14 décembre 2023

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portes industriels

Dieses Internet, ey … einerseits irgendwie grandios, andererseits die Pest mit diesen Algorithmen, die nur auf weichgespülten mainstream-Plunder aus sind. Die wirklich tollen Sachen, die kennt kaum noch wer, weil die kaum gefunden werden. Von echtem Wissen ganz zu schweigen. Geht stumpf unter wie RMS Titanic an so einem Eisdingen. Pedal through the metal und blubb. Im Hintergrund eine kotzende Möwe. 
Und natürlich Hein Tech. Ein steter Quell … 🥳

Form of Stupidity, Shape of an Idiot

Sony hat letzten Monat mit der A9 III ein neues Flagschiff vorgestellt. Vorgestellt, wohlgemerkt. In den Handel geht das frühestens um und bei Jahreswechsel. Mit global shutter eingebaut. Da drehen umgehend die ganzen ganz Wichtigen komplett frei … « ich hab eine Vorankündigung gelesen, ich bin Experte ! Fotografie wird sich für immer ändern ! » … Für 99,5% aller Fotografen da draussen wird eher alles so bleiben, wie es war. Sensor auf Schlag auslesen können, tolle Sache. 120 Bilder die Sekunde bei voller AF-Tätigkeit, Hammer für den, der davon profitieren kann. Braucht Hein Tech halt gar nicht mehr denken und reagieren über den berühmten ‘entscheidenden Moment’ (wäre eh ein Novum). Und 115, 16, 17 mal Tonne. (Und by the way : Wer will das freiwillig eigentlich alles sichten ? ) 1/80’000 kürzeste Verschlusszeit, wahrlich atemberaubend. ‘Insane’ weiss der Angelsachse. Mal drüber nachgedacht, was dafür an Licht notwendig ist ? Vom irren Blitzen wird geschwafelt. Genau. Abbrennzeiten ? Werden schlagartig ein Thema. Kein kleines. Vielleicht wagt sich einer der vielen Hersteller da mal ran, an solch Nischenprodukt. Und die, die da am lautesten irgendwas absondern, die haben von Licht keinen Schimmer. Keinen. Aber ein Datenblatt gelesen. Klar. Experte. In allem. Einfach nur nervig. Das Dingen ist ein Nischenprodukt für eine Handvoll Fotografen, deren täglich Brot echt schnelle Sachen sind. Für alle anderen einfach nur eine neue, teure Kamera, für die ‘normalen’ Aufgaben way over the top. Bestimmt ein tolles Gerät, habe ich keinen Zweifel dran. Ich seh schon die Köter von oben, kids von oben, Blømmekens in fiesem Licht, in der Luft stehende Vögel die Bildergaleeren füllen als Beweis, dass man nun endlich das Teil in Händen hat. Nichtssagendes Zeugs, teuer geballert. Und erst diese Arien, um den Kauf vor sich selbst auf Teufel komm raus zu rechtfertigen. Ging ja alles bis dato überhaupt nicht …

Birds in Flight - They Actually DO MOVE, Silly.
Birds in Flight – They Actually DO MOVE, Silly.

