1 Mai 2024

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Es ist nicht totzukriegen, dieses Thema « Äquivalenz » bei verschiedenen Sensorgrössen. Gefühlt das wichtigste Thema überhaupt bei Foreninsassen. *Das* können sie. Glauben sie. Bei mir löst das jedes Mal wieder ein Schmunzeln bis hin zu schallendem Gelächter aus.

Neulich wagte wer, zu fragen. Knapp tausend (sic !) Beiträge dazu, gespickt mit wildesten Theorien und um-Kopf-und-Kragen-labern inklusive. Der arme Tropf von Fragesteller hat das Handtuch geworfen. Eine vernünftige Entscheidung. Hoffentlich auch geheilt.
Bei diesem Äquivalenzplunder geht es um irgendwelche ‘Verlängerungsfaktoren’ und Rauschen und Dynamic Range und natürlich diese ‘Freistellung’. Kann alles in wilden Grafiken und noch wilderen Formeln und vor allem ganz ganz viel Quark mächtig breitgelatscht werden. Lenkt auch so schön davon ab, dass von dem, was ein ‘Bild’ ausmacht und was da warum aus welchen Grund ‘funktioniert’ und ‘wirkt’ häufig genug kein Hauch von Wissen gegeben ist – ‘Beweisbilder’ legen das sehr offen zutage. Getretener Quark wird halt nur breit, statt stark.

Can You Still Chew Solid Food ?

Ja, es gibt da Unterschiede. Sensorgrösse, Bildwinkel, Signalverarbeitung und und und.

Aber wozu eigentlich diese ‘Vergleichsarien’ ? Ernstgemeinte Frage : « Warum ? » 
« Weil wie das aussehen würde könnte vielleicht unter Umständen, wenn … » Ja. Wenn das Wörtchen ‘wenn’ nicht wäre. Mal Butter bei die Fische : « Warum ? » 

Hast Du, wenn Du mit einem ‘kleinen’ Sensor unterwegs bis (oder nur sowas hast) so ein geringes Selbstbewusstsein, dass Du dauerhaft ‘vergleichen’ musst, wie das bei ‘Vollformat’ a.k.a. Kleinbild aussehen könnte ? Ernsthaft ? Oder, wenn Du den hast oder gar alle vier Systeme, baust Dich mit allen Kameras und ‘äquivalenter Brennweite’ auf, fummelst die Standorte raus, damit das Bild nachher überall so Pi mal Daumen die gleiche Grösse hat, und vergleichst dann hinterher am Rechner Schärfebereiche ? Echt ? Meinen Segen hast Du … Macht im realen Leben in realen Bedingungen kein Fotograf. Zumindest hab ich in freier Wildbahn und auch in Studios noch niemanden gesehen, der derartige Aktionen durchzieht. Keinen. Wenn es Dich wirklich so schwer wurmt, untere Liga zu sein, dann kauf Dir die Boliden. Macht Deine Bilder kein Stück besser, aber wenn es diesen Komplex beseitigt …

Room to Dance Again

Das einzige, was mich interessiert, ist der Bildwinkel. Kommt noch von früherTM, nifty-fifty darf gerne nifty-fifty entsprechen. Ich glaube, hätte ich mit APS-C angefangen, wäre mir auch das komplett gleich. Schärfebereich ? Wunder, oh Wunder … Flansch ich ein und dieselbe Brennweite an Kleinbild und an APS-C an, lasse ich den Abstand gleich und kümmere mich nicht um den Ausschnitt, ist der an APS-C kleiner. Oha. Der soll doch angeblich grösser sein, oder ? Ja. Wird er dann, wenn die Abbildung mit beiden Kameras ungefähr identisch sein soll. Also Kopf den Rahmen voll ausfüllend und so. Dafür muss ich mit APS-C halt einen Schritt nach hinten. Ich ändere den Abstand. Und da schlagen dann zum einen die reine Mathematik (Abstand zum Motiv, Sensordiagonale und damit Konfusion … Zerstreuungskreisdurchmesser) und konstruktionsbedingte Geschichten (Weitwinkel haben grössere Schärfebereiche, als längere Brennweiten) zu. Bei gleichem Abstand bräuchte ich an APS-C um und bei 33mm Brennweite. Da unterscheiden sich dann die Schärfebereiche. In einem Bereich, der mir eigentlich auch recht ist, weil nicht grossartig auffallend. Greif Dir einen Doof-Rechner und zieh es durch. Also : einzig Bildwinkel interessiert. Wenn überhaupt. Wenn Du das mit der Fotografie (Fotografie !, nicht Elektronik) ernstmeinst, dann wirst ohnehin eine ganze Menge durchprobieren, bis Du ‘Deine’ Lieblingsbrennweite findest. Klassischer Weg ist nach mehr Tele wegen Angst, tatsächlich ranzumüssen ans Motiv, dann ans andere Extrem und schliesslich irgendwas mittendrin. Was das ist, ist komplett egal und eine persönliche Vorliebe. Punkt.

