publié le 15 fĂ©vrier 2019

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Wir alle lieben Geschichten – sie sind das Medium, wie wir uns selber die Welt erklĂ€ren. Sie sind das Medium uns selbst gegenĂŒber uns selbst zu erklĂ€ren. Sie sind das Medium, welches wir ĂŒblicherweise nutzen, unserem Leben Inhalt zu geben. FĂŒhle. Stimuliere. TrĂ€ume.

Einen disclaimer vorweg : Wenn dir im nachfolgenden Text Sachen unklar sind oder du weitere ErklÀrungen möchtest, wirf die Suchmaschine des Vertrauens an und arbeite mit den Ergebnissen weiter. Ich gebe dir « lediglich » einen kurzen Leitfaden an die Hand, damit gewisse Grundlagen geschaffen werden, die im Hinterkopf vorhanden sein sollten. Ist okay, oder ?

Der Unterschied zur Fotografie

Wenn wir eine Fotografie betrachten, dann basteln wir uns selbst eine Geschichte zurecht, die zu diesem Bild passt bzw. passen könnte. Als Betrachter, völlig unabhĂ€ngig davon, was im Bildermacher im Zeitpunkt des Drucks auf den Auslöser vorging, oder was ihn beim Schieben an den Reglern nachher dazu bewogen hat. Wir basteln fĂŒr uns etwas zusammen. Wir haben auch alle Zeit dieser Welt dazu. Eintauchen, trĂ€umen, weiterspinnen. Wir geben dem Bild damit eine Bedeutung. Unsere eigene.

Das ist bei bewegten Bildern vulgo Film nicht der Fall. Bei Film wird dem Betrachter nicht ein bisschen Zeit gegeben, zu reflektieren und sich selbst etwas zurechtzuspinnen. Der Filmemacher zwingt den Betrachter in die Richtung, die er – der Filmemacher – will. Das macht er ĂŒber storytelling.

Der Betrachter guckt dann nach der Bedeutung durch das storytelling und entscheidet, ob er es « mag » oder auch nicht. Ob er sich fesseln und mitreissen lĂ€sst. Sich bewegende Bilder zwingen dich, auf die Handlung zu achten. Du schenkst dem, was passiert, deine Aufmerksamkeit. Denn die verrinnende Zeit zwingt dich dazu, du hast keine Gelegenheit, grossartig ĂŒber dieses eine Bild da jetzt gerade eben gewesen nachzudenken. Deine Aufmerksamkeit geht auf den zeitlichen Ablauf.

Als Filmemacher solltest du das unter Kontrolle haben, um eine Geschichte zu erzÀhlen. Mit allen Mitteln der Kunst, sonst schaltet dein Betrachter ab. Im wahrsten Sinne des Wortes. Im besten Fall findet er das Machwerk langweilig.

Die Folgen ?

Informationen ohne Geschichte haben keine Bedeutung fĂŒr den Betrachter, bzw. keine untergeordnete Bedeutung. Storytelling soll dem Betrachter helfen, sich mit dem Inhalt zu identifizieren, mitzugehen, sich einzufĂŒhlen, mitgenommen zu werden. Der Zuschauer erwartet die nĂ€chste Einstellung, einen Fortgang und nicht das Ende der Geschichte.

Das wird erreicht, in dem stĂ€ndig ein Zweck mit einem Bild, einer Einstellung gezeigt wird (meist unterbewusst), welches gerade aufflimmert. Im Grunde ist es eine Kollaboration zwischen Filmemacher und Zuschauer. Die Rolle des Zuschauers ist dabei, die Geschichte fĂŒr sich zusammenzustellen und sie zu verstehen. Die Rolle des Filmemachers ist, dem Zuschauer die entsprechenden HĂ€ppchen in einer sinnvollen Reihenfolge zu prĂ€sentieren, damit seine – des Filmemachers – Absicht schlĂŒssig wird. Der Zuschauer soll nicht (zumindest nicht sofort) seine eigenen SchlĂŒsse ob des Fortgangs ziehen können. Storytelling ist wie eine Verbindung von vielen Punkten zu einem Gesamtbild. Diese Punkte können in dieser oder einer anderen Art und Weise miteinander verbunden werden, je nach Absicht des Filmemachers.

Struktur einer Geschichte

Show, don’t tell

Menschen haben Wissen und Erfahrung und sind vor allem dazu in der Lage, daraus und aus dem im Film gesehenen, gezeigten Bildern, die « richtigen » SchlĂŒsse zu ziehen. UnterschĂ€tze das nicht. Dieses ist nĂ€mlich mit ein Grund, warum exzessiver Offenblendeinsatz (HIER ! Nimm dies ! DA sollst du hingucken !) wie in der Fotografie grassierend bei Film ein « faux pas » ist. Der Zuschauer bekommt es in der Tat ganz alleine auf die Reihe, einem Handlungsstrang zu folgen. Da braucht es keinen Holzhammer, sonst fĂŒhlt der sich – vollkommen zu recht – verkaspert und fĂŒr doof gehalten und ist genervt. Arbeite lieber mit Ton. Ton trĂ€gt einen Film. Arbeite mit einer sauberen Abfolge von Bildern, die den Zuschauer die SchlĂŒsse ziehen lassen, die du von ihm gezogen haben willst. FĂŒhre CharaktĂ€re anstĂ€ndig in die Handlung ein. Er wird ihnen folgen. Er kann nicht anders. Mach Bilder und sabbel nicht 😉

Die Grundstruktur einer ordentlich dargereichten Geschichte sieht – vereinfacht – in etwa so aus:

Der Einstieg

Das ist der Part, in dem du als Filmemacher den Zuschauer angelst. Hier werden die Örtlichkeit, die handelnden Personen, dein Grundkonzept, möglichst auch ein Style etabliert. Der Einstieg begrĂŒndet den « Ton », die « Richtung », das Genre fĂŒr den gesamten Rest des Films. Ist also nicht ganz ohne und braucht eine Menge Hirnschmalz. Deine BeweggrĂŒnde brauchst du hier allerdings noch nicht offenlegen. Das kommt gleich.

