publié le 23 mars 2021

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Wenn in irgendeinem « Foto »-Forum die Frage auftaucht « Ich will mich auf diesem oder jenem Gebiet verbessern oder verändern, was kann ich tun ? Ich fotografiere mit irgendwas, das nicht Vollspackenformat ist. » auftaucht, dann kannst du dich locker entspannen, einen Kaffee bauen und schwupps ! wenn du wieder sitzt ist das erste Mal das gefürchtete Wesen der « Äquivalenz » auf dem Bildschirm. Am liebsten möchte dem Fragenden gegen den heulenden Wind und die tosend sich überschlagenden Wogen zugeschrieen werden « Zieh den Stecker ! Schnell ! ». Zu spät, das Unheil nimmt seinen Lauf, die Kommunikation mit dem Bankmenschen wird folgen und ein geplündertes Konto meistens auch.

Anschliessend mindestens ein halbes Jahr lang nur noch Nudelsalat und nicht mehr duschen, weil nicht mehr drin ist, in der Haushaltskasse. Gottseidank kommt der Sommer, da lässt dann auch das Schnattern nach. Dafür hockt das Wunderding mit den Glasbausteinen blitzend und noch nach Fabrik riechend unschuldig in der Vitrine und pfiffelt sich eins. Die Bilder wollen irgendwie auch nicht anders aussehen, als die von vor Weihnachten und Ostern und Geburtstag zusammen. Und sowas zu Beginn der dritten Dekade des 21. Jahrhunderts. Oha.
Derart Misere nur, weil Hein Tech – seine Forenkumpane nennen ihn liebevoll « High » – diese Geschichte mit der Äquivalenz in den Ring geschmettert hat. Hein ist ganz weit vorne in dem Laden, der weiss aber mal so richtig Bescheid. Über Brennweitenentsprechungen und Pixeldichten und Vergrösserungsfaktoren und Freistellungbokähmitmääblende und Tüddelüüt. Hein hat den Dreh bei 20 Bildern die Sekunde ISO 102’400 rauschfrei ratzfatz notfalls auch in 8K weggeschrieben Hauptsache RAW mit anderthalb Kilo Glasbrocken vornedran richtig raus. Hein hat auch die geilen Schnitten am Start, die er ja leider leider immer nich ganz nackich zeigt. Aber heiss, sag ich dir, heiiiiss. Und weil Hein so ein ganz doll Toller ist, pflichtet ihm der ein und andere und es werden immer mehr, und immer überzeugender auch, bei. Unterhalb Vollspatenkiste oder mindestens Adleraugenfokus kannst das Vorhaben kom plett ver gessen. Wird nie was, kann nichts werden, viel zu viele Unzulänglichkeiten. Pah ! Ohne all die wichtigen Dinge, die du un be dingt. Haben. MUSST. Und jeder, der da gegenanmurmelt, der ist eh arrogant. Wenn nicht sogar von oben herab gar förchterlöch öberhöblöch. Ignorieren, den Neider. Will ohnehin nur alles schlechtreden. Sowas bringt Hein und seine Truppen mächtig in Aufruhr. Das wiederum ist kolossal putzig.

le magasin des rêves - Bd Filles du Calvaire, 11e
le magasin des rêves – Bd Filles du Calvaire, 11e

Wir sind in 2021. « Schlechte » Kameras gibt es eigentlich seit diversen Jahren schon nicht mehr, gleich in welchem Segment. Sogar die von den « Kennern der Materie » als unmöglich abgecancelten Telefone sind inzwischen ernstzunehmende Werkzeuge, wenn es um Bilder geht. Zumal mit den passenden Apps kann mit denen grandios gezaubert werden. « Schlechte Technologie », das ist gerade in Sachen digitale Technologie lange her. Was aber nach wie vor weitest verbreitet up to date ist, das ist schlechte (fotografische) Technik der Kamerabesitzer.

