publié le 30 septembre 2021

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Was mir bei Kamerabesitzern in freier Wildbahn immer wieder auffĂ€llt, ist die schiere Menge an Equipment, welches die so durch die Gegend schleppen. Die « normalen » Bildermacher, nicht die hochspezialisierten Sport- und Tierfotografen, die rein physisch meist nicht auf TuchfĂŒhlung an ihr Motiv rankommen. Da wird gefĂŒhlte Ewigkeiten nach dem passenden Objektiv gekramt, in den Tiefen der MenĂŒs nach Einstellungen gesucht, gerne mit höchster Serienbildrate gerattert, nachgeguckt, ob irgend etwas hoffentlich «  richtig » geworden ist. Um sie herum geht inzwischen das Leben weiter.
Anstatt sich auf das, was vor der Kamera passiert zu konzentrieren und zu machen, werden Gelegenheiten stumpf sausengelassen. Putzigerweise wird hier der Albtraum RealitĂ€t, der zum Kauf des Sortiments gefĂŒhrt hat : fear of missing out, die Angst, etwas zu verpassen, fĂŒr alles gerĂŒstet zu sein.

Aus dem Leben gegriffen :

ich habe die Bitte von einem Freund bekommen, auf seiner Hochzeit nicht nur Gast zu sein, sondern diese auch zu fotografieren –

Ich weiß, dass es ein gewisser Spagat ist – zum einen Gast und zum anderen von Situation zu Situation zur Stelle zu sein und neben den Standards auch besondere Momente einzufangen.

Kurz zu meiner vorhanden AusrĂŒstung:

Canon EOS 5D Mark IV, Canon EF 16-35 mm F/2.8 L III USM, Sigma 150-600 F5-6,3 DG Sport, Canon EF 50mm 1.4, Canon EF 85mm 1.8, Canon EF 100mm 2.8 II, Canon EF 100-400mm F4,5-5,6 L IS II USM, Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM, Canon EF 24-105mm f/4L IS II USM, Canon EOS 50D, EF-S 11-22mm, EF-S 17-85mm

Ich hatte mit dem Gedanken gespielt mir eine Canon EOS R5 zuzulegen.
[
] Lohnt sich die Canon EOS R5 – ist sie besser fĂŒr die Hochzeitsfotografie als die Canon EOS 5D Mark IV – oder sind beide gleich gut geeignet? Darin liegt auch schon meine grĂ¶ĂŸte Sorge mit der Canon EOS 5D Mark IV – ob der Autofokus immer gut das Auge trifft?

Die nĂ€chste Überlegung ist natĂŒrlich welche Objektive man sich so mitnimmt zu einer Hochzeit?

Ich dachte mir bisher: Canon EF 16-35 mm F/2.8 L III USM, Canon EF 85mm 1.8, Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM

Weiter stellt sich die Frage – noch einen externen Blitz mit zu nehmen oder lieber den ISO bis max. 12800 hochregulieren?

Lesen, verinnerlichen. « Kurz zur AusrĂŒstung » gefĂŒhlt in Form des Komplettsortiments 
 Nein, es ist nicht beeindruckend. Hier zeigt jemand erbarmungslos, dass er wenig bis keine Vorstellung davon hat, wie mit dem Krempel umzugehen ist. Weder mit den Kameras und was insbesondere deren AF-System kann, noch welche Brennweite wie arbeitet, schon gar nicht von Licht. Es ist erschĂŒtternd.
Die 4’500 Euronen fĂŒr die neue Kamera – die wurde tatsĂ€chlich gekauft – wĂ€ren besser in einen echten Fotografen angelegt gewesen. Dann selbst als Gast einfach die Feier geniessen. Fette AusrĂŒstung allein macht keine Bilder und schon gar nicht gute. Nicht die Eier, die Planlosigkeit kleinlaut einzugestehen und das Knipsen der Feier abzusagen.