Der Mittelteil

Im Mittelteil sollen deine BeweggrĂŒnde fĂŒr den Film zutage treten. Und das bitte auch einigermassen zĂŒgig, sonst springt dir der Zuschauer wieder ab. Komm auf deinen Punkt.

Der Höhepunkt / Climax

Die ganze Geschichte steuert auf diesen Punkt hin. Der Höhepunkt. Ohne diesen ist die ganze Arbeit vergebens. Es gibt keinen Grund fĂŒr das Werk. Entscheidend wird werden, wie das vorbereitet wird.

Das Ende

Die Probleme sind erklÀrt und mehr oder weniger gelöst, ein Gleichgewicht hergestellt und der Zuschauer irgendwie zufrieden.

ErzÀhltechniken

> Die PrÀsentation ist alles. Unterhalte. Mach es interessant >

Klingt einfach, ist es aber nicht. FĂŒnf « Grundeinheiten » der Darreichung : Linear / RĂŒckwĂ€rts / AnfĂŒttern / Geschichte in der Geschichte / inner cutting. FĂŒr das letzte habe ich leider keine direkte Übersetzung 
 Alles kann und darf mit- und untereinander gemixt werden; achte halt darauf, dass es nicht zu kompliziert wird und deine Zuschauerschaft ĂŒberfordert. Dann schalten die nĂ€mlich ebenfalls einfach ab. Im Kern geht es weniger darum, was eigentlich passiert, sondern vielmehr darum, wie du deine Geschichte erzĂ€hlst.

Linear

Simpel – Von Anfang bis Ende passiert es genau so. In zeitlich korrekter Reihenfolge. Es liegt irgendwie auf der Hand, so vorzugehen. Du kannst ein wenig mit der « Ausdehnung » der Zeit spielen. FĂŒr den Zuschauer ist es sehr einfach, dem Faden zu folgen. Nur ist die RealitĂ€t manchmal einfach nicht soooo toll

RĂŒckwĂ€rts

Du fÀngst quasi mit dem Ende an und arbeitest dich im Verlauf an den Anfang vor.

Dein Filmanfang sollte das Ende vorwegnehmen und du weckst Interesse beim Zuschauer, indem du ihn heiss darauf machst, kennenlernen zu wollen, sie es « dazu » kommen konnte, gekommen ist. Wird gerne dann eingesetzt, wenn eben « dieser Weg zum Ende » Inhalt der Geschichte ist.

AnfĂŒttern

Zu Beginn des Films wird direkt der « Höhepunkt » prĂ€sentiert. Bzw. kurz vor dem eigentlich Höhepunkt wird mit einem Cut jĂ€h unterbrochen, damit nicht gleich alles sofort sonnenklar ist. Ein bisschen Spannung muss sein 😉 . Dann ackerst du dich von Anfang an bis zu diesem Cut durch und lĂ€sst es so richtig krachen. Wird gerne in Fernsehfilmen angewendet. Das Opfer liegt tot irgendwo rum. Und nun will der Zuschauer wissen, wie es dazu gekommen ist und wer warum der Killer ist und was mit dem weiter passiert. Bau starke GefĂŒhle auf, dann zittern und schnattern die mit.

Geschichte in der Geschichte – sub story

Die sub story dient nur als Vehikel die eigentliche, in der sub story eingewickelte Geschichte von A nach B zu befördern. Das erlaubt dir in deinem Film auf Zeitreisen zu gehen, ohne die auch nur im Ansatz begrĂŒnden zu mĂŒssen. Ist halt so. Und das wird auch ohne Nachfrage so akzeptiert. Grossartig, um Zeit richtig einzudampfen.

inner cutting

Beim inner cutting finden mehrere HandlungsstrĂ€nge quasi gleichzeitig statt. Du kannst munter zwischen diesen einzelnen Geschichten hin- und herspringen, RĂŒckblenden und Zukunft einbauen, aber sie sollten ALLE auf ein- und denselben Höhepunkt hinsteuern. Das ist die Schwierigkeit dabei. Diese Technik ist hervorragend geeignet, jede Menge Material aus der B-roll unterzubringen und noch viel mehr zu erzĂ€hlen, als es reine A-roll in diesem Fall kann (zu A- und B-roll erzĂ€hle ich weiter unten noch was).

Der Werdegang eines Films

Du hast eine – meistens vage – Idee im Kopf, die ein Film werden könnte sollte muss. Das ist toll. Zeit, dieses in eine Struktur zu bringen, damit das hinterher auch etwas ordentliches wird und nicht nur eine weitere belanglose Aneinanderreihung bewegter Bilder zu gruseliger Musik 😉 . Im professionellen Gewerbe gibt es ein paar Strukturen und Wege, die auch dem Hobbymenschen guttun, sich daran langzuhangeln. Du musst es keineswegs sklavisch befolgen, du kannst auch Schritte auslassen. Nach meiner Erfahrung ist es allerdings Gold wert, solche Dinge zu beherzigen. Man vergisst einfach weniger und hat ein GerĂŒst, an dem man sich orientieren kann.

