
In letzter Zeit wird es immer öfter auffällig – das Missverhältnis der Kamerabesitzer zu ihrem Hauptmotiv. Grandiose Katastrophen in diesen ‘Bildqualitäts-‘ und ‘Äquivalenzvergleichen’, den ‘Galerien’ sowieso, weil es fies präsentiert oder gleich ganz weggelassen wird. Die ‘Bilder’ sind allerdings super geeignet, zu begreifen, was so alles schiefgeht, wenn Wissen auf Schaltkreise und Blah limitiert ist.
Du willst etwas zeigen, etwas sagen. Dann hast du also ein wie auch immer geartetes ’Thema’. Etwas, um das sich Gespräche drehen. Bei Bildern etwas, auf das du Wert legst. Ein Hauptobjekt. Dann komm auf den Punkt, bring den Betrachter hin auf den Punkt. Unmissverständlich. Gerade heutzutage in diesen ‘sozialen Medien’ ist das von erheblicher Bedeutung ; diese timelines, die stellen einfach keinen Zusammenhang mehr her. Da soll auch gar keiner bestehen, denn sonst wird das mit dem Werbemüll nämlich tricky. Und weil dem so ist, wie es ist, sollte jedes gezeigte Bild nach Möglichkeit umgehend ‘wirken’, möchtest du damit was auch immer erreichen.
Mensch will wissen, was Thema ist, das liegt in unserer Natur. Gerne auch einigermassen zügig. In jeder halbwegs ordentlichen Zeitung sieht das so aus : Überschrift, ggfls. Unterzeile, Lead, Text. Die BILD ist *das* Paradebeispiel, wie sowas gemacht wird. Auf einen einzigen Blick zu erfassen, um was es geht. Seriösere Blätter machen es weniger reisserisch, aber das Prinzip gilt auch bei denen :
Die Überschrift in gross und fett (und über alle Spalten), um das Interesse zu wecken. Dann die Unterzeile, die als zweite, kleinere Überschrift die Kernaussage des Artikels zusammenfasst. Anschliessend der Lead mit einer ‘Einleitung’ des Artikels, in der dem Leser kurz und knapp vermittelt wird, worum es geht. Wem das reicht, dem reicht das. Wer mehr wissen will, der taucht ein in den Text.
Ähnlich ist das auch bei Bildern gültig. Hauptobjekt, ‘nachgeordnet unterstützende’ visuelle Elemente und dann vielleicht noch ein paar Dinge zum ‘Entdecken’ oder als ‘Überraschung’, so sie das Hauptmotiv stützen.
Sometimes There is Nothing
Eigentlich ist das mit dem Hauptmotiv in der Fotografie eine Selbstverständlichkeit. Dachte ich. Mal. Ich dachte auch neulich in einem Telefonat bei « This internet makes a lot of people dumber by the day » zunächst an erfrischenden Sarkasmus. … Aber es ist die ganz bittere Realität. Widerlicher als eine ausgewachsene Blasenentzündung. Steigen wir also noch einmal ein, in diese Materie.
Subject of Interest
(Ich verwende einfach diesen Ausdruck noch einmal stellvertretend für « Hauptmotiv », weil da dein Interesse am Motiv ganz allgemein und überhaupt mit reinspielt 😉 )
Im weitesten Sinne gilt : Wenn unklar bleibt, worum es in dem Bild geht, dann wird es scheitern. Eine Fotografie ohne Motiv ist wie ein dîner ohne Hauptgericht oder eine Geschichte ohne Handlung – es kann ein unmittelbares, vorübergehendes Bedürfnis stillen, aber dauerhaftes Verankern und Einprägen und Erinnern ? Fehlanzeige. (Abstrakte Fotografie und ihre eleganten Schönheiten lasse ich mal bewusst aussen vor. Ich verrate : Alles wird Motiv. Da steigst du selber hinter, wenn deine fotografische Entwicklung an diesen gewissen Punkt kommt. 😉 )
Also : Ein Bild hat schlicht und ergreifend keinen Sinn, wenn es kein subject of interest gibt. Ein Foto ist eine Darstellung von etwas : Wenn es nichts zu präsentieren gibt oder unklar ist, was die Darstellung eigentlich soll, warum sollte man sich dann überhaupt die Mühe machen, das ‘Ding’ da zu begucken ? Für den Fotografen mit der Fähigkeit der (Prä)Visualisierung : Warum die Kamera rauskramen oder den Auslöser drücken ?