Ein weiterer Fall :

ich werde bald bei einem Sportevent (Lauf) unseres Vereins Fotos machen. [
]

Einstellungen:
Autofokus: C-AF+TR (AF Tracking)
Gesichtserkennung AN
Blende 4 [Anm. von mir : Das ist die grösstmögliche Blende bei seinem Zoomobjektiv, Micro Four Thirds.]
Verschlusszeit 1/500 – 1/1000
Jpg statt Raw
Serienaufnahme Sequenziell H (schnell)
ISO Auto (maximal?)
Bildstabi An oder Aus?

Das war immerhin knapp drei Wochen vor der Veranstaltung.
Dann dieses :

Morgen ist es soweit. Bin noch unentschlossen, ob ich C-AF oder S-AF wĂ€hle….oder gar C-AF Tracking.

Sollte ich bei S-AF, Fokusfeld all oder single wÀhlen und entsprechend selbst den Fokuspoint setzen?

NĂ€chste Frage: MenĂŒ Einstellungen, C1, AuslöseprioritĂ€t S / C
Sollte ich hier jeweils auf AUS stellen oder einen der beiden auf AN?

Ernsthaft ? Was hat der die ganze Zeit gemacht ? Es ist bizarr.

Benutze deine Kamera wie ein Profi

Bei echten Fotografen fĂ€llt eines sofort auf : die fummeln durch die Bank nicht mehr als nötig an der Kamera rum. Machen die nicht. Oft genug machen die Finger am GerĂ€t was, ohne, dass das Auge vom Sucher gelöst wird. Magie. Eher nicht. Ganz schnöde Übung. Wenn dir making-of-Filme (oder BTS – behind the scenes) ĂŒber den Weg laufen, die Fotografen bei der Arbeit zeigen, sabber nicht nach Marken und tolles Zeug, sondern guck, wie die arbeiten. Wie die ihr Bild suchen. Wie die mit Menschen vor der Linse umgehen. Und dann sollte noch etwas auffallen : Die wechseln so gut wie nicht das Objektiv. (Bzw. drehen auch nicht wie irre am Zoomring, wenn denn da eine lange TĂŒte im Einsatz ist.)

Eine Kamera, eine Optik

Geht es dir um Fotografien, also das, was am Ende hoffentlich gedruckt die Wand oder gar ein Buch ziert, lass das Werkzeug nicht im Weg sein. Wenn es bezahlbar bleiben soll sind das Hochleistungscomputer, die dafĂŒr gemacht wurden, dem Fotografen quasi komplett das Denken abzunehmen. Der Autofocus sucht sich mit AI Augen, auch bei Tieren, der Weissabgleich wird schon passen, die Belichtung in den allermeisten FĂ€llen auch, dazu dann AntiWackeldackelrundumSorglosSchutz, Farbaufbereitung schon in camera, Video bis hin zu Superslowmotion immer noch mit doofem Ton, dafĂŒr aber möglichst schon DatenĂŒbertragung durch die Luft, von absout rĂ€tselhaft funktionieren BlitzunterstĂŒtzungen ganz zu schweigen und was weiss ich noch alles. Weil das heutzutage so ist, haben die Bedienungsanleitungen dazu mehr Seiten, als PROUST’s A la recherche du temps perdu.

busy bee - ich mag vollmanuelles Arbeiten ;)
busy bee – ich mag vollmanuelles Arbeiten 😉

Grundlegende Kameraeinstellungen

Es hilft nichts, das Handbuch zur Kamera Musst. Du. Durchackern. Allein schon aus dem Grunde, die Funktionen, die fĂŒr deine Arbeit tatsĂ€chlich vonnöten sind, so auf irgendwelche Quick-MenĂŒs und Knöpfchen und Schalter legen zu können und parat zu haben, dass sie « blind » aufgerufen und eingekurbelt werden können. Denn wenn ich erst drei Knöppe drĂŒcken muss, um an eine Belichtungskorrektur zu kommen, dann ist das Ding fĂŒr mich unbrauchbar. Kann noch so dolle sein, das wird nichts. Viele Sachen guckst nur einmal in dem Bedienungsschinken nach und stellst die ein, ein paar aber sollten ohne Umschweife zu finden sein. Mach das ordentlich.