Das Exposé

Das Exposé ist der Ausgangspunkt jeder Produktion. Es handelt sich dabei um eine ganz grobe PrÀsentation des Vorhabens, einen Abriss der Geschichte / Dokumentation / Drama / etc., was eigentlich so der Plan ist. Ganz kurz, eine DIN A4-Seite maximal. Skizziere dein Vorhaben, das, was du erzÀhlen willst, welche Probleme du ggfls. darstellen willst, wie deine Meinung dazu ist, was dir als Lösung vorschweben könnte.

Das Treatment

Der nĂ€chste Schritt ist das Treatment. Hier tauchen Personen, HandlungsstrĂ€nge, Orte ebenso auf, wie Schlagworte, um die sich der Film drehen soll. Das kannst du ruhig als Geschichte niederschreiben. Prosa. Quasi wie einen Schulaufsatz. Habe das oben geschriebene im Hinterkopf : Beginn / Mittelteil / Climax / Ende. Es dient dazu, das grobe Sammelsurium des ExposĂ© zu ordnen und zu gliedern. Die Grundstruktur des Filmes erkennbar machen. Wenn Personen auftauchen, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, denen einen bestimmten Charakter mit auf den Weg zu geben. Willst Du Richtung Dokumentation / Reisebericht, dann fĂ€ngst du hier an, eine Reihenfolge zu basteln, wie es interessant gestaltet werden kann. Beschreibe erste Details. Beschreibe in Adjektiven und Verben. Es sollen im Kopf erste Bilder entstehen, die sich im Hirn festsetzen. Denke an deine Zuschauerschaft – fĂŒr die schreibst du das. Im professoniellen Leben sind das so zwei Seiten Din A4.

Das Drehbuch

Willst du was kinomĂ€ssiges / Fiktion machen, dann kommt jetzt das Drehbuch. Ich lasse mich an dieser Stelle nicht ausfĂŒhrlicher dazu aus, weil es den Rahmen sprengen wĂŒrde. Pardon 😉 Drinnen / Draussen / Tag / Nacht / Charakter / Dialog / Props 
 all diese Sachen tauchen darin auf. Die Suchmaschine der Wahl hilft weiter. Tip fĂŒr lau : es gibt hervorragende Programme, die standardisierte Dinge beim Schreiben beherrschen. Das erste ist Zeilenabstand und die Schriftart – pottenhĂ€sslich Courier in 12pt. Das ist sinnvoll, denn es fĂŒllt eine DIN A4-Seite mit ziemlich genau einer Minute Film. Ist so. Ebenso Grossbuchstaben fĂŒr die Szenenbeschreibung und die auftauchenden Charakter. Eine Wissenschaft fĂŒr sich.

Das Script fĂŒr eine Doku

Hier geht die richtige Arbeit los. Gut, noch ist es kein script, eher eine Zettel- und Notizensammlung.

Vorarbeiten

Zuerst steht die Recherche. Hoch und runter und dann noch einmal. Das ist mit die wichtigste Station auf dem Weg zu einem hĂŒbschen Film. Klaube Dir alles, was dir in die Finger kommt, zusammen. Mache dir eine Liste ĂŒber Orte. SehenswĂŒrdigkeiten ? Irgendwelche Sachen, die nicht auf jeder Postkarte zu sehen sind ? MĂ€rkte, UmzĂŒge, sonstige FestivitĂ€ten, die in den Zeitraume deines Besuches fallen 
 Vergiss nicht, dass zB fĂŒr einen Reisebericht die Reise bei dir zuhause losgeht. Nimm Bilder vom Flughafen / Bahnhof / Stau mit. Wer weiss, wozu die nachher noch sinnvoll sind. Stichwort B-Roll 😉

Personen(gruppen), die du vielleicht interviewen möchtest ? Was soll deine grundlegende storyline sein ? Was könnte den Zuschauer interessieren ? Also auch den, der nicht live und in Farbe mit dabeigewesen ist, nachher ? Wie willst du das visuell darstellen ? (ErzĂ€hltechniken mit der Kamera) Guck auch noch einmal nach oben zu den Techniken. Linear, parallel, durcheinander und so 
 Mach dir die entsprechenden Notizen. Es hilft deinem Gehirn, das ganze Zeug zu strukturieren.

Was willst du akustisch mitnehmen ? O-Töne sind das Salz in der Suppe und schaffen AtmosphĂ€re ohne Ende. Schreib dir solche Sachen auf. Lautsprecherdurchsagen. Stimmengewirr in der Stadt und in den öffentlichen Verkehrsmitteln. VogelgeplĂ€rre auf dem Land. Wind. WellengeplĂ€tscher. Einfach nur Stille. Der mitteilungsbedĂŒrftige Taximensch. (Das Smartphone ist dein Freund. Gibt wunderbare Apps dafĂŒr, Stichwort voice recording. Werbung bei den kostenlosen nervt schlagartig auch nicht mehr, wenn das Ding vor der Aufnahme in den Flugmodus geht 😉 ) Du wirst es bereuen, wenn du « Kleinkram » nachher nicht hast. Nicht fragen, woher 
 Mach dir Marker in ReisefĂŒhrern, was du spĂ€ter einfach als voice-over vorlesen kannst, vielleicht. Oder copy – paste aus diesem Internet in einen Ordner auf dem Rechner. Oder lasse es von jemandem « vertonen », der eine schicke Stimme hat und vorlesen kann. Nicht monoton, sondern mit « GefĂŒhl » in der Stimme. Ist geil. Echt.