Die ‘Aufgabe’ für mich als Fotografen besteht darin, dass ich vor der Aufnahme wissen sollte (eigentlich : ‘muss’), um welches Motiv es sich handelt und in welcher Beziehung die anderen Elemente im Bild dazu stehen und die Geschichte erzählen. Oder vielleicht beziehen die sich auf etwas anderes und bauen eine umgekehrte Geschichte aus Gegenüberstellung und Kontrast. Es hängt alles davon ab, was mit dem Bild ‘erzählt’ werden soll. Hier kommt der gute alte Schnack zum Tragen « Malerei ist eigentlich das Hinzufügen von Dingen, damit es ein Bild wird. In der Fotografie ist es das Weglassen ». Achte auf das, was im Sucher ist und was davon keine Unterstützung des Hauptmotivs bietet. Schmeiss es raus, wenn irgend möglich. Stichwort : Andere Position der Kamera. Näher ran, andere Optik, verstecke es, das ganze Programm.
Das Motiv soll hervorstechen und visuell offensichtlich sein, es sollte der (metaphorische und optische) Mittelpunkt des Bildes sein.
Also : Hab eine klare Vorstellung davon, worum es in dem Bild geht – « Warum will ich das zeigen » spielt hier rein. (Ich weiss, es ist nicht immer auch alles umsetzbar, daher ist wichtig, dass du mit einer möglichst ‘klaren’ und überzeugenden Idee beginnst, im Entstehungsprozess. Zeig mehr, als nur ‘Ding’.)
Etwas Anregung ? Gerne. Landschaft : Bring einen Kontext mit rein. Vorne rauhe, zerfurchte, grobe Borke im Kontrast gegen Wattebauschwolken. Fabe und Texturen, das klassisch wogende (Bewegung, längere Belichtungszeit noch im Hinterkopf ? Cool 🙂 ) Getreidefeld unter tiefblauem Himmel. Viecher : Kraftvoll ? Elegant ? Geschmeidig ? Kaputtgespielt ? Energiegeladen ? Flink ? Den Flug ? Zeig ‘fliegen’, ganz kleine Unschärfen an den Flügelspitzen reicht schon für den ‘Kick’ zwischen ‘Vogel’ und ‘fliegender Flattergeselle’. Denke einfach ein bisschen nach und tob Dich aus. Denke vor allem *vor dem Druck auf den Auslöser drüber nach.
Zeig mir nicht nur den Mond ; zeig mir den glitzernden Schein auf einem zerbrochenen Stück Glas
– Anton Tschechow
Ersteres zeigt nur den Erdtrabanten, Letzteres ist eine Interpretation, ein Gedanke, eine Absicht ‘hinter dem rein Offensichtlichen’. Denk drüber nach 😉
The Technique is Invisible
Wenn du dein Motiv eingekreist hast, geht es ans Eingemachte.
Komposition / Gestaltung / visuelle Kommunikation
Ich schreibe es auch hier noch einmal, selbst wenn es vielleicht nervt :
Mensch ist mit seiner Wahrnehmung auf dem Stand STEINZEIT.
Vor allem, wenn es um den allerersten Eindruck geht. Wir fahren nach wie vor auf Mustererkennung ab, weil die ganz ganz tief im evolutionär ältesten Teil des Hirnes verankert ist. Überlebenssicherung und so. Das geschieht, noch bevor das Gehirn da irgendwelche Verbindungen zu ‘Namen’ oder ‘Bezeichnungen’ hergestellt hat. Der ganze Schnickschnack dieser jetzigen Zeit interessiert für einen ersten Eindruck kein Stück. Am allerwenigsten dieses Gewese und Geschiss um « Freistellung ». Angekommen ? Gut.
Komposition also (und an dieser Stelle auch nur ein einem kruden Schnelldurchlauf, unvollständig obendrein). Menschen reagieren da unterschiedlich drauf. Was aber den allermeisten ‘liegt’ ist eine Vorliebe, ein gewisser tieferer Sinn für Ausgewogenheit (Balance) und Symmetrie. Dann Linien, die den Blick lenken. So etwas hilft, das Wesentliche ins Auge fassen zu können. Linien, Flächen, Formen, die Dinge hervortreten lassen. Und subframing, wenn innerhalb des Bildes das Hauptmotiv selbst noch einmal einen eigenen ‘Rahmen’ bekommt. Figure-Ground. Vermeide visuelle Unordnung. Hirn liebt eine gewisse ‘Ordnung’ – also Überfrachtung lass besser bleiben.