Auch so ein Thema : Regenschutz. Muss. Jedes. Ding. Haben. Ohne gehts nicht, kannst nichts mit veranstalten. Lustig ist nur, meiner einer ist immer sehr allein auf weiter Flur in solchem Wetter. Das bietet echt spannende Sachen. Gleiches bei Schnee. Ist es weiss, sind sie alle da und wichtig. Fängt das an, von oben nachzulegen, haste wieder deine Ruhe. Dabei erzählt das dann erst so richtig fein was von Winterwetter. Bizarre. Dreimal im Leben unterm Wasserfall ? Duschhaube drüber. 50 Cents. 
Und erst dieser in entzündeten Forenblasen schon beinahe pathologische Zwang, alles, aber auch wirklich jedes Bildchen durch einen Rauschverminderer zu jagen. Kauf dir mal eine ordentliche Kamera, die das von Haus aus schon einigermassen im Griff hat. Kolossal allerdings, wie fein sorgsam diese Entrauschalgorithmen inzwischen sind – falls man sie mal braucht. Aber *alles* da durch ? Und allüberall jaulen, Basis-ISO 250, das rauscht ja wie früher™ der Sendeschluss nach der Hymne um Mitternacht … Tock tock 🙄
Putzig irgendwie auch neulich der Spezi, der bei den Programmen bling bling und piepen und tröten zu brauchen scheint und nicht so eine steinzeitliche Nutzeroberfläche von 2020. Ey ! Die Dinger sollen funktionieren. Mit allem. Sofort. Ohne bling bling tröööt. Ohne den zahlenden Anwender als Versuchskarnickel zu missbrauchen ; wird ja auch irgendwie Mode. Weil jedes Jahr unbedingt eine neue Glitzerdingedong-Version in den Markt zu drücken ist. Hein Techtorfkopp a.k.a. ‘der Markt’ will das schliesslich so. Dieses neue Lr verweigert einen zweiten Bildschirm … Ernsthaft jetzt ? Und die Spezialisten, die meinen, ein Programm müsse alles können, Gesichtsretusche per Mausklick insbesondere. Weia. Lern dein Handwerk und beauftrag zum Termin einen make-up artist Doppelpunkt Sternchen innen (d) mit Fachwissen … Knöppe drücken und erwarten, dass es ‘perfekt’ wird ist jedenfalls der dümmste Ansatz, um vergeigten Kram auszumerzen. Echte Kenntnisse immer noch anstehend, geupgradedated zu werden, wa ? 

Moderne Sklavenhaltung

Das Kernproblem ist eigentlich weniger Fotografie als solche, sondern die derzeitige Hektikkultur. Schnell schnell, real-time, besser noch schneller. Hirn aus, Tastatu … BLING ! fertig. 😯 
Und es ist wohl so, dass Fotografie stärker von der regelmäßigen Verbesserung der Ausrüstung abhängig sein soll muss. Ist falsch, aber egal. Da preisen so irre viele ‘Fotografie’-Influencer schamlos Produkte an, als wäre das neueste Gerät irgendwie ein Wundermittel, das ihre Arbeit auf die nächste Stufe hebt. Los ! Spar dich reich ! Werfe da nur 6’999 Euronen hin und erhalte 10 Jahre fotografisches Training und Wissen zum Zauberkasten dazu. Das ! BRAUCHST ! Du !. Klassisches girlie-math, wie das heutzutage genannt wird.
Komisch allerdings : Ich kenne irgendwie so gar keine Autoren, die auf YouTube die Spezifikationen der neuesten Notizen-App runternudeln (aus der Bedienungsanleitung übernommen – oder dachtest du ernsthaft, da kommen Plaudereien aus dem Nähkasten ? Glaubst noch an den alten fetten weissen kinderbelästigenden Rüpel mit der roten Kutte, was ?). Gespickt mit screenshots ihrer Prosa, um umgehend daran zu erinnern, den « Gefällt mir »-Button zu drücken und unbedingt ihre Affiliate-Links in der Beschreibung zu verwenden. Und das preset für den Spannungsbogenaufbau zu kaufen.
Sind doch auch irgendwie ‘Kreative’, oder ? Bei der zeichnenden und malenden Zunft findet sich da auch keiner 🤔. Und das oberbekloppte ist, dass so mancher Fotograf, der was kann, also so richtig was kann, mehr und mehr auf diesen Technikplunder übergeht, weil das nach den Algorithmen halt gepusht wird wie doof und die Kasse wenigstens ein bisschen klingeln lässt. Kann man machen, ist aber ein blödes Geschäftsmodell : Selbstaufgabe. Ist zudem das ‘Geschäft’ von wem anders, der da aufdringlich nervend Werbung verhökert. Wenns rumpelig läuft kurz den Algorithmus geändert und das Content-Creatorle (also der Arbeitssklave für Werbemittelverteilung, Staubsauger und 124-bändige Lexika und ‘Ex-Fotografiker’) fängt wieder von vorne an. 
Filme, kurze wie lange, über ‘die Grossen’ und echt tolle Sachen, die musste suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Genau hingucken, die haben gerade mal eben dreistellig Aufrufe. In – drei Jahren. Erschreckend. Dabei finden sich da durchaus Juwelen, von denen sich ordentlich was an Wissen saugen lässt. Echtes Wissen, nicht das, was eh in der Bedienungsanleitung steht über « the most remarkable camera I’ve ever used ».