ErzĂ€hltechniken mit der Kamera – Einstellungsgrössen und shotlist

Eigentlich gehört dieser Teil irgendwie zur Weiterentwicklung des Drehbuchs. Wenn ich das nÀmlich habe, greife ich mir daraus jede noch so kleine Information und erstelle daraus meine shotlist.

Sequenzen oder : in Szenen aufdröseln

Einer der grössten Unterschiede in der Denkweise zwischen Fotografen und Filmemachern ist die Sequenz. Das ist wirklich, wirklich wichtig. Denn hier passiert es, dass auch « schnöde » Handlungen oder AblĂ€ufe fĂŒr den Zuschauer interessant, wenn nicht sogar spannend werden. Als Beispiel : Jemand kommt zur TĂŒr herein. Als Fotograf zeige ich, wie jemand vielleicht in einer halboffenen TĂŒr steht oder die TĂŒr ist offen und der Mensch im Rahmen oder macht einen Schritt in den Raum. Fertig. Der Begucker reimt sich ganz von alleine den Rest zusammen.

Vollkommen anders im Film. Als erstes fĂŒhre ich den Protagonisten in den Film ein (das ist der sogenannte establishing shot) und zeige ihn entweder ganz oder zumindest Oberkörper von vorn, Gesicht zur Kamera. Dann vielleicht ĂŒber seine Schulter, Kopf leicht im Anschnitt, wie er sich auf die TĂŒr zubewegt. Wenn ich mehr Auswahl fĂŒr das Editing haben will, mache ich eine SchĂ€rfeverlagerung (Fachausdruck rack focus) von SchĂ€del rĂŒckseitig im Anschnitt scharf und dann auf die TĂŒr in scharf. Setzt voraus, dass irgendwas passieren wird oder wichtig werden wird. Sonst lasse ich den SchĂ€del in der UnschĂ€rfe und zeige nur die TĂŒr. Der Zuschauer « weiss » dann schon, was gleich passieren wird. In der nĂ€chsten Einstellung in etwas grösser und nĂ€her dran geht die Hand auf die Klinke und drĂŒckt die runter. Dann macht er sie auf und geht rein. Weitere Einstellung aus dem Inneren des Raumes. Man sieht die geschlossene TĂŒr. Sollte da drinnen ein Treffen stattfinden, zeige ich einen weiteren Darsteller. Bei dem ĂŒber die Schulter guckt die Kamera Richtung TĂŒr. DrĂŒcker geht runter. Nachher im Schnitt jetzt die Hand von Nummer eins, draussen. Wieder von drinnen geht die TĂŒr auf und der Typ kommt rein. Merkst du was ? Bekommt keiner mit, ist aber ein « natĂŒrlicher » Ablauf, halt nur mit deutlich Aufwand. Es fehlen auch noch ein paar Sachen, das tut jetzt aber nichts zur Sache. Diese Ansammlung von einzelnen kurzen Szenen wird beim Storytelling eine « Sequenz ». Greif dir einen x-beliebigen Film und drösel einfach mal solche Standarddinger auseinander, wieviele Einstellungen das so sind. FĂŒr deine eigenen Projekte – lass deiner Phantasie freien Lauf. Je mehr du nachher hast, desto mehr Möglichkeiten stehen dir im editing offen, beim Betrachter Stimmungen und GefĂŒhle zu erzeugen. So könnte man beispielsweise hier noch close auf die jeweiligen Augen gehen. Drama.

Beim Aufheben von Sachen genau das gleiche. Mehrere Einstellungen also Szenen, Sequenz. Das macht die Sache interessant. Nur damit wird das « cinematisch ». Nicht durch ein drĂŒbergebĂŒgeltes LUT.

Im Filmsprech : establishing shots fĂŒhren einen Charakter ein, einen Ort ein und sind sehr hĂ€ufig als long shot (weitwinkelig, wegen der Übersicht) angelegt. Dem Zuschauer wird damit das « hier sind wir » gezeigt.

Dann folgt gerne ein medium shot. Der sagt « das ist jetzt von Bedeutung », auf diesen ein close up mit der Botschaft an den Zuschauer « FĂŒhle. Es. Hier. ». Geht gerne auf eine Emotion oder den Ausdruck eines Moments. Wird lĂ€nger geredet (z.B. bei Interviews), werden bedeutsamere Punkte herausgepickt und mit B-roll-Material aufgefĂŒllt. Tante Google weiss auch was zur 5-shot technique / BBC 5 shot pattern.

« Gut » wird sowas, wenn die Kamera dabei einfach mal ruhig ist. Also *keine* pans, zooms, moves, solange die nicht unbedingt erforderlich sind, das Geschehen weiterbringen. Denk da lieber dreimal drĂŒber nach. Der Zuschauer wird es danken.