Ebenfalls mögen wir es, wenn die Oberseite eines Bildes visuell ‘leichter’ ist, als die Unterseite. Ich bin mir jetzt ein klein wenig unsicher, woher das kommt, aber es hat etwas damit zu tun, dass der Himmel im echten Leben heller ist, als der Boden. ‘Erdung’ und so. Und wieder dieser archaische Überlebensdrang. Düster von oben verheisst wenig Gutes, da kann uns der Himmel auf den Kopf fallen. Oder der zottelige Säbelzahnschlingel fletscht sabbernd die Lefzen und hat von oben deine knackigen Lenden im Blick. Puh, Mundgeruch vom Feinsten.
| In seiner einfachsten Definition ist « Komposition » die Art und Weise, wie die verschiedenen Elemente eines Bildes relativ zueinander angeordnet sind und wie diese räumliche Beziehung die Geschichte des Hauptthemas erzählt oder die gewünschte Botschaft vermittelt. |
Die Beherrschung der Kompositionselemente bedeutet zu wissen, wann welches Werkzeug wie eingesetzt werden kann sollte muss, um die Präsentation des Themas zu verbessern, zu verstärken. Das ist wirklich, wirklich wichtig. Unser Gehirn möchte gefordert werden, möchte entdecken dürfen. Dieser ganze Blog ist voll mit entsprechenden Artikeln, acker dich durch. Mach ruhig, ich kann das sehen, dass das viel zu selten passiert, den Verlinkungen auch zu folgen. Überfordert ? Jetzt schon ? Na komm, gib dir einen Ruck ! Deine Bilder haben das verdient 🙂 Ausserdem ist die Zeit hier besser investiert, als sie bei der Werbeschleuder und Tech-Porn zu verplempern 😉
Und achte auf den verflixten Hintergrund, dass da keine ablenkenden oder sonst nervenden Sachen sind. Die sieht man hinterher nämlich doch. Sieht dann aus wie Sensordreck. Oder der berühmte Feuerlöscher, der da ‘verschwinden’ soll – der taucht als roter Fleck auf. Rot zieht aber den Blick mit dem Signal WICHTIG ! Der Rest wird dann egal. Und erst diese verschwommene Linie, die wie eine Guillotine den Kopf vom Rest des Körpers trennt … Dagegen ist das berühmte Geweih aus Ast und oder Zweigen Kindergeburtstag. Auf sowas lässt sich niemand ein, der weiss, was er tut. Das professionnel bewährte Vorgehen ist, sein Bild quasi von hinten nach vorne, also vom Hintergrund zum Vordergrund hin aufzubauen, dann ist die Gefahr meistens gebannt.
Weil ich just dabei bin und es in diesem Beitrag einfach auch passend ist, gibt es gleich noch ein paar Dinge an die Hand:
« Technik »
Bisserle muss erwähnt werden. Das Hauptmotiv möchte zum Beispiel nach deiner Vorstellung von ihm, der allgemeinen Darstellung, Stimmung etc. ‘korrekt’ belichtet sein. Gerne eigentlich auch ‘scharf’. Wobei das Zeigen von Bewegung offenbar aus der Mode zu kommen scheint. Weiss wohl kaum noch jemand, wie das machbar ist. Ergo kannst damit punkten, sowas ist inzwischen ‘ungewöhnlich’, weckt Interesse. Merken. Machen. 😉
Wenn du ein ‘starkes’ Motiv oder eine richtig gute Komposition hast, dann ist es das Motiv, was die Betrachter zuerst sehen werden. Und zwar ganz gleich, wie ‘schlecht’ die Ausführung sein mag.
Niemand erinnert sich wegen irgendeiner « technischen Perfektion » an Robert CAPAs legendäre Bilder von der Landung am D-Day in der Normandie, sondern eher an das Ereignis als solches und denkt vielleicht noch daran, wie der es geschafft hat, dieses chaotische, eindringliche und düstere Gefühl zu vermitteln, tatsächlich ‘mittendrin statt nur dabei’ zu sein. Und mach mal gestochen scharfes Zeug mit ISO 25, wenn dir Kugeln und Granaten um die Ohren fliegen.