SchnellmenĂŒ
SchnellmenĂŒ

Anschliessend ĂŒbst du so lange, bis die Belegungen im Schlaf aufgerufen werden können. Muscle memory, wie sich das modern nennt. Machen, nicht mit den Augen rollen. Ist wie Autofahren, oder guckst da auch noch angestrengt nach jedem Knopp und ĂŒberlegst, in welche Richtung dieser und jener Schalter jetzt umgelegt werden will ? Lass das Werkzeug nicht im Weg sein.

Gleich ein kleiner DĂ€mpfer : Muscle memory ist hinderlich, wenn verschiedene Kamerasysteme in Benutzung sind, die auch nur einen Knopf oder Schalter nicht oder an einer anderen Stelle haben. Ist so. Eine Kamera, eine Optik. UnterschĂ€tze das nicht. Wenn du davon einen Haufen hast, nimm fĂŒr den Anfang deine Lieblingskamera, die du am liebsten in der Hand hast, mit der du am « besten » klarkommst.

Ein Blick in den Sucher
Ein Blick in den Sucher

Wie sieht es eigentlich im Sucher aus ? Braucht es wirklich alles an Informationen ? Oder stören da Sachen, die auch woanders flott und gut eingesehen werden können, ohne das KurzzeitgedĂ€chtnis zu ĂŒberfordern ? Macht dich die Helligkeit in dem Ding bei schwachem Licht um dich herum jedes Mal blind, oder passt es ?

Fokusmodi

Das ist aber nur der erste Schritt. Als nĂ€chstes gilt es, sich in die ZuverlĂ€ssigkeit einzufuchsen. Besonders diese Autofokustechnik kann es mĂ€chtig in sich haben. Siehe die beiden Oberspezis von oben. Probier das in allen nur möglichen dir in den Sinn kommenden Situationen aus. Richtig ausprobieren. Vorbeilaufende Objekte, auf dich zukommende, QuerlĂ€ufer und dann noch einer dazwischen 
 Dazu die Auswahl der Anzahl an Messfeldern und mit welcher Wolke die da fĂŒr dich schuften sollen. Oder nur eines. Oder neun. Oder 21. Und in welcher Grösse. Und wann continuous oder doch besser single ? FĂŒr die Verfolgermodi – ziemlich oft ist die geringste Empfindlichkeit die bessere Wahl. Wenn sich in den Vordergrund drĂ€ngelnde Dinge « ignoriert » werden und der Fokus am Objekt der Begierde kleben bleibt. Dieser hochwichtige Augenfokus – schafft der auch rasanten Lauf auf dich zu, querab ? Wenn der « zu lahm » scheint, Gesichtserkennung. Wer Augen erkennt, erkennt erst recht Gesichter. Umstellen kannst du ja jetzt hoffentlich mit nur einem Klick. Btw : Überleg dir, ab welcher Grösse im Bild ein Gesicht vielleicht einfach besser aussieht, wenn die Nase nicht gematscht wird.
Und wo ist ĂŒberhaupt der berĂŒhmte back button focus eingebaut und wie tickt der ? Das ist nĂ€mlich – zumindest in meinen Augen – eine richtig gute Erfindung. Alles in allem Quellen entweder der Freude oder der Verzweiflung. Wie verhĂ€lt sich das eigentlich bei wenig Licht ? Welcher Modus ist da zuverlĂ€ssig ?
SchÀrfe kann man auch von Hand machen. Allerdings eher nicht mit den hochmodernen und superduperrasendschnellen Optiken von heute. Schreien alle nach, musst. Du. Haben. Und als Ergebnis extrem kurze Verstellwege. Die machen aber hÀndisch so gar keinen Spass. Absolut keinen. Nicht einmal abgeblendet.
Wenn du vorhast sie zu nutzen : Scharfstellhilfen prĂŒfst du dann auch gleich auf Herz und Nieren. Insbesondere bei spiegellosen GerĂ€ten sind die bunten RĂ€nder des focus peaking mit Vorsicht zu geniessen, weil die SchĂ€rfebereiche da mit drin rumfuhrwerken und noch nicht so absolut verlĂ€sslich sind. (Bei den von Hein Tech als komplett ĂŒberholt und altmodisch bezeichneten Spiegelreflexen besteht das Problem nicht, da siehst du, ob das Hauptobjekt in der SchĂ€rfeebene liegt oder knapp daneben.)