B-roll

B-roll (wird im editing auch als insert shot bezeichnet) ist Bildmaterial, das zum FĂŒllen dient. SehenswĂŒrdigkeiten, in Interviews erwĂ€hnte besondere Vorkommnisse und Ereignisse, oder einfach Sonnenauf- und -untergĂ€nge, Blicke in die Weite. Wir nennen die auch « Augenschmeichler ». Dienen der Auflockerung, wenn Szenen / Bilder / Situationen einfach zu lange dauern, um sie dem Zuschauer am StĂŒck in epischer LĂ€nge zumuten zu können. Achte aber immer darauf, dass die ausschliesslich zum Zwecke der kurzweiligen Unterbrechung eingesetzt werden. Youtube ist ausreichend voll mit Schrott, der eigentlich nur aus b-roll-Material besteht, weil ansonsten einfach so gar keine ordentlich Aussage irgendwo festgestellt werden kann. B-roll bedeutet, dass du einfach mitnimmst, was dir ĂŒber den Weg lĂ€uft, auch wenn es nicht in deinem Hauptscript steht. Wer weiss, wozu es brauchbar werden kann. Bei richtig ernsten Produktionen machen wir uns ĂŒber b-roll richtig einen Kopf und schicken dafĂŒr ein eigenes Team los.

Einstellungsgrössen

Ich halte mich hier jetzt nicht grossartig auf und werfe dir einfach Stichworte und FachausdrĂŒcke vor die FĂŒsse. Das Internet weiss das mit weiteren Inhalten zu fĂŒllen, unter anderem, welche psychologischen Wirkungen was hat. Wichtig. Pfeif dir das rein. Dann wird dir hoffentlich auch ein Licht aufgehen, dass Offenblende bis zum Exzess vollkommen bekloppt ist, weil damit nĂ€mlich die innere Zerissenheit oder ZurĂŒckgezogenheit eines Protagonisten ausgedrĂŒckt wird, der vom Rest der (Um-)Welt vergessen oder verlassen und beabsichtigt zurĂŒckgezogen ist. Und wer es ohne Nachdenken zeigt, will Aufmerksamkeit. Wird aber nichts, weil der blockbuster einfach nur fĂŒr die Tonne ist.

Optikgeschichten, Brennweiten

  • Close ups (recht nah bis richtig nah dran – starke Emotion)
  • close up (CU)
  • medium close up (MCU)
  • extreme close up (ECU)
  • wide close up (WCU)
  • Medium shots (« normaler » Bildwinkel, ĂŒber den Daumen 35-85mm Kleinbild entsprechend)
  • medium shot (MS)
  • close shot (CS)
  • medium close shot (MCS)
  • Long shots (« wide shot », die weitwinkeligen)
  • wide shot (WS)
  • extreme wide shot (EWS) – Tarantino « The Hateful Eight », die Außenaufnahmen mit der Kutsche von rechts nach links. Hammer. Wirkt richtig, richtig schick auch nur auf der richtig grossen Leinwand. Und die Szenen in der HĂŒtte werden so fies beklemmend.
  • full shot (FS)
  • medium full shot (MFS)

Kamerahöhe

  • eye level – auf Augenhöhe
  • low angle – untersichtig, bis etwa Kinn, um eine Einordnung zu haben. Gehst Du noch weiter runter, zeigst du damit die Überlegenheit des Charakters. Citizen Kane spielt ohne Ende damit.
  • high angle – aufsichtig
  • overhead – von oben runter. Unter die Decke gehĂ€ngt ĂŒber den Tisch, quasi. Geht auch als bird’s view weg.
  • shoulder level – die klassischen over the shoulder shots
  • hip level – HĂŒfthöhe
  • knee level – aus der Sicht eines ZweijĂ€hrigen 😉
  • ground level – Kamera (fast) auf dem Boden

Dutch angle

Kamera leicht nach rechts oder links gekippt. Macht eigentlich nur Sinn, wenn dem Protagonisten eine Sache komisch vorkommt und seine bisherige (Erkenntnis-) Welt leicht aus den Fugen gerĂ€t. Paradebeispiel Mission Impossible I, Prag, die Szenen in diesem Restaurant mit dem Riesenaquarium, als Tom Cruise erfĂ€hrt, dass er gelinkt wurde 


Framing

  • single shot – eine Person im Bild
  • two shot – zwei Personen im Bild
  • three shot – rate mal 😉
  • over the shoulder – ĂŒber die Schulter eines Darstellers. Klassisch bei Interviewsituationen / GesprĂ€chen / Diskussionen unter Einhaltung der -> 180°-Regel. Beim Zuhörer ĂŒber die Schulter, Kopf leicht im Anschnitt, SchĂ€rfe auf dem GegenĂŒber.
  • over the hip – wie eben, aber HĂŒfthöhe. Gerne genommen bei Duellen und sonstigen Schiesseisengeschichten.
  • point of view – die Kamera nimmt den Kopf eines der Protagonisten ein und erzĂ€hlt es aus dessen Sichtfeld.