In den technischen Kram spielt auch der Dynamikumfang der Kamera mit rein. Halte dich bitte ganz doll zurück mit den Schubsereien der Regler für Tiefen und Lichter. Belichtung auf den wesentlichen Teil, gelle, da ist das wieder, da soll der Blick hin. Der Rest soll unterstützen. Rupfst du nun alles auf ein sehr ähnliches Level, geht das wegen der sich angleichenden Helligkeitswerte umgehend in Konkurrenz miteinander und der Betrachter hat das Fragezeichen über dem Kopf hüpfen, was denn nun eigentlich wichtig und oder das Hauptmotiv sein soll. Vermeide derlei Kakophonie wie der Leibhaftige das Weihwasser. Ausserdem sind Schatten spannend, da kann das Hirn so richtig auf Hochtouren kommen und sich was zu ausdenken. Kontraste lenken Blicke.
Gleiches für Rauschunterdrückung. Überlege dir dreimal, ob das tatsächlich erforderlich ist – Rauschen ist Stilmittel. Bewusst eingesetzte ‘Unschärfe’ oder ‘Verwackelei’ ebenfalls. Storytelling. Rauschen triggert Emotionen. Kälte, Wind, Hitze. Bewegungsunschärfe und Verwackelei können Geschwindigkeit, Unsicherheit, Hektik, Panik. Oder vergehende Zeit. Überlegungen und Wissen, welches Foreninsassen meist vollkommen fremd ist.
Sei sparsam mit dem Aufreissen der Blende. ALLE Gestaltungsmittel sind visuell interessanter, wecken mehr Interesse, bringen den Auge-Hirn-Apparat in freudige Erregung, als diese plump tumbe Vorschlaghammermethode mit ganz weit offener Blende. Auch an dieser Stelle noch einmal : Das ist was für Situationen, wenn alle Stricke reissen.
Kontext
« Kontext » ist immer gut und bezeichnet die Art und Weise, wie der Betrachter sich (s)eine Geschichte des Hauptmotivs zusammenbaut, indem er sekundäre Elemente im Bild als mentale Markierungen nutzt. Solche sekundären Elemente helfen dabei, ein Thema, eine Fotografie in Bezug auf Zeit, Ort, Kultur, Epoche, Stimmung einordnen zu können. Sie geben außerdem weitere (psychologische) Hinweise wie Reichtum, Armut, Unsicherheit, Gefahr, ungestellte Fragen usw. .
Ein Fotograf hat ein Augenmerk dafür, dass die Elemente im Rahmen die ‘richtige’ relative Hervorhebung haben. Das heißt, der Blick des Betrachters wird zuerst auf das primäre Motiv, das Hauptmotiv und dann auf die sekundären Motive in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit gelenkt. Ist dies nicht der Fall, kann es sein, dass die Aussage des Fotos ganz anders interpretiert wird, als es die Absicht des Fotografen zum Zeitpunkt der Aufnahme gewesen ist. Zu den Eigenschaften eines Motivs, die sich auf die relative Hervorhebung auswirken, gehören dessen Größe und Position im Bild (‘Drittel’ zum Beispiel oder mittig oder ganz an den Rand … ), die relative Helligkeit und Kontrast / Farbe gegenüber dem Hintergrund (ist jetzt ein Nebenschauplatz, aber diese Helligkeits- / Kontrastnummer wird bei Portraits gerne genommen, dass das Gesicht der ‘hellste’ Bereich im Bild ist. Guck dir beispielsweise die Arbeiten von Albert WATSON, Yousuf KARSH oder Irving PENN daraufhin mal an.)