Weissabgleich

Gleiches mit dem Weissabgleich, vor allem dem automatischen in Situationen mit Mischlicht. Die hĂ€ndisch einstellbaren Varianten mit HĂ€uschen, Wolke und Lampe und so nicht ganz ausser Acht lassen. Mach es von Anfang an so ordentlich wie möglich. Und an alle, die was anderes behaupten : Auch bei RAW ist es keineswegs ‘egal’. Da steht nachher auch ein Wert bei, auf den der Konverter des grössten Vertrauens zugreift. Doller mit rumgespielt werden kann nur wegen der Bittiefe der Daten ; 12, 14 oder noch mehr bit gegen 8 bei jpg. Farben werden aber ebenso krummgebogen. FĂ€llt halt erst ‘spĂ€ter’ auf. Best in, best out. Von Anfang an ordentlich. Hinter die Ohren damit.
Der Weisspunkt kann hÀufig auch verschoben werden, ist dir das bekannt ? Bei dem schwarzen Wunderkasten machbar ?

Belichtung

Licht messen
Licht messen

Dann Belichtung mit den Möglichkeiten der ISO-Steuerung. Und damit verbunden dieser toootal wichtig mörderwichtigen dynamic range. Bei ISO probierst du Grenzbereiche durch und kennst anschliessend den von-bis-Bereich und die maximale Verschlusszeit unter so viel als möglichen Lichtsituationen dazu. Das Argument des Rauschens ist heutzutage ein schwaches, Zauberausdruck ist « isoless sensor technology ». Da kannst du unterbelichten bis der Arzt kommt (gut, das nicht, aber doch mehr, als das mit gutem Gewissen eigentlich so passiert) und das nachher am Rechner hinbiegen, ohne dass es magentagrĂŒn munter funkelt. Oder noch akzeptabel rauscht. Schadet dem Bild ja nicht immer.
Ich hĂ€nge mich mal aus dem Fenster und stelle die steile These auf, dass bei den aktuellen Kameramodellen das digitale Rauschen ab ISO 12’800 stören kann, eher spĂ€ter. Das ist lichtmĂ€ssig mĂ€chtig finster. In derartigen Bedingungen sind offenbar Hein Tech und seine Kumpane ausnahmslos nur unterwegs und machen deshalb so einen Heiopei um die digitale Signalaufbereitung. Vier Blendenstufen gehen inzwischen eigentlich immer. Die RauschunterdrĂŒckungsalgorithmen werden – zumal nun auch mit AI gefĂŒttert – nicht unbedingt schlechter.
Nur – das mit Rauschen und isoless und so, das musst du fĂŒr deine Kamera rausfinden. Also ran an den Braten. Dynamic Range hĂ€ngt damit ziemlich direkt zusammen. « Spitzlichter retten » ist bei nahezu allen derzeit erhĂ€ltlichen Kameras irgendwo in den Tiefen der MenĂŒs versteckt. Mach dich schlau, was das macht, wie es was macht, was es nicht macht und wie weit es im Bildbearbeitungsprogramm des geringsten Misstrauens verknotet werden kann. Wenn Fragen zur Funktion bestehen, die ĂŒber das Handbuch hinausgehen : (Meine) erste Anlaufstelle sind die Internetseiten des Herstellers. Immer. Die haben das zusammenprogrammiert, die wissen, wie was geht. FAQ, frequently asked questions.