focus / depth of field

  • rack focus – SchĂ€rfeverlagerung von Vorder- nach Hintergrund und andersherum. Spart eine weitere Einstellung. Beispiel Marktgeschehen – du machst auf die Obstauslage im Vordergrund scharf, lĂ€sst das ein wenig stehen und verlagerst dann die SchĂ€rfe auf den Menschen hinter der Auslage. Wirkt, wenn eine Beziehung zwischen beiden Dingen hergestellt werden soll.
  • shallow focus – sehr offene Blende. Ungewissheit / Alleingelassensein / ganz bei sich sein. Hatte ich mich eben schon zu ausgelassen.
  • deep focus – von vorne bis hinten scharf
  • tilt-shift – bekannt aus der Fotografie und den Spielzeugwelten. Spar dir die Tausende von Euronen fĂŒr die Optik und baue es tatsĂ€chlich mit Masken und UnschĂ€rfeverlĂ€ufen in der post. Eine der wenigen Sachen, die hinterher gemacht werden können, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Markiere dir das irgendwie im Dateinamen oder in einer Liste oder wie auch immer, damit das nicht in Vergessenheit gerĂ€t. Kommt ohnehin nur selten vor.
  • zoom – jo. Wie der Name sagt. Wirkt, wenn dem Protagonisten ein Blitzgedanke kommt, der sehr sehr wichtig ist und ihn stark bewegt. Gilt auch fĂŒr den Vertigo shot.

Kamerabewegungen – camera movement

  • static – still und in der Regel vom Stativ.
  • Pan – vulgo Schwenk nach rechts oder links. FĂŒhre die gemĂ€chlich aus, sonst sieht das hinterher aus, als wĂ€rest du auf der Flucht. Auf jeden Fall ĂŒben, bis sich das GefĂŒhl fĂŒr die passende Geschwindigkeit einstellt bei dir.
  • Tilt – Schwenk nach oben oder unten
  • Swish pan – (sehr) schneller Schwenk
  • Tracking – das Hauptobjekt wird mit laufender Kamera verfolgt. Paradebeispiele : Atonement und Saving Private Ryan – jeweils die Szenen an den StrĂ€nden. Oder Baby Driver. Je nach Stimmungslage des Akteurs mit Gimbal oder Steadicam. Ist der total mies drauf und gehetzt, geht auch hand held.

Nur fĂŒr die VollstĂ€ndigkeit gibt es noch Anweisungen fĂŒr camera direction : forward, backward, left, right, up und down. Weiter fĂŒr mechanism, sticks (Stativ), hand held (mach da bloss nicht zuviel Gebrauch von – das zeigt die Unsicherheit / Gehetztheit des Protagonisten. Paradebeispiel At Eternity’s Gate. Ist ein recht junges Werk ĂŒber van Gogh. Im ganzen Film gibt es original ZWEI Einstellungen, die mit einem Kran gemacht sind, der komplette Rest der anderthalb Stunden ist aus der Hand gewackelt. Hammeranstrengend zu gucken. Aber van Gogh war auch innerlich total hin- und hergerissen.

Weiter geht es mit gimbal, slider, jib (das ist ein kleiner Ausleger), crane (richtig grosser Ausleger), drone, dolly und steadicam. Dolly geht in der Regel einher mit tracks. Straight und curved. Geradeaus und um die Kurve.

Das ist eine Menge Holz, oder ? Die Klaviatur des visuellen storytelling. Nutze es. Sinnvoll. Bei Film ist es so, dass jede Einstellung, jeder Winkel eine Bedeutung hat, wenn es richtig hart kommt. Du kannst so dermassen schön mit deinen Zuschauern spielen, ohne dass die ĂŒberhaupt mitbekommen, was da eigentlich mit ihnen passiert. Aber du musst dich auf den Kram einlassen wollen und – wie auch in der Fotografie – immer und immer wieder ĂŒben und machen und noch einmal machen. Es macht dich nur besser. Versprochen. 😉

Nach den Dreharbeiten

Nach dem Urlaub / der Reise stehst du jetzt da, mit deiner Schnipselsammlung und sollst das in eine gewisse Reihenfolge bringen. Als erstes wirst du dir alles angucken. Und ich meine alles. Es ist ein riesiges Puzzle, was da vor dir ist. Durchatmen und hinsetzen. Hilft alles nichts. Es wird sich zusammenfĂŒgen zu einem Film. Vertrau mir.

Transkribiere dein Rohmaterial

Transkribieren heisst im Klartext : Gesprochenen Text anhören und « abtippen ». Klingt doof, ist doof, frisst Zeit, ist aber leider notwendig. Mach es, du wirst dir nachher selber danken. Denn hier fĂ€ngst du an, das Material zu loggen und zu kategorisieren. « RedebeitrĂ€ge » schriftlich vor sich zu haben hilft zum einen, es vor sich zu haben. Physisch. Zum anderen siehst du den Inhalt und kannst diese Teile schon einmal hin- und herschieben und bestimmten Bildern zuordnen. Mache dir zu reinem Filmmaterial Notizen, was da in jedem clip enthalten ist. Wenn dein Programm die Möglichkeit bietet (die guten haben das alle), leg gleich so ausfĂŒhrlich und genau als machbar die Metadaten an. Nervig, zeitfressend auf den ersten Blick, spart hinterher aber jede Menge Zeit, wenn du danach suchen kannst. Langsam entwirrt sich das Wirrwar.

Sichte das GROSSE Dickicht

Was sind die Hauptelemente ? Hast du bedeutsame CharaktĂ€re dabei ? Was sind SchlĂŒsselmomente ? Zusammen mit den schriftlichen Aufzeichnungen, die du vor deiner Abfahrt gemacht hast, werden sich die einzelnen Puzzleteile zum grossen Ganzen fĂŒgen. Wirf die einzelnen Abschnitte in entsprechende Ordner ; so bleibt die Übersicht erhalten

Bau Sequenzen zusammen

Durchforste das Material nach Minigeschichten, die in ihrer Gesamtheit spÀter den Film ergeben.

