28 juin 2024

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… dann kann er was erzählen. Reisen ist mehr als Sightseeing. Es ist eine Erfahrung, die sich tief in deinem inneren Ich festsetzt, wie du denkst und wie du lebst. Wenn du dem offen gegenüberstehst, ist Reisen eine (Ab-)Folge von Entdeckungen und Wiederentdeckungen und am Ende überrascht sie uns mit dem, was wir erfahren und gelernt haben und wie sie einen verändert. Irgendwo hinjetten und am Strand liegen ist Urlaub 😉

Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt.
– Martin BUBER

Reisen, das ist die ‘Grand Tour’ aus alten Zeiten, vorwiegend von der upper class, um Erfahrungen zu sammeln und das Wissen und Kultur zu erweitern. Ich sage nur : Italienreise 😉 Goethe. Herder. Aristokratische Briten. Vermögende aus der Neuen Welt. Da ist der Weg das Ziel. Ebenso die Bekanntschaften, die unterwegs gemacht werden. Sowas dauert – für heutige Zeiten ‘zu lange’ ; wer kann es sich schon noch erlauben, eher für Monate aus dem Alltag zu entfleuchen ? Dann gibt es Urlaub. Urlaub ist Angekommen-Sein. Möglichst schnell hin, nette Zeit und manchmal lieber dableiben. Oder nix wie weg da. Kreuzfahrten sind Dauerbesäufnis und Freßorgie römischen Stils mit anschliessend krasser Diät. Scherz. Zuhause schmeckt der Wein aber immer anders, als in drückend drömelnder Mittagshitze unter Platanen und dem satt metallischem Klacken einer pétanque irgendwo. Im Hintergrund quäkend schnarrend Zikaden. Am Tisch nebenan wird die zweite Flasche gebracht.

Beides ist absolut okay. Von allem können Erinnerungen mitgebracht werden. Und das klappt nachhaltig für die Nichtdabeigewesenen, wenn es ein klein wenig organisiert ist. 

Poseidon Giveth and Poseidon Taketh Away

Two roads diverged in the woods, and I – I took the one less traveled by.
– Robert FROST

Diese Worte gehen tief – wenn das Dein Lebensmotto ist (zumindest unterwegs), dann sagen sie eine Menge daüber, ‘wer’ man ist und wer und wie man gerne werden würde. Mindset. Der Horde hinterher oder pure Neugier, Interesse am Unbekannten, die verwegene Abenteuerlust am Sich-Verlaufen, und ein Quentchen Naivität vielleicht und mal schauen, was hinter der nächsten Biegung Schniekes auftaucht. 

Vorbereitung

Gutes (!) (eingelaufenes) Schuhwerk ist ein Muss ; platte, qualmende und schmerzende Füsse vermiesen ganze Aufenthalte. Die Sohlen wollen in Betrieb sein, sonst zerbröseln die, weil das Zeugs innen drinnen aushärtet. Eigentlich ein Selbstläufer, aber Pferde vor Apotheken und so … Das Notizbuch, eine leichte Regenjacke, Wasserbuddel, bisschen Bargeld und was sonst noch an täglichem Bedarf vorhanden sein soll, kommen mit in die Tasche oder den Rucksack. Wenn es eingerichtet werden kann, bereite Dich mental auf lange Tage vor.

Recherche.

Reiseführer, Filme, Lektüre aka Reisebeschreibungen und Krimis, Kochbücher etc pp … verschling alles über Dein Ziel, was Dir in die Finger gerät. Forsche nach Märkten, besonderen Veranstaltungen im Zeitraum, in dem Du da bist, Sehenswürdigkeiten ist klar, mit vielleicht tollen Ausblicken und Aussichten und deren Eintritt und Öffnungszeiten … Mach Dich zumindest in Grundzügen über die Kultur und Geschichte schlau, man guckt dann etwas anders, sieht anders, statt nur blöde glotzen. Gibt es Besonderheiten, vielleicht kleine Geschichten, die ein Kleinprojekt wert sein könnten, die zu verfolgen sich lohnt ? Irgendwelche gesellschaftlichen Gepflogenheiten, die sich als Fettpott offenbaren und die es möglichst zu vermeiden gilt ? Glaube mir, machen. Das sind grundlegende « Hausaufgaben », die klassische Recherche, das A und O.

