publié le 17 aoĂ»t 2015

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la matinée. Amsterdam, 2015.
la matinée.
Amsterdam, 2015.

« Bild nichts geworden ? Machs monochrom 😀 » – dieser Satz neulich hat mich zusammenzucken und innehalten lassen. In der Tat : Die Bilderflut unserer Tage lĂ€sst allzuoft den Eindruck entstehen, der Urheber eines Bildes hat sein Werk nur aus dem Grunde der Aufmerksamkeitserregung in Grautöne umgewandelt. Vor allem der Bereich der sogenannten « street »-Bilder unterstreicht allzu gewaltig diese Entwicklung. Monochrom scheint klamm und heimlich zu einem zu einem gimmick zu verkommen, einem weiteren Griff in die Trickkiste. Unbedarft und « unĂŒberlegt ». Dabei ist schwarzweiss deutlich mehr. Ein Denkanstoss.

 

Ganz kurzer geschichtlicher Abriss

Zu Beginn der Fotografie gab es nur schwarzweiss. Das Ă€nderte sich in den 1930er Jahren, als Kodak mit dem ersten « massentauglichen » Farbfilm auf den Plan trat. Dennoch blieben monochrome Bilder noch eine Weile das Bildmedium ĂŒberhaupt, weil schlicht die Druckverfahren fĂŒr den Farbdruck immens kostenspielig waren. In der Hochzeit / BlĂŒtezeit / Höhepunkt (hay-days) von Nachrichtenmagazinen, allen voran LIFE und Time , bestimmten also sw-Fotos unseren Alltag. Daran hat auch die Verbreitung des Fernsehens bis in die 1970er Jahre nichts geĂ€ndert. Erst ab da gab es einen Wandel, einen ganz grossen in den 80ern des vergangenen Jahrhunderts ; die Kameras wurden kleiner und automatisierter und billiger, die Herstellung von Farbfilmen wurde gĂŒnstiger, die Verbreitung nahm zu.
« Richtige » Fotografen jener Generationen haben sich vorher noch ĂŒberlegt, welches Medium und welche Filme sie zu welchem Zweck verwenden wollten. Bestimmt auch ein Teil der Freizeitbildermacher.
Alles anders wurde, als die Digitalfotografie in den Wohnzimmern ankam. Fortan wird fröhlich geknipst, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie das Endprodukt denn nun aussehen soll ; man hat schliesslich auf jeden Fall die Farbversion zur VerfĂŒgung. Und schwupps drehen sich auch die ĂŒberwiegende Anzahl der « Diskussionen » nicht mehr um die grundsĂ€tzliche Frage « sw oder color », sondern darum, wie das Material digital am schlauesten umgewandelt werden kann. Das « warum » und « weshalb » gerĂ€t in Vergessenheit, obgleich es völlig voneinander unterschiedliche Arten der Abbildung, des Sehens sind.

Die Elemente einer Fotografie

Eine Fotografie besteht im Groben aus zwei grossen Blöcken : Inhalt und Form.
Inhalt : der Inhalt, die Bedeutung, die der Fotograf seinem Bild zumisst. Das Konzept dahinter, die Absicht, seine BeweggrĂŒnde.
Form : dieses sind die (rein) visuellen Dinge, wie Blende, Verschlusszeit, Brennweite, Perspektive, Komposition. Da ist sie wieder, die olle Bildgestaltung 😉
So richtig formale Elemente sind nur vier : Umrisse (shapes), Linien, Textur und 
 Farbe.
Wichtigstes Hilfsmittel ? Nee, nicht Kamera und Optik. « Malen mit Licht ». Das Licht ist das, womit es möglich wird. Licht definiert Umrisse, definiert Linien, erschafft Strukturen und Texturen, Licht sorgt dafĂŒr, wie wir Farbe sehen (wir erinnern uns : QualitĂ€t, Richtung und QuantitĂ€t Licht ; Reflexionsvermögen von Farbe, SĂ€ttigung von Farbe nach Tageszeit und Art der Lichtquelle und die Herausforderung der wie auch immer gearteten « korrekten » Ermittlung einer Belichtungszeit vermittels Licht- und / oder Objektmessung).

