitung (wenn überhaupt eine ausser Kontrast und ggfls. Farbe. In homöopatischen Dosen.), kein Stück blöde Effekte um der Effekte willen. Einfach nur toll. Ganz grosses Kino. Da reicht beim drüberscrollen so oft der ‘thumbnail’, der mir sagt
“Guck. Dir. Das. An.” Boah, ich hab noch (oder wieder) Entwicklungsbedarf 😉


Also : Tu dir den Gefallen und überlege lieber dreimal, ob es Vollspackenzeug sein ‘muss’. Fotografiere mit was auch immer für dich funktioniert. Teure Ausgaben aber werden dich weder auf magische Weise auf die nächste Stufe des ‘Könnens’ bringen noch deine Bilder irgendwie ‘verbessern’. Kein Stück. Oder änderst du deine Fotografiergewohnheiten schlagartig, weil es jetzt die Blink-Klingel-3000-Kamera ist ? Echt ? Ich sage dir auf den Kopf zu, dass es die gleichen Bilder sein werden, wie bisher.
Ich geb meine Mücken lieber für Touren aus. Und freue mich jedes Mal, dass ich meine ‘alte’ treue Begleitung aus dem Effeff beherrsche und mit der alles machen kann, was ich will. Und wenn es die Bilder sind, die ich immer schon gemacht habe 🙂

Great photography is about depth of feeling not about depth of field.
– Peter ADAMS






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