Fremdsprache, die tatsächlich ‘fremd’ ist ? Bring Dir wenigstens die vor Ort gängigen Begrüssungs- und Höflichkeitsfloskeln bei, wie nach dem Weg gefragt wird … das erfreut die Einheimischen total, sowas bricht Eis und macht Türen auf. Oftmals wird dann ohnehin auf etwas ‘verständlicheres’ gewechselt.

Notizen, Notizen, Notizen. Aus denen baust Du Dir Listen. Ob die nachher befolgt werden oder frei der Bursch durch die Lande zieht, ist egal. Es verankern sich Ding im Kopf, darauf kommt es an.

Eine kleine Warnung : Google images. Prinzipiell hervorragend und es nutzt jeder, aber sei auf der Hut, dass die Bilder von da sich nicht zuuu tief ins Hirn graben. Es sei denn, Du willst nur das fotografieren, was alle anderen auch schon haben. Dann selbstredend dieses Insta und wie toll geil irre da alles ist. Imitation und Inspiration, es gibt einen Unterschied 😗. Und ausserdem ist immer nur ‘perfektes’ Wetter langweilig.

Ein paar Anhaltspunkte

☞ Landschaften
Pro-Tips
Apps wie PhotoPills oder SunSeeker für Sonnenstände und -aufgänge | -untergänge
Wetterapp wie météoblue zB
Tageszeiten ? Blaue Stunden etc pp mit den apps von eben
Lass. Dir. Zeit. 😉
Stativ ? Filter ?
WECHSEL die Perspektiven. Abwechselung ist king
Experimentiere rum 🙂
Achten auf
Licht Licht Licht Richtung Intensität Art
Farben und Farbharmonien
Vordergründe !
Bewegungen | motion | Langzeitbelichtungen
Grössenverhältnisse
Linien und (Blick-)Winkel
Spiegelungen
Muster, auch abstrakte
‘intime’ Szenen
☞ Städte
Pro-Tips
Listen bauen | Gruppen bilden nach ‘Standorten’
Die ‘postcard shots’ als erstes wegarbeiten
Tageszeiten ? Blaue Stunden etc pp
Verlauf Dich 😉
Achten auf
Skylines | Panoramen
Architektonische highlights
Strassenszenen
Bewegungen | motion
Grössenverhältnisse
Linien und (Blick-)Winkel
‘hohe’ Punkte | Aussichten

Fang rechtzeitig damit an – zwei Monate sind schon eher ‘bös knapp’ – und dank Dir später dafür 🙂.

Special : « Story Proposal » 

Eine so richtig coole Socke bist Du, wenn Du Dir ein « story proposal » schreibst, einen « Vorschlag », eine Projektidee, modern und hip « pitch ». Da hast Du ein Thema und eine ungefähre Vorstellung davon, welche Bilder aus welchem Winkel in welchem Winkel bei welchem Licht was zeigen könnten. Hau richtig aufs Leder, übertreibe, mache es sexy. Wie lassen sich bestimmte Dinge visuell darstellen und wie für ein gedachtes Publikum interessant machen ? Ausserdem kristallisiert sich da eine Absicht für ein Thema raus. Warum, wieso, wie. Du wirst zielgerichteter loszuckeln und vor den berühmten interessanteren Dingen stehen. Du wirst dann wissen, wo man hingehen kann, wie man an Sachen rankommt, die ausserhalb der Touripfade liegen. Die Geschichten, die dann das National Geographic und GEO drucken 😎 .

Ausrüstung

Muss leider ein Wörtchen zu verloren werden : Das, womit Du auch ‘im Alltag’ unterwegs bist