Bei Video hörst lieber sofort auf zu heulen mit diesem dynamic range Kram und beleuchtest (leuchten, nicht lichten. Perfekte Belichtung ist eh Satz 
 ) dein Hauptobjekt gleich von Anfang an richtig, ja ? Ich finde das schlimm, wie da Ahnungslosigkeit im Umgang mit Licht rausposaunt wird. Informiere dich bitte auch darĂŒber, welche Basis-ISO die Kamera bei Bewegtbild gerne will. Wenn nĂ€mlich ISO 2’000 ein deutlich saubereres Bild produziert, als mit IS0 100. Wo doch alle es propagieren, mit dem niedrigsten ISO-Wert als möglich zu arbeiten. Tja, gerne mal so richtig danebenliegen, weil das Gezauber mit der Gammakurve ein Buch mit sieben Siegeln ist.

Bildstabilisierung

ZitterunterdrĂŒckung möchte auch getestet werden. Gibt welche, die funktionieren tadellos sowohl mit IBIS (in body image stabilization) als auch mit in-Optik-Wackellinse zusammen. Dann gibt es welche, die mögen lieber nur eines von beiden oder die eine Optik möchte nicht so gerne mit der und jener Kamera und ist zickig. Und wenn ein Stativ oder sonstwas an nicht wackelnder Unterlage dazukommt, drehen die Systeme entweder komplett frei oder auch nicht. Glasscheiben aller Art bringen es gerne an den Rand des Herzklabusters und schaffen das auch.
So Sachen sind gut zu wissen, bevor da was Unwiderbringliches vor der Linse ist oder gar jemand Geld fĂŒr Bilder auf den Tisch legt. Und lerne, wie eine Kamera richtig gehalten werden möchte – je weniger die Helferlein zu tun haben, desto besser. Bei Hein Tech und seinen Lemmingen fragst dich inzwischen ja, wie bis letzten Montag ĂŒberhaupt auch nur irgendwer dazu in der Lage gewesen sein kann, ein brauchbares Bild zu liefern. Ach ja, Sensorreinigung bei diesen Zatteronkeln – kĂŒmmer dich darum, wie das geht.

Es wird eine ganze Weile dauern, bis das GerÀt beherrscht wird und du es « vergisst ». « Ganze Weile » heisst : das kann schon einmal ein guter Monat werden. Oder auch lÀnger, je nachdem, wie oft du das Ding in Benutzung hast. Tolle neue Welt.