Als Beispiel vielleicht was aus dem Bereich des Fotojournalismus : Weitwinkel, stark gerichtetes Licht, etwas atmosphärischer Dunst, eine wütende Person vorne mittig in einem Sonnenstrahl, nah an der Kamera. Weiter hinten andere Personen, die nach erstem Eindruck das Gesicht verziehen (denke dir zusätzlich, dass die ‘klein’ und weiter von der Kamera entfernt sind, kaum richtig zu erkennen). Dazu vielleicht noch einige zerstörte / verbrannte Objekte und ein Feuer, alles in einem zerstörten Gebäude im Hintergrund. Hast das vor dem geistigen Auge ? Das Erste, woran wir denken, wenn wir ein Bild wie dieses sehen ist : Krieg. Aber was wäre, wenn die verärgerte Person keinen Lichtstrahl abbekommen hätte, die Kamera näher an den anderen Menschen positioniert wäre, die jetzt eher ‘neutral’ gucken und welche sogar lachen ? Und dass das rotte Gebäude im Hintergrund zwar verlassen, aber das einzige seiner Art in einem augenscheinlich eher wohlhabend wirkenden Stadtgebiet ist ? Diese beiden Bilder haben eine ganz unterschiedliche Geschichte, oder ? Anderer Kontext, andere Interpretation.
Timing
Das Konzept des « timing » lässt sich am besten mit dem « entscheidenden Augenblick » nach Henri CARTIER-BRESSON auf den Punkt bringen : Du hast nur ein Bild, um die gesamte Geschichte zu erzählen. Das meint im Klartext, dass alles, was passiert ist, passiert und gleich passieren wird, in diesem einen Bild festgehalten werden will. Ultimative Kurzform : der « entscheidende Moment » ist der, in dem sich alles grafisch zu einem ‘gefälligen Ganzen’ fügt. Gestaltpsychologie hoch und runter.
Langform : Es ist *die* Beziehung zwischen den Ereignissen, die sich deutlich im Bild abspielen und den gegebenen Hinweisen, anhand derer der Betrachter interpoliert, was sich auf beiden Seiten der Zeitachse befindet. Obwohl jeder der anderen Faktoren meistens mehrere Möglichkeiten hat, als Bild zu ‘funktionieren’ (wenn auch mit unterschiedlichen Geschichten), gibt es für jede Botschaft oder Geschichte immer nur einen entscheidenden Moment. Wenn du den einen verpennst, gibt es noch andere Momente, aber jeder hat eine andere Geschichte. Zeit ist ein Kontinuum und ein künstliches menschliches Konstrukt, aber gleichzeitig ist der Fluss der Kausalität einseitig. Verstanden ? Begnüge dich mit der Kurzform, die reicht vollkommen aus 😉
Timing bedeutet auch, den Höhepunkt einer Aktion zu erwischen. Dazu ist es immer von Vorteil, eine solche Aktion zu kennen und zu wissen, was wie wann warum möglicherweise passieren wird. So etwas quasi ‘voraussehen’ zu können. Gilt vor allem bei Sportarten. Fehlt dir da das Wissen, werden es auch 100 Bilder die Sekunde kaum retten. Ganz abgesehen davon, dass der ganze Datenhaufen nach ‘dem einen’ geflöht werden will. Zeitverschwendung.
Timing meint, bei Personen diese kleinen Gesten festzuhalten, die für einen gewissen Pepp sorgen (können). Da ist das Studium menschlicher Gesten höchst brauchbar. Wink mit dem Zaunpfahl, kümmer dich. Leeres, doofes Fischmaulgrinsen kann jeder festhalten. Echtes Lächeln oder Lachen mit den echten Fältchen am Auge schon weniger. Wenn die Fältchen entstehen, bevor es zum Grinsen Lächeln Lachen kommt ist die ganz hohe Kunst. Micro expressions. Du hast ungefähr 1/30 Sekunde zwischen Entstehen erahnen und ausgelöst haben.
Timing meint, dass das Licht gerne auch so ist, wie du dir das vorstellst, damit es das Hauptmotiv unterstreicht unterstützt überhaupt erst so richtig herausarbeitet. Hab die Wolken im Auge.
Timing bedeutet Geduld zu haben und das Warten aushalten zu können.