Ich schmunzel immer über diese angsterfüllten Anfragen, welches Objektiv und bla denn nun für Oer-Erkenschwick oder Le Créac’h oder Maam Cross geeignet sein soll, geht in zwei Wochen los, und dann kommen sie sicher wie das Amen in der Kirche, diese ‘Tips’ der Oberspezialexperten mit den Ultraweitwinkeln … So etwas ist schlicht Quark, wenn Du selbst mit UWW und was bei den Dingern in Sachen Komposition beherrscht werden will blutiger Anfänger bist (Hinter-, Mittel-, Vordergrund – layers im Fachsprech – und pups was auf dieses ‘möglichst viel drauf’ oder der dämliche Klassiker ‘ist mir nicht weit genug’. Das führt nur zu doofen Bildern mit (deutlich) zu viel Unruhe, meistens keinem eindeutigem Hauptobjekt und und und). Gleiches für die Mördertele. Wenn Du zuhause auf Viecher losgehst, hast Du eines. Mit sowas im Urlaub anzufangen war schon immer eine blöde Idee. 
Willst Du ein Stativ mitnehmen ? Mach Dich schlau, ob das lohnt oder ob es Einschränkungen gibt, die es eher so meh machen, mit der Schlepperei und dann … puh … . Bei und in vielen Sehenswürdigkeiten verbannen die die Dinger mittlerweile. Oder es kostet. Manchmal richtig autsch ! Antarctica soll inzwischen den Grundsatz haben “Nur, UND NUR deine Füsse berühren den Boden ausserhalb des Dampfers” – ergo sei auf der Hut und wisse, wie Kamera-Linse ruhig zu halten sind, damit auch so dolle Sachen wie IBIS und Kram eine Chance haben, was ordentlich zu regeln. Verlustig gehende ‘Kunst’ in heutigen Zeiten 🫣
‘Feuchtgebiet’ oder jede Menge Wasser von oben zu erwarten, aber keine komplett abgedichtete Kamera und oder Objektive ? Die gute alte Duschhaube für ein paar Cent aus dem Drogeriemarkt um die Ecke macht einen hervorragenden Job ; investier Deine Mücken lieber vor Ort in was Feines, statt neue Knipse, die Du erst kennen- und liebenlernen willst. Caffè. Frittierte Heuschrecken 😋 Den Bildern hinterher ist eh vollkommen schnurz, wie Du selbst ausgesehen hast, beim Machen. Wahrscheinlich wirst Du auch alleine sein auf weiter Flur – die ganzen obersuperprofi Sofaexperten, für die Abdichtungen überlebensnotwendig und mit das Wichtigste überhaupt sind, die bleiben bei leichtem Tröpfeln schon allesamt im Hotel. Gleiches, wenn es ein wenig staubt. Fakt.

Also, was mitnehmen ? Das Zeug, mit dem Du im Schlaf vertraut bist. Punkt 😗 Menge und overkill ist Dir überlassen. Pack als allererstes den Weltstecker ein, wenn es nach ausserhalb Europas geht. Machen. Apotheken und sich erbrechende Gäule. Ich halte es ansonsten gerne halbwegs leicht, 28, 35, 50, 90 (alle Kleinbild oder entsprechend), zwei Gehäuse plus den Kleinkram an Filtern, Akkus, Lader und Kabelzeugs. Vor Ort dann in der Tasche meistens 28 oder 35 und 50. Meine Art des Fotografierens. Bei der taucht dann auch nicht ‘plötzlich’ irgendwas auf, das wildes Brennweitenroulette erfordert. Übersehe ich schlicht und ergreifend. Ohne was zu verpassen. Oder sehe es es einfach schon, bevor es passiert. Weil es noch nicht passiert ist, habe ich auch alle Zeit der Welt, das Objektiv zu tauschen. Echt. Nix los. (Im Ernst, dieses plötzlich taucht xyz auf habe ich neulich tatsächlich als Rechtfertigung für ein Zoom gelesen. Weil Wechseln ja so irrsinnig umständlich ist 🤪 … Brauchst jetzt beileibe keinen Grosseinkauf an Festbrennweiten machen, aber … überlass dieses Schönfaselnzurechtlügen den Foreninsassen. Danke. Wenn Dir danach ist, machen. Probier es einfach aus. Ausreichend lange vorher, mach Dich mit dem Ding vertraut.) 

Ausreichend Speicherkarten in der eher unteren Grössenordnung (hält im Fall des Falles Verluste in Grenzen. Mit sowas habe ich keinerlei Erfahrungen *aufHolzklopf*, aber sicher ist sicher … 32GB treiben Tränen in die Augen, 128 plus Dich in die Nähe des Stricks.). Filmen ist eine andere Geschichte. Überleg Dir, ob Du mit 8k eigentlich nur einem mainstream-Wichtig-wichtig-Trend folgst. Sucherviereck ist Sucherviereck, in dem spielt die Geschichte. Schon aus ‘Gewohnheit’. Croppen wird dann schnell zu einem Himmelfahrtskommando, gerade bei Bewegtbild ; 8k mit dem Ziel des croppens will komplett anders aufgebaut werden. Das braucht richtig Übung … 
Und weil Sucher Sucher ist, wirst Du auch so fotografieren, wie immer. Es ist ein Irrglaube, man ‘sähe’ mit einem Male anders, nur, weil man sich in der Fremde befindet. Es hat etwas mit dieser Aufmerksamkeit zu schaffen – es ist in der Fremde erst einmal alles neu. Du wirst allein schon aus dem Grunde ‘mehr’ sehen und mehr fotografieren. Aber ‘anders’ ? Kein Stück. Zuhause alles aus Stehhöhe – im Urlaub alles aus Stehhöhe.