Wird dem Licht schon hĂ€ufig genug zu wenig Beachtung geschenkt (ein paar Stichworte fĂŒr die Suchmaschine : Frontales Licht, Gegenlicht, weiches Licht, hartes Licht, Streiflicht, Kunstlicht, Tageslicht, Farbtemperatur, Kelvinskala), so wird eine Auseinandersetzung mit Farbe hĂ€ufig geradezu strĂ€flich vernachlĂ€ssigt.

HUE, SĂ€ttigung, Luminanz

HUE, das ist der « Name » einer Farbe auf dem Farbkreis, die Farbe in ihren « Reinzustand ». (Es gibt da noch ein paar andere Ansichten, aber aus rein photographischer Sicht soll das so erst einmal genĂŒgen 😉 )
SĂ€ttigung : beschreibt die IntensitĂ€t einer Farbe. Nach dem Grad der SĂ€ttigung entfaltet eine Farbe ihre « Sprache », bittet sie um Aufmerksamkeit. Hier spielt mit rein, dass wĂ€rmere (Kelvinskala) Farben sich in den Vordergrund drĂ€ngen, als kĂŒhlere. Die Spielwiese der Farbpsychologie. Und « ungesĂ€ttigt » sind sie alle grau. Alle.
Luminanz : Helligkeit. Hier spielt die Musik fĂŒr schwarzweiss. Die Helligkeit entscheidet ĂŒber hell oder dunkel, die TonalitĂ€t, den Tonwertreichtum. Oder dessen Fehlen.

Farbkreis
n° 1 : Standard-Farbkreis, es ist klar zu erkennen, dass blau und orange KomplementĂ€rfarben sind (sie befinden sich auf gegenĂŒberliegenden Seiten des Farbkreises)

n° 2 : der gleiche Farbkreis, entsÀttigt (ohne Filter). Blau und orange / rot haben ungefÀhr eine identische TonalitÀt (sehr dicht beieinanderliegende Grautöne)

n° 3 : wie eben, aber mit einem Rotfilter entsÀttigt. Blau und rot / orange haben voneinander deutlich unterscheidbare Grauwerte.
Bei nÀherer Betrachtung von n°2 und n°3 steigt man auch relativ schnell dahinter, dass die reine « monochrom » oder « EntsÀttigen »-Funktion der Kamera und / oder der Nachbearbeitungsprogramme eine eher schlechte Wahl ist, etwas in schwarzweiss zu zeigen.

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n° 1 : Standard-Farbkreis, es ist klar zu erkennen, dass blau und orange KomplementĂ€rfarben sind (sie befinden sich auf gegenĂŒberliegenden Seiten des Farbkreises)

n° 2 : der gleiche Farbkreis, entsÀttigt (ohne Filter). Blau und orange / rot haben ungefÀhr eine identische TonalitÀt (sehr dicht beieinanderliegende Grautöne)

n° 3 : wie eben, aber mit einem Rotfilter entsÀttigt. Blau und rot / orange haben voneinander deutlich unterscheidbare Grauwerte.
Bei nÀherer Betrachtung von n°2 und n°3 steigt man auch relativ schnell dahinter, dass die reine « monochrom » oder « EntsÀttigen »-Funktion der Kamera und / oder der Nachbearbeitungsprogramme eine eher schlechte Wahl ist, etwas in schwarzweiss zu zeigen.

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n° 2 : der gleiche Farbkreis, entsÀttigt (ohne Filter). Blau und orange / rot haben ungefÀhr eine identische TonalitÀt (sehr dicht beieinanderliegende Grautöne)
n° 3 : wie eben, aber mit einem Rotfilter entsÀttigt. Blau und rot / orange haben voneinander deutlich unterscheidbare Grauwerte.
Bei nÀherer Betrachtung von n°2 und n°3 steigt man auch relativ schnell dahinter, dass die reine « monochrom » oder « EntsÀttigen »-Funktion der Kamera und / oder der Nachbearbeitungsprogramme eine eher schlechte Wahl ist, etwas in schwarzweiss zu zeigen.