Ich kenne meine Kameras. Ich weiss, bis in welche Düsternis ich arbeiten kann, bis die Signalaufbereitung lustig bunt glitzernd zuschlägt und nervt. Weiss ich einfach, habe ich ausprobiert und mir gemerkt. Drollig finde ich immer wieder diese Experten, die über ihre µFT bei Funzellicht maulen und man könne wegen des Rauschens keine Bilder machen. Weisst was ? Gibt drei Möglichkeiten, bei für die Situation falschem oder nicht so tauglichem Werkzeug – Erstens : Licht rein. Zweitens : Hinnehmen, Augen zu und durch. Drittens : Lassen. Oder schlicht das passende Zeugs für solche jobs mitschleppen. Ganz simple Sache. Maulen und Heulen ist peinlich. Vergleichen mit hätte hätte Fahrradkette keinen Deut besser.

Unterschiede mit Rauschen bzw. ‘Verlusten’ in dynamic range ? Mir latte, wie sich das bei anderen Sensorformaten benimmt. Ich habe *ein* Bild und belichte mein Hauptmotiv so, wie es meiner Vorstellung entspricht. Restliche Bildbestandteile sind nachrangig. Ich habe keine Erinnerung, jemals mehr als zwei Blenden in der Nachberarbeitung hochgezogen zu haben. ‘Brauche’ ich nicht, passt ‘so’. Und in dem Bereich ist das seit Jahren mit dem zusätzlich reingebastelten Rauschen durch Verstärken des ‘inputs’ unkritisch.

Ich verrate Dir noch etwas ganz Wesentliches : Sucherviereck ist Sucherviereck. In dem spielt die Musik. Wenn ich sagen wir was ausfüllend haben will, dann mach ich das. Und zwar völlig egal, ob ich da 8×10 inches habe oder 6×6 oder 645 oder Kleinbild oder APS-C oder µFT oder Telefon. Blende die, die das Motiv braucht, primär aber alles aus dem visuellen Werkzeugkasten, das erforderlich ist. Mache ich so, weil das nämlich meine Art des Fotografierens ist. Oder willst Du mir tatsächlich glauben machen, dass das bei Dir anders sei ? Echt ? Nehme ich Dir kein Stück ab. Auch Du wirst so fotografieren, wie Du es bislang immer schon gemacht hast. Realität. Sensorformat spielt dabei so gar keine Rolle. Sucherviereck spielt eine Rolle. Und was Du wie da drinnen anordnest, damit es ein Bild wird, welches man sich angucken möchte.
Dieses Äquivalenzgefasel ist in der Praxis tatsächlicher Fotografen für die Katz. Vollkommen belanglos. Andere Dinge sind von deutlich grösserer Bedeutung. Und nach denen wird geguckt. Rauschen, diese bekloppte ‘Freistellung’ oder Dynamikwunder interessieren im echten Leben keinen. Inhalt und wie der dargereicht ist, konzentrier Dich auf das. Bringt Dich allemal weiter, als sich mit Stumpfsinn rumzuschlagen.

Noch kurz was zu 50mm

Ich habe es kürzlich zwei, drei Mal lesen müssen, dass 50mm so fein geeignet seien, mit möglichst weit offener Blende und einer ‘Staffelung’ rummachen zu können. Zog sich mir einiges zusammen. Ist halt eine Äusserung von jemandem, der ausser Blende aufreissen keine oder nur ganz wenig Ahnung hat.
50mm ist für (echte) Fotografen so die erste Brennweite ‘nach unten’ Richtung Weitwinkel, wo eigentlich angefangen wird, sein Bild gezielt und bewusst nach Hinter-, Mittel- und Vordergrund aufzubauen. Gerade bei den Dokumentarfotografen ist das so. By the way – deshalb sind unter denen welche, die gewisse Leica-Optiken so mögen. Die Dinger machen nämlich – recht weit offen, aber noch kein Ofenrohr – tolle Sachen mit dem Schärfeverlauf, gerade im mittleren Entfernungsbereich so um und bei zweieinhalb bis drei Metern. Das ist der mittlere Bildbereich, Wink mit dem Stahlträger … 😉 .

Allgemein in Sachen Bildaufbau und Komposition : Je mehr Weitwinkel, desto mehr gewinnt diese Vorgehensweise an Bedeutung. Ab 40mm und weniger auf jeden Fall. Für die Forenprofis, die besonders laut in diesen Äquivalenzkloppereien rumschreien, ist sowas ebenso terra incognita wie die feinen Sachen, die mit Kontrasten in allen facetten veranstaltet werden können, um den Betrachter an die Hand zu nehmen. Ja denn …




Zeremonien mussten in die Länge gezogen werden, und, je langweiliger sie waren, desto besser, denn sie dienten ja nur dazu, das Ereignis mit Heuchelei, Klischees und Sentimentalitäten aufzuladen, bis die Erleichterung, wenn schlussendlich alle Worte gesprochen waren, geradezu elektrisierend war.





 

le train à Francfort en départ. Gare de l'Est, Paris Previous post Über eine aufregende Reise
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