« Listen »

Die klassischen Sehenswürdigkeiten. Wenn nötig, inkl. Öffnungszeiten. Die Sachen, die Dir während der Vorbereitungen aufgefallen sind und interessant werden könnten. 
Es geht darum, dass es sich im Kopf verankert, was es wert ist oder werden könnte, fotografiert zu werden. Ausserdem sind die Dinger hilfreich als ‘Plan B’. Es werden sowieso Sachen ins Sichtfeld kommen, die ‘jetzt’ fernab jeder Agenda sind. Deine Neugierde, da ist sie wieder 😉 .

Bleib realistisch. Alleine unterwegs zu sein ist etwas vollkommen anderes, als mit der family im Schlepptau – lote die (verbleibenden) Möglichkeiten und Chancen aus. Oder gar als Gruppenallinclusive-Horror (dazu kann ich so überhaupt nichts beitragen, habe ich noch nie gemacht und wird auch nie passieren. Ich scheue derart Touren. Und mag Tourihochburgen vor und nach den Zeiten, in denen alle wie die Heuschrecken drüber herfallen … ).

Auf Tour

Klitzekleiner reminder: Die Anreise gehört mit zur Geschichte. Mach Bilder. Ebenso auf dem Rücktransfer in die Heimat.

Mach es ‘rund’ mit solchen Kleinigkeiten. Hotelzimmer / Unterkunft ? Mitnehmen. Bei solchen Dingen ist dieser sonst komplett dämliche Spruch « Haben ist besser, als brauchen » tatsächlich sinnvoll 😉.

Ankommen I

Taxifahrer, Hotelpersonal ausfragen, ob aktuell besondere Veranstaltungen im Ort anliegen, die sehenswert sind. Frag die, wo die abends hingehen, wenn sie mal loszuckeln. Das werden eher nicht die Tourihotspots sein. Und sie werden sich an Dich erinnern, wenn man sich da über den Weg läuft.
Von deiner Unterkunft steckst Du Dir eine Visitenkarte ein. Vielleicht auch zwei. Sowas rettet Dich aus Gassengewirr. 

Ankommen II

Wenn Du ankommst, klapper als erstes die Klassiker ab und mach die klassischen Bilder. Es heisst ja immer so schön « such neue Perspektiven Standorte Bedeutungen was weiss ich mach was anderes als die üblichen Postkarten nochmal », das kommt auch noch, aber erst die Standards. Machen wir alle, haben wir alle in den Datengräbern. Die haben einen ohnehin eisenhart in der Umklammerung und was wegfotografiert ist, bohrt weniger im Hirne. Dann bist Du bereit für das ‘echte’ Fotografieren, bei dem es weniger um ‘Konsum’ geht, als um Bekanntschaften. Letztere können sich – vor allem, wenn das Ziel ‘erreichbar’ ist und öfter aufgesucht wird – mit der Zeit festigen. Sie basieren auf ehrlichem Interesse am Menschen und seinem Leben, echtem Zuhören, Vertrauen, Geben und Nehmen. Je grösser das Vertrauen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Dir Einblicke gewährt werden, die der Durchschnittstourist nie und nimmer zu sehen bekommt. Das wird den Fotografien anzusehen sein und die damit verbundenen Erfahrungen bleiben tief in Dir drinnen abrufbar. 

In die Vollen

Und damit sind wir schon mittendrin. Also, wenn Du vor Ort jemanden kennlernst, der Dich mit zu sich nach Hause nehmen würde oder nimmt, dann bist Du so richtig mittendrin. Klapper vielleicht einen Ort deiner Liste ab und wenn es sich ergibt, Dir danach ist, dann lass Dich einfach treiben. Um den Block, da ist ein Durchgang ? Rein da, mal sehen, was sich da versteckt. Neugierde. So kommst Du auch an Bilder, die abseits des mainstream sind, weg von denen, die eh alle haben. Saug die ersten Eindrücke ein, diese Kakophonie aus Geräuschen und Gerüchen und ‘Einblicken’. Hab ein Auge für die kleinen Details, die Texturen, Licht, Schatten vor allem, Farben. Konzentriere Dich darauf, das alles fotografisch auch ordentlich zu erzählen, statt einfach reinzuhalten. 