Mach Projekte. Fotografie ist etwas anderes, als ‘content’.

Die grösste Schwierigkeit für die Hobbymenschen scheint heute darin zu bestehen, einen Grund für das Fotografieren zu haben. Bilder, Leute. Bilder. Und Geschichten. Content ist keine Fotografie. Eigene Projekte, meist über einen längeren Zeitraum gemacht, dann gedruckt, *das* ist Fotografie. 
« Ich mache sehr selten zwei Bilder von einem Motiv » – tja. Knipsen in Reinkultur. Hier, so war das Wetter, mit dem und der war ich da und um Sechs gibt es Abendbrot. Keine Weiterentwicklung, wenn ein Ausloten der Möglichkeiten, die ein Motiv nun einmal bietet und die entdeckt werden möchten, einfach so liegengelassen werden. ‘Knipsen’ ist völlig in Ordnung, für das digitale Tagebuch, zur reinen Erinnerung, als berühmte Fingerübung, als was weiss ich. Das ist okay. Vor allem die Fingerübungen – den Mammutanteil von denen verberge ich vor dieser Welt – die (täglichen) Fingerübungen machen, dass ich vor fast keinem Motiv mehr zurückschrecke und mir einen Kopp machen muss, wie ich nun was wie veranstalte. Mit ein wenig Überlegung wird das werden. Weil ich Sachen wieder und wieder gemacht habe. Immer noch mache. Vor allem auch gerne mache. Hält die gesamte Fotomuskulatur auf Trab und fit. Motiv erforschen, soweit möglich. Gibt kaum eine Situation, die so kurz und so einzigartig ist, dass sie nur ein einziges Bild ‘erlaubt’. Und immer und immer wieder das treue Notizbuch, die genügsame Ideensammlung, der Platz für die kleinen Geschichten, die zu einer grösseren werden können, die Stichworte, aufgeschnappte Zitate, Textpassagen … 

Lustig sind ein paar Ereignisse aus der jüngsten Zeit. Ich hab ein Bild in meinen Story-Stream bei diesem Instakram geparkt, damit die mir wichtigen und lieben Menschen mitbekommen, dass es mich noch gibt. (Nutze ich auch nur noch dafür, alles andere geht mir am Allerwertesten vorbei … der Zuckerhaufen hasst mich. Das ’Sklavendasein’ von eben. Und adblocker sind eine der bedeutendsten Innovationen der letzten Dekade.) 

« Unglaublich. Wie machst Du das? Bei Dir weiß ich, dass das weder Zufall noch Photoshop ist. Kann das sein, dass Motive denken “da kommt Hauke, bitte alle Mann auf Position…. Jetzt hebt er die Kamera….. ACTION!” ? » 

« Kommen sehen, Kamera hoch, bäm. … » 

« Ja, es ist dieses ‘Kommen sehen’. Danke! » 

Da ist mir dann auch aufgegangen, wie sehr das olle kleine schwarze Ding mit seiner simpelsten Bedienung eine Verlängerung meines Hand-Auge-Apparates geworden ist. ‘Nachgedacht’ habe ich da kein Stück, das ‘hat sich alles so ergeben’. Auge war schneller, als Brägen und seine Analysen. Oder so ähnlich. Schon fein. Läuft, die Sache. Die kleene und icke, wa, eene Einheit.

Dann ein guter Kumpel während eines Telefonats : « Du, irre am Älterwerden ist ja, das man immer wieder nachlegt. Die likes bei mir werden weniger, die kommen mit den Bildern nicht mehr zurecht. Die verstehen das nicht mehr. Das ist denen zu hoch, zu abgedreht, was weiss ich … » Bingo. Am Ball bleiben, neugierig sein, rumspielen. Ich liebe es. Kaum aus dem mainstream raus und Zack ! Überfordert die Masse 😉 . Muss für die gefühlt ungefähr so sein, wie unvorbereitet aus dem Off eins vors Schienbein. Bumm. Grad eben stand ich doch noch ? Ja ja … 

There Is Nothing New Under the Sun.