Eine Optik

Will heissen : Eine Brennweite. Gerne eine fixe. Ich weiss, das ist ein Punkt fĂŒr erbitterte Stellungsgefechte in Foren, von wegen Zoom sei so praktisch und bla bla bla. Vorzugsweise von Spezialisten, die sowas noch nie probiert geschweige denn ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum durchgehalten haben. Dabei geht es darum, dein Sehen zu schulen. Gucken zu können, wie diese Brennweite. Auf dem Weg zur PrĂ€visualisierung, der Vorstellung, wie das Bild nachher ungefĂ€hr aussehen wird bei einem bestimmten Bildwinkel, noch bevor der Sucher ĂŒberhaupt vorm Auge sitzt. Das ist etwas vollkommen anderes, als Perspektivgeschwafel und « Fusszoom ist was fĂŒr Blödis ».
Wenn du nur Zoomobjektive hast, Gaffatape ist dein Freund. Tacker das Ding bei einer Brennweite fest und zuckel mal einen Monat – eigentlich eher ein halbes Jahr – ausschliesslich mit der los und mache Bilder. Konzentriere dich auf das, was vor deiner Linse passiert und nimm es mit nach Hause. Nach dieser Zeit wirst du es raushaben, was mit dem Bildwinkel alles geht, du « siehst » in dem Winkel und andere Sachen interessieren schlicht nicht. Anders, als bei den Hein Techs, die jammern, dass sie wieder einmal dieses und jenes just in diesem Moment nicht angeflanscht hatten, weil sie aus unerfindlichen GrĂŒnden nur nach dem gucken, was mit der gerade paraten Kombo nicht so dolle ist. Tja. Dumm.
Dann mit einer weiteren Brennweite. Lerne sie kennen, dann wirst du sie schlafwandlerisch einsetzen können. Du wirst bei dieser Übung ebenfalls feststellen, was dir « liegt », womit du dich pudelwohl fĂŒhlst. Und wenn du dich auf zwei, maximal drei beschrĂ€nkst, erhĂ€lt dein ƒuvre auch noch eine « Handschrift », eine Art Stil. Guck dir BildbĂ€nde von den grossen Fotografen, vor allem des letzten Jahrhunderts an. Da siehst du kein wildes Durcheinander von Ultraweitwinkel bis Russentonne mit ihrem Meter Brennweite. Eher 35mm und 50mm (Kleinbild) bzw. deren Bildwinkel. Wenn nicht sogar nur eine von den beiden. Das dann aber meisterhaft. Ist heute nicht anders, aber nicht mehr so einfach zu finden. Wenn ich wen finde, liefer ich das nach. Versprochen. Da kuck : Jonas hat just etwas frisch publiziert. Jonas BENDIKSEN – The Book of Veles. Und Martin PARR – Match Point, Alec SOTH – A Pound of Pictures.
Sehgewohnheiten Ă€ndern sich. Was einmal 35 und 50mm waren, sind jetzt fĂŒr die Masse 26-28mm (die Telefone bringen uns dazu). Dann habe ich festgestellt, dass immer mehr Linsenbauer Objektive mit 40mm Brennweite in den Markt drĂŒcken. Es ist spannend.

Licht, Licht, Licht

Wenn du eh schon unterwegs bist, hab ein Auge auf das Licht. Es gibt mehr, als « Sonne im RĂŒcken ». QualitĂ€t, QuantitĂ€t, Richtung.
Gewöhne es dir gleich mit an, auf das Licht zu achten und es nicht nur nach 0815-Forenrezept platt von vorn aufs Motiv einzusetzen. Dann hast du auch keine Panik mehr vor der Mittagssonne, sondern « machst einfach » etwas damit und daraus. Fang an, in Umrissen, Formen und Licht zu sehen. Wissen schlÀgt Technologie. « Ist das Licht doof, mach Gegenlicht. » Wirkt immer.
Bedenke : In allererster Linie nehmen wir Licht auf. Und Schatten.

Das soll es fĂŒr die rein technische Seite gewesen sein. Die Kamera ist nur ein Mittel zum Zweck, eine Vorstellung, ein Bild festzuhalten. Lass das Werkzeug kein Hindernis sein, welches dich von der Konzentration auf das Wesentliche, das Bild, abhĂ€lt und beschrĂ€nkt. Erinnerst du dich noch an deine SchreibanfĂ€nge ? Und wie lange das gedauert hat, bis die Buchstaben und Wörter letztlich leserlich wurden ? Ist mit der Kamera im Grunde genommen genauso. Dann kann sich um den Inhalt, das Werk, welches daraus / damit entsteht, gekĂŒmmert werden. Ob ein « Bild » gelingt oder nicht, da gibt es noch weitere schicke Sachen, die zu kennen lohnt. Texturen, Wiederholungen, Formen, Geometrie, Symmetrie 
 die FĂ€higkeit, die Elemente eines Bildes zu kennen, zu erkennen, zu entziffern und entsprechend anzuwenden, um den Betrachter zu fesseln. Dazu gibt es demnĂ€chst eine Menge Futter.