Narrativ

Behalte die ‘klassischen’ Aufnahmen im Hinterkopf : Übersicht, Halbnah, Nah, Detail. Variiere Standpunkte und Blickwinkel. Cutaways als ‘Übergangsbild’ oder ‘Lückenfüller’ (der Ausdruck kommt eigentlich aus dem Film- und Fernsehbereich – Eine Cutaway-Aufnahme ist eine ergänzende Aufnahme, die von der Haupthandlung wegschneidet, um auf etwas anderes im Raum hinzuweisen, beispielsweise auf ein Objekt oder einen Ort. Shoot for the edit. Ist auch bei Fotografie hilfreich.) Wärst nicht der Erste, dem zuhause beim editing und sequencing auffällt, dass da ‘was fehlt’, um das Narrativ ‘rund’ zu machen *hüstel*. Weiterer Tip : Zu viele ‘action shots’ … erzähl auch was vom Ort, der Umgebung. Du weisst, was ich meine 😗

Trödeln

I only know how to approach a place by walking. For what does a street photographer do but walk and watch and wait and talk, and then watch and wait some more, trying to remain confident that the unexpected, the unknown, or the secret heart of the known awaits just around the corner.
– Alex WEBB

Bleib ‘lange’ an einem Ort (Ort hier im Sinne von Platz und so, statt ‘Kleve’). Lass Dich auf ihn ein, lass ihn wirken. Mach kein ‘Geheimnis’ daraus, dass Du da bist. So lange, bis die Menschen da sich daran ‘gewöhnt’ haben, dass Du da bist. So lange, bis die an Dir das Interesse verlieren. Denn ab dann werden sie sich ‘natürlich’ benehmen und ihr Tagwerk einfach so weitermachen. Dann kommen die ‘ungestellten’ Bilder. Schlagartig spielt diese offenbar mächtig wichtige ‘Überlegung’, ob der Auslöser klappert oder lautlos ist, keine Rolle mehr. Warum feige sein und von hinten oder aus der Hüfte abschiessen ? Die wissen, dass Du da bist. Sie ignorieren das Auslösergeräusch. Ganz davon ab, dass Du wahrscheinlich der Einzige bist weit und breit, der das überhaupt hört. Nähe zum Ohr und so, nech. Ansonsten geht das im allgemeinen Geräuschteppich binnen eine Meters komplett unter. Und ausserdem sind das keine ‘Opfer’. Das sind Menschen, die einen ehrlichen, offenen, respektvollen Umgang verdienen. Du bist da, die wissen das. Sie machen einfach weiter. Du auch. Ohne wichtig wichtige Geheimniskrämerei. Solche geheimniskrämernden Gäste will ich zuhause kein Stück haben. Die schnüffeln in Schubladen.

Lass Dich treiben. Verlauf Dich. Ist irre spannend 😋. GPS und oder Visitenkarte vom Hotel bringen Dich schon wieder dahin zurück. Bei allem : Ausreichend Flüssigkeit aufnehmen. Ab und zu einen Snack. Ich schluder damit gerne, wenn ich im Flow bin und bin irgendwann über mich selbst verdutzt, woher diese widerliche zappelige Getriebenheit herkommt … 
Lass Serendipität wieder zu. Dieses Glück des Unverhofften, des Zufälligen und des Zufalls, das die Ahnung von Variation, Vielfalt und Verstörung ermöglicht. Die Schönheit unbeleuchteter Gassen eines portugiesischen Dorfes, einer Kleinstadt in Oberschwaben oder im Zentrum von Samarkand wahrzunehmen, schult die Fähigkeit zur Phantasie. Einfach nur toll. 

Notizbuch

Nimm es mit. Schreib auch die kleinen Sachen rein. Schreib aufgeschnappte Sätze auf. Oder was wer zu einem Gebäude erzählt. Sowas als Zitat geht immer super als Bildunterschrift. Namen, schnieke Pinten, Öffnungszeiten … unerschütterliche Datensammelmaschine. Und was da drin steht, das gerät spätestens beim sequencing wieder ins Sichtfeld.