« Die Kamera bietet mir nicht genug Freistellungspotential bei Menschen und Portraits ». Euh … ja. « Freistellungspotential » … also auf gut deutsch : « bietet nicht genug Möglichkeiten, den Blick des späteren Betrachters auf das Hauptobjekt zu lenken. » Die Kamera ? Das meinen die ernst. Nee, die Kamera ist es nicht, es liegt am Bediener. Farbkontrast. Rote Klamotte bei ansonsten möglichst ähnlichen, gerne benachbarten, noch schicker konträren Farben. Zieht den Blick magisch. Was Blaues im beliebten Rapsacker ebenso. Greif dir einen Farbkreis. Colour wheel. Farbpalette.
Kleine Lichttasche in einem Durchgang an einer Wand in einem Eingang in einem Flur ? Park da Menschlein hin und lass das Gesicht ins Licht drehen. Magie. Belichte auf die Lichter und lass auch hinterher die berüchtigte Dynamik Dynamik bleiben und Schatten einfach auch mal Schatten. Das Helle zieht den Blick, wir können nicht anders. Greatest Area of Contrast. GAC. Hell Dunkel.
Gleichförmige Muster irgendwo ? Die Ziegelwand zum Beispiel, oder diese Glasfassade da. Kontrast der Formen. Kontrast der Texturen. Juxtaposition vielleicht auch noch. Wunderwerk.
Figure to ground. Such den Ausdruck, wenn es Neuland ist. Das ist echt simpel, beinahe billig, wenn es einmal kapiert ist.
Tiefe Augenhöhlen oder Gegenlicht ? Kümmere dich um Licht und diese Sache mit den Aufsteckblitzen. Diese spottgünstigen Reflektoren. Weisses Papier. T-Shirt. Irgendwas, das irgendwie reflektiert. Und bei den Aufsteckdingern vielleicht eine leicht orangene Folie. Bei bedecktem Himmel am Strand eine grüne. Wenn du weisst, wie diese Geschichte mit Weissabgleich funktioniert, kommst auch hinter diesen Trick. Also, den grünen.
Das ist alles fotografische Technik, nicht doofe Kamera. Auf wundersame Weise spielen die Sensorgrösse und die Modernität des Geräts für hopp oder top solcher Bilder keine Rolle. Keine. Vergiss es. Habe lieber ein gesteigertes Augenmerk auf den vermaledeiten Hintergrund, damit der nicht ablenkt und was versaut.
Die Flatterbiester und Waldbewohner sind immer schon weg, bevor du die 600mm-Tüte mit Booster oder Konverter zitterfrei in Anschlag gebracht hast ? Mangelnde Kenntnis der Biester und ihres Verhaltens und du zu laut zu hektisch zu bunt zu doll müffelnd. Nicht 30fps und hunderte Megapickel. Flattertier beim Flattern nicht auf den Punkt in der Schärfe ? Blende und den Schärfebereich voreinstellen. Nix Biesterverfolgerfokuszauberei. Wenn nötig, lerne, Entfernungen zu schätzen. Das geht. Und dieses sündteure Rohr, das hat doch hoffentlich einen Fokuslimiter, oder ?
Bei schnellem Sport immer den climax verpasst ? Fehlende Ahnung von der Sportart und wie sich so ein Höhepunkt im Vorfeld entwickelt und Blende und Schärfebereich von eben. Wenn du den mit 10fps nicht erwischst, dann auch eher nicht mit 30. Dann bist du schlicht zu langsam. Du, nicht die Hochtechnologie in deiner Hand. Ausserdem ist die Sicht auf das Geschehen aus dem zwölften Rang eh eher doof.
« Low light Qualitäten unter aller Kanone, ich hab das an diversen Modellen festgestellt ». Ich dachte ja immer, ISO-less-Technologie und so wäre relativ geil, so von wegen digitales Rauschen und EV fast nach Belieben schubsen und so. Bescheisst mich gar mein Rechner und dieser Monitor ? Oder war es vielleicht doch eher Stativ oder Mauer statt 127-Kringel um sich selber drehende Stabilisierung aus schwankender Position und ordentliche Kamerahaltung mit drei festen Punkten des Körpers statt ausgestreckter Arme und Blick fest auf dem hinteren LCD-Schirmchen, gepaart mit eher passender Belichtungszeit und ausreichender Blende statt auf Teufel komm raus niedrigster ISO ?