Baue eine Achterbahn

Nimm die Minigeschichten von eben und bau eine Achterbahn. Hoch und runter. Spannungsgeladene Abschnitte wechseln sich mit ruhigen ab. Busfahrten zu einem Ort, der Ort laut schrill und hektisch, die Umgebung eines Ortes, Portraits von den Menschen etc. pp. Mach eine Geschichte daraus. Die ErzĂ€hlelemente von oben hast du noch parat ? Youpi 🙂 Rythm und Pace wird so etwas auch genannt, in der Filmsprache.

Wenn du hast : Schurke und Held

Wenn du sie hast. Protagonisten und Gegenspieler. Diesen Part kannst du aber auch wegfallen lassen. Bei einer klassischen Dokumentation wÀren das hier jetzt die Pro- und Kontrapositionen zu einem Thema.

Beginn, Mitte, Ende

Sollte dir inzwischen gelÀufig sein. Sortiere das Material entsprechend.

insbesondere das Ende

Wenn du richtig schick viel Material hast, denke als erstes darĂŒber nach, wie du das Ende gestalten willst. Auf das geht alles hinaus und ein ordentliches Ende zu haben macht den Haufen schlagartig kleiner. Hat sich bewĂ€hrt.

Ein starker Einstieg

Zuschauer angeln, du erinnerst dich ? Neugierde wecken, auf das sie nicht wegschalten. Gut. Lass es krachen, aber ncht ĂŒbertreiben, sonst ist das ganze Pulver gleich schon zu Anfang verschossen. Etabliere die Kernaussage mit Teaserbildern. FĂŒtter an. Bei klassischem Dokumentarfilm wird das regelmĂ€ssig ein Vorfall ( = die Initialidee, die dich ĂŒberhaupt ins Thema getrieben hat) sein, an dem sich Pro und Kontra reiben können. Wecke Neugier, baue etwas zusammen, bei dem der Zuschauer sich fragen kann « Wie konnte das nur so und so oder so und so passieren ? »

Vorsicht im Mittelteil

ALLES, was im Mittelteil passiert, MUSS die Geschichte tragen, unterstĂŒtzen. Ist das Material aus welchem Grunde auch immer nicht ganz passend oder gar lahm, schmeiss es raus. Sonst wirst du den Zuschauer verlieren. Leg das Zeug beiseite – vielleicht ergeben sich daraus noch lustige outtakes fĂŒr den Abspann 😉

Skriptaufbau

Nur der VollstÀndigkeit wegen : A4, quasi in der Mitte « falten ». Die linke Spalte enthÀlt « das Bild », die rechte den dazugehörigen Audiopart. Industriestandard. Manchmal richtig in der Mitte Zeitangaben, vulgo timecode oder kurz « TC ».

  So. Nun damit aber ab an den Rechner, wir wollen schliesslich irgendwann mal auch etwas zu sehen bekommen 😉

Grundmuster einer professionellen timeline

timeline_roguenat
timeline

Im Schnittprogramm der Wahl kann Ordnung gehalten werden. Nachfolgend der Abriss, wie im professionellen Gewerbe eine timeline aufgebaut ist. « V » ist dabei eine Videospur, « A » entsprechend Audio.

  • V9 – visual FX Versionen / Shot Versionen / Jede Information, die das Team fĂŒr die Nachverfolgung der Arbeit brauchen kann
  • V8 – Untertitel
  • V7 – Matteboxes / Letterboxes (ist das VerhĂ€ltnis des Endbildes. 16:9 / 2.39:1 / 1.85:1 usw.) Matteboxes sind die schwarzen Balken rechts und links, Letterboxes die oben und unten.
  • V6 – ĂŒbergangsweise / temporĂ€re Farbarbeiten als Varianten (Farbkorrektur / Belichtung etc. und grobes Grading)
  • V5 – Effekte (Greenscreen / Rotoscoping / digital characters)
  • V4 – V1 hier fliegen A- und B-Roll rein (A-roll klassisch V1 und V2, B-roll obendrĂŒber) / clips / Arbeitslayer / resizes / keyed effects / wipes / fades / transitions 
 die ganze Klaviatur des editing
  • A1 – A3 (mono – mach die mono, das spart erheblichen Stress mit der Richtung, aus der der Ton kommt, Interferenzen und was das da noch alles an HĂ€sslichkeiten gibt) Dialogspuren
  • A4 – additional dialogue / narration / voice over
  • A5 – A8 (mono) Foley / UmgebungsgerĂ€usche / sonstige Effekte
  • A9 – A12 (stereo) Stereo Sound effects / ambience (room tone) / 3rd party sound FX
  • A13 – A14 (stereo) Music / Score
  • A15 – A17 cleaned dialogue (« cleaned » ist das, was nachher vom Tonprofi zurĂŒckkommt) cleaned sound fx cleaned score / music