« Too many snapshots » – kompositorische Elemente

Bei sw wird auf die « Farbe » verzichtet. Ist es fĂŒr ein « gutes » Bild schon nicht ganz ohne, darauf zu achten, das Farbe, Formen, Linien und Texturen bildgewichtige Elemente sein sollten, so wird es im monochromen Bereich etwas anspruchsvoller. Es bleiben « nur » Formen, Linien, Texturen, um den « Inhalt » zu prĂ€sentieren. (Okay, vielleicht ist es auch anspruchsvoller, wenn Farbe als zusĂ€tzliches Element dazukommt. Ansichtssache 😉 Meine Meinung ist ja, dass Farbe oft genug ablenkt.)

« It’s not the technology that makes a great picture, it’s the content. I think we’re missing something. It’s sad. I miss content. I think we need more content. Technique and content are not the same thing. Everyone’s entitled to take pictures. But it’s not easy to take a great picture. Too many snapshots. » – Mary Ellen MARK

Warum schwarzweiss ? Und wie ?

« We have all fallen in love with the beauty and power of black and white photography where everything is stripped down to the core; light, textures, contrast, tonality, mood and raw emotion. » – Deanne FITZMAURICE

brume matinale. Durgerdam, 2015.

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brume matinale. Durgerdam, 2015.

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Warum schwarzweiss ? Gute Frage. Ein Grund heutzutage ist sicherlich, dass Farbe schnell vom Wesentlichen abzulenken vermag. Farbe lenkt ab von Texturen, Tonwerten, Umrissen, Formen und Licht. Ein weiterer Grund ist, dass Farbbilder heute so allgegenwÀrtig sind, dass schwarzweiss als eine « erfrischende » Alternative angesehen wird. Bilder darstellt, bei denen man in der Masse an Farben hÀngenbleibt.

Und : Schwarzweiss ist per se eine Interpretation, gaukelt nicht einmal vor, die RealitÀt abbilden zu wollen. Es kommt eine « zeitlose » Komponente mit in das Spiel.
Ich möchte oft gar nicht, dass mein Bild sofort einer bestimmten Zeit, einer Epoche zugeordnet werden kann. Es erhöht die Spannung, die Lust, auf Entdeckungsreise zu gehen. SW geht auf das GefĂŒhl, die Emotion. Deutlich einfacher, als Farbe das kann.

« Crudely put, it began as necessity, then became accepted as normal, and now, with the full choice of color (and any kind of color) coupled with the infinite processing possibilities of digital images, it is a creative choice.» – Michael FREEMAN

Ganz nebenbei wird Deine Art des Sehens von Licht trainiert. Wenn Du nicht (nur) auf die Farbtemperatur achtest (Goldene Stunde, Blaue Stunde), sondern auch die Lichtbasics (QuantitÀt, QualitÀt, Richtung) im Hinterkopf hast.

Ein paar Anregungen, Emotionen ins Bild zu bekommen (und nicht nur bei schwarzweiss)

Negative space. Freiraum. Einsamkeit, z.B.

Wo plazierst Du Dein Hauptsubjekt im Bild ?
GrössenverhÀltnisse
Wetterbedinungen (Regen ist toll. Nach dem Regen auch. Dunst und Nebel sowieso. Strahlende Mittagssonne – herrliche Kontraste)
Kontrast zwischen hellen und dunklen Anteilen (Chiaroscuro ist der maestro)
Assoziationen / Symbole
Wiederholungen / Muster / Symmetrien
Belichtungszeit
LICHT (Hollywood-Style, Film-Noir – intensiver Einsatz von Licht, um GefĂŒhle, Ansichten, HintergrĂŒndiges der gezeigten Person zu zeigen 
 gerade beim Film gern genommen, um Dinge ausserhalb des gesprochenen Wortes darzustellen. Aus cineastischen « Vorlagen » lassen sich ein Haufen Inspirationen rausholen)

Das soll es erst einmal wieder gewesen sein. Ich wĂŒnsch Euch viel Spass. 😉

jambes

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jambes

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