Solange sie Technologie über Technik stellen, werden die Hein Techs der Foren dieser Welt immer was finden, was besser sein könnte.
Hein wird immer über das jammern, was er alles dolles toll Irres nicht hat, statt einfach das, was er hat, in Gänze zu beherrschen und zu nutzen.

Und diese « Äquivalenz » ? Nun. Weisst du, es gibt einen Sucher. Für mich ist das der Bereich, innerhalb dessen das Bild zustandekommen soll. Völlig egal, ob dahinter Mittel- oder Kleinbildformat, APS-C, mft oder gar ein Telefon hängt. Nur das Geviert ist entscheidend. Figure-Ground-Relationship. Schnödes Wissen. Über die Umstände, warum ein Bild beim Betrachter ankommt, über Offenblendkasperkram und Drittel hinaus. Warte noch – auch beim Druck. Irre, was veranstaltet werden kann. Hier hängen Bilder in A1, deren Ausgangsmaterial kommt aus steinalten Telefonen, die vor sechseinhalb Jahren auf den Markt kamen. Das ist alles andere, als « schlecht », wie da Zweiglein aussehen, das ist irgendwie toll, was möglich war. Und es wird besser. Ausserdem ist das Bild in sich stimmig und anguckenswert, da braucht sich keiner an die Wand quälen und Zweiglein bestarren, weil es sonst nichts Beguckenswertes gibt.

Hein Tech will das alles nicht wahrhaben und – schlimmer noch : Der will das auch gar nicht wollen. Hein Tech ist eigentlich ein ganz armer Tropf, wahrscheinlich am Gear Acquisition Syndrome leidend. Das ist fast noch fieser als die aktuelle Seuche. Ignorier ihn und seine Lemminge, wenn dir Bilder wichtig sind.

The camera you use is just a tool: nothing more, nothing less. And we can guarantee that going out and buying the most expensive camera on the market will not improve your images.

Wirf dein Hirn an und ruf dein Wissen ab. Da geht mehr mit der ollen Knipse, als du dir vorstellen willst. Sollte dich das nächste Mal dieser Drang überkommen, jetzt für dütt un datt un be dingt eine neue Gerätschaft brauchen zu müssen, denk kurz darüber nach, ob die Mücken in Wissenserweiterung deutlich besser angelegt sein könnten.
Und bei der heissen Schnitte da vor der Kamera, da achtest du bitte auf den Mund. Auch der darf mit ins Repertoire der Posen aufgenomen werden. Dieses halboffene möchtegernlüsterne Sonstwas an weiten, leblosen Augen macht nämlich bestenfalls nur Bambi im Scheinwerferlicht, Momente vor dem Einschlag. Sonst nichts. Mit sinnvoller Schnut werden das auch Bilder von dem netten Wesen welches es ist, und das dir tatsächlich nichts getan hat, was es « rechtfertigt », in die Ecke mit den ausgerissenen centerfolds in Spindtüren geklatscht zu werden.
Ausserdem ist dieses rummsfrontale Licht in den seltensten Fällen wirksam. Macht keine Form. Wenn es wirkt, dann ist das bei mehr als Gesicht hart und mit Absicht und findet sich auch in anderen Bildern des Erschaffers wieder. Oder clamshell und du siehst die Reflexe klar und deutlich. Absicht hat was mit Denken und Wissen und Wollen zu tun. Ist alles Hein Techs Sache so nicht.

Ach so, Hein, nochwas : Du wirst nicht zum « Profi », wenn du dir für fünfstellige Summen Zeugs um den Hals hängst und da « verschwimmen » auch keine « Grenzen » zum Amateur. Profi bist du, wenn du mit dem Geraffel deinen Lebensunterhalt verdienst. Vollständig. Und selbst dann ist es dem Kunden vollkommen egal, womit du die Bilder lieferst. Solange die (deutlich) helfen, ihr Produkt an eine feinst ausklamüserte Käufergruppe und -schicht zu verkaufen und den Umsatz steigern. Die Werbefotowirtschaft, die kann da ein Lied von singen. Da ist nämlich seit ein paar Jahren ein gewaltiger Umbruch im Gange. Sogar Telefonknipser tummeln sich in nicht zu unterschätzender Zahl inzwischen in dem Metier.