le 08 février 2021

Da bist du nun voller Tatendrang und willst üben, üben, üben und stehst wie der Ochs vorm Berg, weil dir nichts einfällt ? Oder grübelst über einer Aufgabe ohne auch nur den Hauch einer Lösung ein Stückchen näher zu kommen ? Dann ist es die berühmte Inspiration, die in Blockadehaltung gegangen ist. Es gibt Wege aus dem Dilemma.

Put this robe on and come with me.

Ein paar Dinge vorweg, die müssen sein für das Verständnis, was hier gleich abgeht.
« Inspiration » ist dieses Ding, was wir auch als « Geistesblitz » kennen. Mit einem Male ist da eine Idee, wie aus dem Nichts. Allerdings ist die Inspiration, diese geniale Idee, nichts, was aus einem Moment entsteht. Sie ist das Ergebnis eines Reifeprozesses, der gerne ein paar Tage, wenn nicht Monate oder noch längere Zeiträume in Anspruch nehmen kann.
Ein « Denk naaach ! » hilft nicht weiter, weil unser Gehirn so nicht funktioniert. Da war noch was (sehr vereinfacht) mit linker und rechter Gehirnhälfte, mit analytischem und irrationalem, eher intuitivem Denken. Die kreativen Sachen spielen sich in der rechten Hirnhemisphäre ab und die lässt sich blöderweise nicht einfach an- und ausschalten, die liefert nichts auf Zuruf.

Ideen, die wir bekommen, kommen nicht « einfach so » aus dem Nichts. Hirnforscher und Psychologen verorten die Quelle kreativer Gedanken vor allem in unserem Erfahrungsschatz. Genannt wird das das « implizite Wissen ». Das sind all jene zufälligen, aufgeschnappten und wieder « vergessenen » Informationen, die wir mit uns herumschleppen. Das Ding da zwischen den Ohren ist im Wachzustand darauf gepolt, alles, aber auch wirklich alles um uns herum zu registrieren, aufzunehmen und zu speichern. Damit es keinen overkill gibt, lässt es nicht alles an die Oberfläche, aber es nimmt *alles* mit. Dieses *alles* ist mit ein Grund dafür, dass nicht nur ich immer und immer wieder predige, du sollst bei Bildern auf den verdammten Hintergrund achten, dass der aufgeräumt ist und die Sachen, die da so sind das Hauptmotiv unterstützen. Unterbewusst spüren wir die Disharmonien. Und red dich jetzt nicht mit « Solange ich mich mit diesem Wissen nicht belaste, ist es mir vollkommen latte. » raus. Beobachtet wurde das auch an Klein(st)kindern, wenn die sich mit einem Male an einer Sache festhängen, auf die es « uns » überhaupt nicht ankommt. Deshalb sind die Eltern unter uns gerne mal so nett überrascht, wenn uns Dinge gezeigt werden, die wir gar nicht mehr « sehen ». Lass es sacken, das Gebilde unter der Schädeldecke ist faszinierend verrückt.
Okay. So einiges an « eben flott so nebenbei mitgenommenen Sachen » lässt das Hirn in seiner Ruhephase wieder raus. Im Schlaf. Träume. Macht es, um sich selber zu sortieren. Braucht es auch. Je intensiver, desto « realer ». Und du wunderst dich manchmal morgens über diesen total durchgeknallten Traum ;) .

Um also dieses implizierte Wissen zu aktivieren und zu neuen Einsichten zu verknüpfen, muss man paradoxerweise gerade aufhören, zielgerichtet zu denken. Denn das bewusste Denken folgt meist nur bekannten, ausgetretenen Pfaden. Geistesblitze entstehen jedoch eher abseits der gewohnten Denkwege. « Die ausgetretenen Pfade verlassen » ist nicht nur ein Spruch.
Inspiration und die analytische Verknüpfung von Dingen zur Lösung eines Problems – das ist die berühmte « Kreativität », von der immer so viel gesprochen wird. Gut, Übung, Praxis und das damit verbundene Hieven der Sachen in nähere, leichter abrufbare Sphären spielt auch eine Rolle. Das macht dann, dass « schneller » reagiert werden kann. Zur Verblüffung der anderen.

« Inspiration comes and goes, creativity is the result of practice. »
– Phil COUSINEAU