Psychologisches
Etwas, das mit dem kulturellen Hintergrund zusammenhängt – stell es dir als eine kollektive Kultur der Menschheit vor. Es gibt Dinge, die bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen eine Reaktion hervorrufen – thematisch umfasst dies alles, was tabu ist, wie zum Beispiel den Tod. Dann alles, was gefeiert wird, wie Geburt oder Heirat, Geburtstag, Taufe, Firmung. So Dinge wie Lächeln, Tränen, Anspannung, Wut und alle anderen starken emotionalen Hinweise. Dir fallen bestimmt noch ein paar ein. Die Möglichkeit, solche Momente in ein Bild einzubauen, erhöht die Gesamtwirkung der Aufnahme zusätzlich – erfahrene Fotojournalisten, die beispielsweise Reportagen für National Geographic, Time, Life usw. produzieren oder produziert haben, sind hervorragend darin, so etwas festhalten zu können. Such die (die Fotografen und die Publikationen) und ihre Fotostrecken. Mach es. Dann pflück die Bilder auseinander und wende es für deine Fotos an. Bis es ‘sitzt’. Wie viele Fotografien hast du von heulenden Kindern ? Oder traurige, nach innen gekehrte Blicke ? Eben. Deutlich zu wenige. Dabei gehört das mit zum ‘Leben’ – dieses unser Dasein ist kein permanenter Strom der Freude. Zeig sowas.
Für den flotten Einstieg : Steve McCURRY, da in den → Selected Works. William Albert ALLARD. Jodi COBB. Gerd LUDWIG. Sam ABELL (Sam ABELL wurde auch von Fujifilm eingespannt. Achte mal darauf, was für eine untergeordnete Rolle die Kamera spielt, bei ihm 😗 Da hörst du den Zwang, spürst du den Widerwillen, auch noch was zum Gerät erzählen zu sollen. Héhé, die Stellen klingen wie damals in der Grundschule – Gedicht auswendig lernen müssen und stumpf runterzuleiern … ).
Dann gibt es eine zweite Gruppe von Elementen, die sich auf die menschliche Psyche beziehen und äusserst nützliche Werkzeuge sein können – die Verwendung von Farbe (oder Schwarzweiß) zum Beispiel. Signalfarben, Farbharmonien und Farbkontraste. Art und Richtung der Beleuchtung und bestimmte Farbtöne oder Schattierungen, um eine Reaktion, eine Empfindung hervorzurufen. Kein wirkliches Geheimnis ist, dass das Bild eines Ortes mit überwiegend warmen Farbtönen (Rot- und Gelbtöne) gemütlich und einladend wirkt. Mit einem veränderten Weißabgleich oder kühlerer Beleuchtung, die zu Grün-, Blau- und Weißtönen führt, kann derselbe Ort klinisch und steril wirken. Ein (wesentlicher) Teil unserer Reaktion auf Farbe ist auf Konditionierungen zurückzuführen, die überwiegend durch ‘die Gesellschaft’ bedingt sind, in der wir aufwachsen und leben. « Klassiker » ist beispielsweise die Farbe ‘weiss’ : In unserem Kulturkreis symbolisierend für Reinheit, Keuschheit und so. In weiten Teilen Asiens ist weiss die Trauerfarbe schlechthin. Ein anderer Teil an Reaktionen / Emotionen ist nach wie vor eine physiologische Sache aus unserer Zeit im Dschungel : In der Natur haben Tiere und Pflanzen leuchtende Farben deshalb, um entweder die Aufmerksamkeit von Partnern oder anderen Artgenossen auf sich zu ziehen oder potentielle Räuber und Fresser vor Giftstoffen zu warnen. Da ist auch der ‘moderne’ Mensch nach wie vor empfänglich für.
Persönliche Bindung
Die ist das einzige Element, über das ich als Fotograf für die Mehrheit meines Publikums so gut wie keine Kontrolle habe – vorausgesetzt, dass das Bild von mehr als denen gesehen werden soll, die es in Auftrag gegeben haben oder direkt daran beteiligt sind. Das hängt mit meiner persönlichen Reaktion auf visuelle Dinge und der der Zuschauer zusammen. Beispiel wären Bilder einer Hochzeit – sie würden mir etwas bedeuten, wenn es meine Hochzeit wäre, und ich könnte aufgrund des Moments, den sie einfangen, vielleicht sogar über kompositorische Mängel hinwegsehen (obwohl ich vermute, dass die Holde durchaus anderer Meinung sein könnte) – aber für jemanden mit einem distanzierten und kritischen Blick sind die Bilder möglicherweise nur von geringem Wert.
Oder vielleicht ein gut gemachtes Stilleben mit Bananen – ich liebe Obst und mag deshalb das Bild sicherlich eher als jemand, der allergisch darauf reagiert oder dem vielleicht als Kind zu viele Streiche mit Bananenschalen gemacht wurden. Auf Betrachterseite könnte das Bild also unangenehm sein und ich habe möglicherweise keinen blassen Schimmer, warum. Jeder trägt seine ureigenen Erfahrungen und damit Interpretation von irgendwas mit sich rum.