Beim Anhang im Schlepptau oder in der Gruppe

Mit Familie oder einer Gruppe unterwegs – sowas ist mit einem einzigen Manko belegt : Du hast in aller Regel wenig Chancen, zu den ‘fotografisch passendsten’ Zeiten unterwegs zu sein und oder stundenlang zu warten. Dich zu ‘verlieren’. Wobei es einen guten Fotografen ausmacht, mit den vorgefundenen Begebenheiten was anfangen zu können und das in feine Ergebnisse zu übertragen. Selbst mittags unter brennender Sonne geht das. Auch, wenn die ganzen armchair experts in den Foren das anders sehen. Aber denen ist das Wort ‘Kontraste’ einfach nur fremd. Kontraste, gerade die harschen jenseits der dynamic range einfach hinnehmen und was draus machen. It’s that simple. Zuhause üben, gelle ? Da ist sie wieder, diese Geschichte mit dem Training … Spiel Dein ganzes Wissen und Können aus. Aber mal ehrlich : Willst Du *nur* Postkartenbildchen, weil das für ‘Urlaub’ angeblich ’so muss’ ? Na also. 
Wenn Dir nach feinstem Licht ist, stehle Dich in aller Herrgottsfrühe aus dem Hotel, mach eine Runde und sieh zu, dass Du zum Frühstück wieder da bist, sonst gibt das vollkommen zu Recht Mecker. Oder irgendwann später einen Boomerang. « Das mit Papa war immer fürchterlich. Hält alle 20 Minuten abrupt an, weil er was gesehen hat, das er uuuunbedingt fotografieren musste. » O-Ton der Kinder von Harry GRUYAERT in einem Film von seiner Tochter über ihn. Wie ein Schneeball im August 😁.

Mit Familie unterwegs bedeutet in erster Linie Erinnerungsbilder. Sei Dir dessen bewusst, streiche den Rest an superdupercrazy shit und entspanne Dich. Bist Du entspannt, ist es der Rest auch. Meistens. Nimm die Situationen, wie sie sind und wie sie kommen. Ohne Frustration. Seid Ihr als Individualreisende unterwegs, könnt Ihr Euch eh alles aussuchen, was Ihr machen wollt. « Der heutige Ausflug steht unter dem Motto ‘Expeditionscorps’ ». Möglicherweise werden die kids Dich dafür lieben. Abenteurer sein. Den verschwitzten Lederhut tief ins Gesicht, die Peitsche zusammengerollt und mal gucken, wo der Kristallschädel versteckt ist. Irgendwas in der Richtung. Sei kreativ ☺️. Und was an Situationen ‘verpasst’ ist, ist halt nie passiert. Previsualisierung, auch so ein Übungsding. 

Schlagartig anders ist das im Rudel – die gefürchteten Gruppenreisen. Das mit dem früh aus der Unterkunft stehlen kann noch was werden, alles andere musst halt auf Dich zukommen lassen und dann mit Deinem gesamten visuellen Wissen zaubern. Das geht. Das macht Deine Bilders anders, als nur mainstream-insta-Krempel. Komposition, Komposition, Komposition. Hintergrund, Mitte, Vordergrund. Licht. Guck Dir Expeditionsreportagen an und pflück die Bilder auseinander, was die da visuell wie veranstaltet haben, die als Fotografen dabeiwaren. Und was da offenkundig ‘am Rande’ an Fotografien entstanden ist. Die ‘mussten’ da auch mit dem Tross mit … Versuche, das auf das, was auf Dich zukommt, zu übertragen – die Grundgedanken hinter den Bildern.
Wie eingangs schon : Anreisen zu irgendwelchen Sehenswürdigkeiten / Ausflügen gehören mit zur Tour. Nimm das mit. Ebenso Lokale und Etablissements, die unterwegs aufgesucht werden. Übersicht, Halbnah, Nah, Detail 😇. 
‘Scenic viewpoint’ … die sind halt, wie sie sind. Nimm sie mit. Sei möglichst mit der ersten Welle in der ersten Reihe. Dann drehst Dich um und machst Bilder von den Knipsern. Wenn das irgendwelche instafamous hotspots sind auch vom ganzen Müll. Mensch ist halt komplett doof und das darf gerne der Nachwelt erhalten werden, damit die ein klitzekleinwenig ins Denken kommen. Das sieht da aus, wie es aussieht, weil Mensch nämlich eben dieses Nachdenken verweigert. Und worin liegt eigentlich diese offenbar unüberwindbare Schwierigkeit, seinen Dreck wieder mitzunehmen ? Erfahrungsgemäss ist das leergefressen und leergesoffen leichter, als voll auf dem Hinweg … Wird mir wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Respektlosigkeit hurra 🤢🤮. Das Stichwort dazu ist « overtourism » und irgendwie sind wir ein Teil von dem Ganzen. 

Bei allem : Spass haben. 


Ich schaue dem Bus nach, der gerade an meinem vorbeigefahren ist. Und wieder bedecken Regentropfen die Scheibe.






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