Letzten Endes besteht der beste Weg, gute Arbeit zu produzieren, darin, eine Menge ‘miese’ Arbeit zu leisten. Ist so. Die berühmten ‘Fehlschüsse’, aus denen man so viel lernen kann. Braucht natürlich den Willen, sich damit auseinanderzusetzen nach allen Regeln der Kunst. Dazu braucht es Wissen um diese ‘Regeln der Kunst’, vulgo visueller Kommunikation. Kümmer dich. Sowas kennzeichnet einen Amateur – die Liebe und die Beschäftigung mit dem Metier. Bilder, nicht Gelöt. Menno. Der Geschichte der Fotografie. Die Meilensteine in dem Bereich, der dich interessiert. Den Hintergründen. Den Geschichten dazu, den Werdegängen der Macher. Dann kommt das Verständnis, warum wieso weshalb das ‘berühmtgewordene Bild’ so ist und auch nur so und ‘funktioniert’ und deshalb aus einem riesengrossen Haufen an die Öffentlichkeit gelassen wurde. Dieses Internet bietet eine kolossal tolle Menge an Stoff. Jenseits von Instagram, Fratzengeballerbuch, YouTube (Juwelen sind da, aber wie im echten Leben hart zu finden 😉 ). Fündig wirst du an anderen Stellen, denen, die sich ausserhalb des mainstream bewegen.

Diejenigen, die die Fotografie noch von vor diesem Internet für sich entdeckten, taten dies durch eine Vielzahl unterschiedlicher Quellen. Das Besondere bei denen war, dass sie Bilder durch die Bank in einem Kontext präsentierten. Zeitschriften und Magazine, Zeitung (die berühmten fetten Wochenendbeilagen), ein Buch, eine Anzeige, ein Museum oder eine Galerie. Wer auch immer jemanden mit einem bestimmten Fotografen oder Foto bekannt gemacht hat, tat dies, indem er deren Arbeit aus einem bestimmten Grund als existierend identifizierte. Etwas verkaufen, irgendwo oder jemanden dokumentieren, über eine Situation berichten oder eine Geschichte erzählen. Daher musste der Fotograf nicht nur die Fotografie als solche verstehen, sondern auch den Kontext, in dem seine Arbeit erscheinen könnte oder sollte. Der Weg zu diesem Verständnis bestand darin, zu untersuchen, wie andere mit ähnlichen Praktiken und Ansätzen und Vorgehensweisen erfolgreich waren.
Shocking news : Das ist immer noch so. Funktioniert halt mit quasi aus dem Zusammenhang gerupften Einzelbildern eher semi. Diese sogenannten ’sozialen Medien’ erleichtern heute (scheinbar) ganz erheblich das Teilen von Bildern. Kehrseite ist, dass ein falscher Eindruck davon vermittelt wird, wie die Welt der Fotografie ‘funktioniert’. Diese Plattformen machen das Verständnis verschiedener Kontexte, in und unter denen die Arbeiten entstanden sind, scheinbar überflüssig. Es taucht ja meist nur ein Bild zur Zeit auf. Dies hat zu einem ‘Aufstieg’ der Fotografie geführt, die nur in diesem Kontext existiert, und Fotografen, die nach Likes und Followern suchen und außerhalb der Algorithmen keine Sonne haben. Ist eigentlich ein Abstieg. Content. ‘Augenschmaus’ für den hektisch wischenden Betrachter. Themen, die leicht zu finden und kostenlos aufzuzeichnen sind. Kein Anlass, narrative Grundprinzipien verstehen oder gar anwenden zu müssen. Visuelles Analphabetentum.

Das gute alte Buch, ein Portfolio im Magazinstil, Hefte mit Essays – das klappt nach wie vor. Wenn du jetzt denkst, « das ist doch gewesen, das ist ein totes Pferd, das ist auf dem absteigenden Ast », dann liegst du falsch. Voll daneben. Die letzte ParisPhoto spricht Bände im wahrsten Sinne des Wortes. Da sind halt keine Techfredels, da sind kreative Menschen unterwegs. Und die produzieren verdammt schickes Zeug. Hammer 😃. Klassisches ‘Klinkenputzen’. Mund-zu-Mund Propaganda. Hat immer schon geklappt – der persönliche Kontakt so von Mensch zu Mensch in Fleisch und Blut statt Avatar. Weigert sich standhaft, auszusterben, die Methode. 