Kleinkramsammelsurium

Forsche selber nach, wie das mit ordentlichem editing funktioniert. Das ist eine Kunst fĂŒr sich und wird nicht umsonst irre bezahlt. Guck nach, was ein J-Cut und ein L-Cut sind und wie die eingesetzt werden können. Welchen Sinn und Zweck ein smash cut hat und wann der rockt. Welche transition (das sind die ÜbergĂ€nge zwischen zwei clips – sowohl bei video wie bei audio) wie eingesetzt wird. Oder wann es mit einem hard cut gemacht werden kann. Finde heraus, warum speedramping ausser hip meistens doof ist und der jump cut fetzt. Suche danach, wie ein dolly zoom funktioniert und nachtrĂ€glich gebaut werden kann, aber mach das um Himmels willen nicht andauernd. KĂŒmmere dich um pacing und rythm. Die beiden Dinger sind extrem mĂ€chtig. Und wichtig obendrein, denn damit lassen sich GefĂŒhle richtig gut steuern, ohne, dass der Zuschauer das mitbekommt. Halte dich mit Spezialeffekten zurĂŒck. Effekte dann, wenn sie angebracht sind und den Film nach vorne bringen. Sonst wirkt das einfach nur aufgesetzt und blöde.

4k ist gerade schwer angesagt und hip. Vor allem dient es in der RealitĂ€t dazu, den Kram nicht rechenintensiv auch in riesengross auszugeben, sondern vorrangig dafĂŒr, deine Möglichkeiten im editing zu erweitern. Fahrten im Bild machen zu können spart zusĂ€tzlichen Aufbau. Das gilt insbesondere fĂŒr kleine Zoomgeschichten und den Ken-Burns-Effekt. Notfalls mehr Fleisch bei der stabilization zu haben, ohne, dass es gleich rauscht und knattert und Vergrösserungsmist produziert, ist eine feine Sache. Das « downsampling » auch. Sieht irgendwie einfach schicker aus, wenn 4k auf FullHD eingedampft wird. Hinter die Ohren schreiben, bitte. Danke.

Bei Ton bist du bitte hinterher, was ducking ist und wie das funktioniert. Dann nervt Mucke nĂ€mlich nicht. Tue dir selbst einen Gefallen und lass Audio nicht ruckartig enden, wenn es der Geschichte nicht dienlich ist. Fading ist toll und nimmt den Betrachter sachte an die Hand. Übersteuer den Kram nicht. FĂŒr youtube und Konsorten liegt die Obergrenze bei -3db, Kino -12db. Oberhalb -3db lĂ€ufst du rasend schnell Gefahr, dass es klirrt. Das ist dann nicht mehr zu retten. DĂ©fintif kaputt. Lauter machen sollen die Begucker das selber. Bei der Aufnahme nimm schon was auf, bevor die Hauptaction losgeht. FĂŒnf bis zehn Sekunden Zugabe sind schön, um UmgebungsgerĂ€usche ĂŒberhaupt zu haben bzw. sie als StörgerĂ€usche zu haben und rausrechnen lassen zu können. Die guten Audioprogramme beherrschen das. Gleiches am Ende der Aufnahme. Kann als L-cut Situationen retten. KĂŒmmere dich zumindest grob darum, was Equalizer sind und können – mĂ€chtige Werkzeuge, die schon so manche Bredouille wieder rausgerissen haben.

Dass die Musik zum Thema passt, ist eigentlich ein SelbstlĂ€ufer. Mach sie nicht zu laut, die darf gerne im Hintergrund ihr Werk verrichten. Gib dir MĂŒhe mit der Suche, Mistzeugs gibt es bereits ausreichend, da musst du dich nicht unbedingt auch noch mit einreihen. Such nach « no copyright »-Material bei youtube und speicher dir das als Nur-Ton weg. AAC / WAV ist fein, mp3 reicht oft vollkommen aus, weil an den StĂŒcken eigentlich kaum noch geschraubt werden braucht. Es gibt tatsĂ€chlich Menschen, die erstens was können und zweitens das gegen Namensnennung weggeben. Das sollte im Abspann dann auch wirklich gemacht werden. Fairness und so.

Colour correction und colour grading sind zwei verschiedene paar Schuhe und kommen beide erst zum Schluss. Colour correction ist die Anpassung von Weissabgleich, Farbe und Belichtung. Zieh dir alle Informationen, derer du habhaft werden kannst, was mit der « RGB parade » und « vectorscope » gemeint ist und wie du damit umgehen kannst.

Colour grading ist das Verpassen eines Style und das antriggern des Zuschauers ĂŒber Farbe. Wirf Tante Google in die Bresche, die wird dazu was rausfinden. Lass Farbpsychologie nicht ausser Acht. Das ist tausendmal wichtiger, als OffenblenddĂŒnnsinn und hektische Fahrten. Gleiches gilt fĂŒr LUTs. Die einfach drĂŒberzuklatschen geht fast immer schief.

Nimm dir beim Sortieren richtig Zeit fĂŒr das Verschlagworten und ein fĂŒr dich brauchbares Einordnen in die berĂŒhmten « bins ». Das macht nĂ€mlich, dass du hinterher weisst, was wo drin ist und wofĂŒr du das verwenden wirst. Lass das Videobearbeitungsprogramm neue Dateinamen vergeben, die RĂŒckschlĂŒsse auf den Inhalt zulassen. Die guten können sowas. Die Bedienungsanleitung wird dir verraten, was du dafĂŒr machen sollst.

Ganz wichtig, egal was du machen willst : Mache es von Anfang an ordentlich und hol das bestmögliche raus, was du kannst. Immer. « Das mache ich hinterher in der post » ist tödlich. Nahezu immer.

Bei allem : Hab Spaß 🙂