That's the Recipe for Me

‘Kreativ’ zu sein ist eine Abenteuerreise. Eine von der Art, die ein wie auch immer geartetes Ergebnis in weiten Teilen unvorhersehbar macht. Eine ‘Übung’ nicht nur in der Erforschung von Möglichkeiten der Sache als solcher, sondern auch in der Entdeckung von uns selbst. Da in jedem Bild immer auch etwas von uns ist, geht das sogar mit den Schnappschüssen aus dem Urlaub. Es ist dieses Abenteuer, das den Nervenkitzel auslöst, wenn man etwas erschafft, womit man nicht  gerechnet hat. Das bekommst du nicht, wenn du ein Malen-nach-Zahlen Bild fertig hast. Möglich, dass du ein anderes Gefühl aus dem Belohnungszentrum des Hirns verspürst, aber ‘entdecken’ (und damit verinnerlichen und abrufbar halten und als ‘Grundlage’ nehmen können) ist etwas anderes. « Ich frage mich, ob das überhaupt funktionieren wird » … 

 

Es ist pure Unsicherheit, die junge Fotografen dazu veranlasst, jeden zu fragen, welche Verschlusszeit, Blende oder welches Objektiv in einer bestimmten Situation ‘zu verwenden ist’, anstatt einfach zu machen und zu gucken, was passiert. « Was, wenn ich es falsch mache ? » ist die unausgesprochene, dahinterstehende Panikattacke. Die freundlichste Antwort ist : « Du wirst etwas lernen ». Ich meine, lerne es wirklich. Wir lernen, wenn wir etwas durch Ausprobieren herausfinden. Verknüpfungen im Hirn, Synapsen und so. Ist von jeher so. Unverändert. Das passiert nicht, wenn wer sagt 1/500, f1.4 (Blende sollte immer 1.4 sein ! Maximal 🤭 ) oder 85 mm verwenden. 50er ? Zu langweilig. Is klar. 35 ? Zu nah an 50. Bescheuert. Gib diese Linsen jemandem in die Hand, der weiss, was er tut, und du wirst dich nur noch verwundert am Kopf kratzen. « Der hat doch die gleichen Pixel wie ich … » Tja. It’s a kind of magic. Noch universeller geht eigentlich kaum. Spiele. Spielen macht schlau.

Diese panische Angst vor Unsicherheit ist der Grund, warum über das Fotografenhandwerk so viel unaufhaltsames Gefasel abgesondert wird. Es ist ja auch sooooo viel einfacher vorverdaut hingeworfen zu bekommen, welches das beste Landschaftsobjektiv ist. Alles, was du jetzt noch tun musst, ist, es zu kaufen (Affiliate links antickern nicht vergessen), an die Kamera zu flanschen und dann auf die Landschaft zu richten. Für viral uuunbedingt das superdupercrazygeile preset in teal’n’orange mit mächtig grünblau flaues schwarz kaufen (link in den shownotes).
Das Gleiche gilt für alle anderen Rezepte und Formeln. Kin der leicht. Dieses wichtig wichtige Exif-Gehampel. Das hat mich schon seit meinen eigenen Anfängen genervt. Kamera, Optik, Blende Verschlusszeit, Film. Ende. Kein Wort verloren über tatsächlich eingestellte Empfindlichkeit, Belichtungsverlängerung ob der Szenerie oder Filter, Entwicklung … Nada, niente, rien. Alle wirklich wesentlichen Infos mit keinem Wort erwähnt. Damit ist das, was da stand, nur fürs Ego oder den Sponsor und damit Tonne. Aber erzähl sowas Hein Tech und der wetzt mit stark schwellender arteria temporalis superficialis umgehend die Messer … 

Soll es ‘einfach’ sein ? Ist das tatsächlich das, was beim Fotografieren erstrebenswert sein soll ? Es ist jedenfalls ganz weit weg von dem, was ich will. Ich stehe total auf diesen flow, diesen Zustand der Kreativität, wenn die Zeit verfliegt und ich in Schwung komme und schicken Kram produziere. Zwanglos, ohne olympische Herausforderung. Herausforderung und Unsicherheit sind kein Problem, das gelöst werden muss. Ich stehe mir nicht selbst im Weg. Ich *bin* der Weg. Indem ich Sachen durchdenke. Durch Experimentieren. Indem ich ‘scheitere’ und es noch einmal versuche. Indem ich tatsächlich lerne,wie etwas gemacht werden kann und vor allem auch, wie ich das auf meine Art und für meinen Zweck tun kann.

Wie oft gelingt es eigentlich, ein richtig tolles Bild zu machen ?
Einmal im Jahr, vielleicht. Wenn man Glück hat. Der Rest ist ‘Routine’ auf hohem Niveau.

– Thomas HÖPKER

Den Prozess lieben.

Lerne es. Wenn du dich ‘Fotograf’ nennen willst, geh raus und mach Bilder Bilder Bilder. Aber nicht mit 120 fps blöde ballern, weil der Gerät das kann. Guck mit Absicht und mache Bilder mit Absicht. Viele werden gar fürchterlich sein. Probier aus, was bei der Sache rumkommt. Oder schiefgeht. Aber ich kann dir auf die Hand zusagen, dass dir irgendwann beim Durchsehen der Sessions / Kataloge ein oder zwei Fotos auffallen werden. Die werden deine Aufmerksamkeit erregen und vielleicht – eigentlich sehr wahrscheinlich – weisst du erst einmal gar nicht so recht, warum. Aber dieses ‘Ding’ – was auch immer es ist – wird dich dazu inspirieren, mehr zu tun. Und der Zyklus wiederholt sich. Ist bei (Drehbuch-)Autoren so. Bei Grafikern, Zeichnern, Malers. Guck deinen Haufen durch, umgib dich mit dem, was ‘funktioniert’ und dem, was halt voll in die Wicken ging. Du wirst feststellen, was lohnt, weiterverfolgt zu werden. Oder Dinge, bei denen der eingeschlagene Weg eine Sackgasse wird. Aber alles ist wichtig und Es. Gibt. Keine. Abkürzung. Das ist, warum sowas ‘kreativer Prozess’ genannt wird. « Gönn » dir *das* doch einfach mal Geht auch nicht so irre ans portemonnaie, wie ständig neues Blingbling.
Der Kreativität selbst sind Ergebnisse völlig schnurz – das Einzige, wonach die sich sehnt, ist der Prozess. Lerne, den Prozess zu lieben und geschehen zu lassen, was auch immer als nächstes passiert, ohne sich zu viele Gedanken darüber zu machen. Arbeite wie ein Mönch, ein Maultier oder eine andere Metapher für ‘Fleiß’. Liebe die Arbeit. Das, was wir ‘Schicksal’ nennen wird sowieso mit dir machen, was es will. Punkt. Das mit schnieken Ergebnissen fällt dabei mit ab. Ohne Prozess kein Ergebnis. C’est ça !

Der ganze technische Schnickschnack, alles fein. Kauf Dir das Ding, wenn es denn sein soll und freu dich drüber. Aber lass das nach, so zu tun, als hätte man bis gestern keine Bilder machen können. Das ist albern. Nee. Albern ist falsch, das ist einfach dumm. Das Wundermittel, das bist Du. Ganz allein Du. Der Kasten hält das nur fest. Mach was draus. 
Ach ja, weil Hein sich ja so einlullen lässt, kommst an richtig gutes Werkzeug – kürzlich bin ich über ein Angebot gestolpert : Nikon D800, knapp über 40’000 Auslösungen plus bisschen Kabel- und Akkukram, Lader, Nikkor 24-140 f4 für alles zusammen 350 Ocken. Das ist hinterhergeschmissen. Ich hab ganz kurz gezuckt. Aber was soll ich mit noch einer ?



“O woe, alas” quoth he in a voice that can strip paint, “I think it’s our patriotic duty to bring this bottle down, don’t ya ?”




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