Die Moral dieser Geschichte : Nimm dir etwas Zeit, um dein Publikum wenigstens ein bisschen zu verstehen, einzuschätzen. Eine der ersten Fragen, die ich einem Kunden immer stelle : « Ist es für Sie oder Ihre Kunden ? Was soll diese Zielgruppe sehen ? » Frage dich, wer das angucken soll. Oder wird.
Und ganz zum Schluss ist da noch
der X-Faktor
Huhhhhh, it’s magic 😉 So richtig herausragende Bilder haben etwas, das über die bisher angesprochenen Punkte hinausgeht. Das ist etwas, das weder quantifizierbar ist und vielleicht nur aus Glück und Zufall entsteht, noch sich wiederholt. Das richtige Thema im richtigen Moment im richtigen Licht mit gerade genug Kontext, um die Geschichte zu erzählen, aber gerade noch nicht so viel, dass sie überwältigt, und es muss eine Art persönliche oder emotionale Verbindung zum Betrachter hergestellt werden. Magie. So eine Art ‘kontrollierte Unvollkommenheit’.
Wie oft gelingt es eigentlich, ein richtig tolles Bild zu machen ?
Einmal im Jahr, vielleicht. Wenn man Glück hat. Der Rest ist ‘Routine’ auf hohem Niveau.– Thomas HÖPKER
Unterschätze niemals die Bedeutung des Glücks, zur richtigen Zeit genau am richtigen Ort sein zu dürfen 🙂
Epilog
Hab ein Hauptobjekt und präsentiere es nett. Wenn da im Bild keines ist, denk drüber nach, ob das wirklich das Licht dieser Welt erblicken soll. Oder braucht es dafür ein zweites ? Dann nimm eine Plattform, die solche « Zusammenhänge » erlaubt … Und lass es besser sofort bleiben, dich damit rausreden zu wollen, es sei « das spontane Festhalten einer Situation aus eben dieser heraus ». Das ist ausgesprochen dumm und zeigt nur überdeutlich deine Unwissenheit, sich um die ‘Empfänger’ zu kümmern. Denn *du* hast es vergeigt ; das ist kein ‘Fehler’ auf Seiten des Betrachters. Setz sowas mit anderen Bildern in einen Zusammenhang oder lass es einfach auf deinem Rechner.
Ganz schnell noch etwas ; meiner Beobachtung nach gibt es in diesem Internet grob drei Arten von bildermachenden Menschen:
- Die, die alles hochladen, keinerlei Qualitätskontrolle oder Auswahl treffen (editing / culling) … meist so … najaaaa-Bilder. Wenn du dir die überhaupt anguckst.
Die haben mit ziemlicher Sicherheit keine Vorstellung davon, was ein ordentliches Bild ausmacht. So etwas ist denen so fremd wie Kiswahili oder vielleicht schlicht egal. (Andererseits sollten wir auch berücksichtigen, dass diese ‘sozialen’ Medien überwiegend zum ‘wahllosen’ Teilen genutzt werden. Auf ‘Fotoseiten’ und in diesen Foren sind das aber die mit ganz ohne Plan von Bild. Kamerabesitzer.) - Dann die, die kurz drüberhuschen über ihren Bilderhaufen, davon auch ordentlich viele Dinge hochladen. Ein paar tatsächlich ordentliche Bilder dabei, Rest meist mittelmäßig.
Das ist der Typus des ‘ambitionierten’ Amateurs und der möchte gerne auch vernünftige Bilder machen können. Er erkennt wahrscheinlich ein gutes Bild, wenn er eines sieht, ist aber nicht in der Lage, seine erfolgreichen Bilder in eine Reihe von Dingen zu zerlegen, die er reproduzieren kann. Wissenslücken um die visuellen Kommunikationsmittel, Vorgang des Sehens und ‘psychologisch wirksamen’ Triggern. - Und schlussendlich die, die nur ihre ‘guten’ Sachen hochladen und ein gleichbleibendes Qualitätsniveau zeigen.
Die wissen, was wie warum funktioniert und machen sich gar nicht erst die ‘Mühe’, den Rest an Fotografien zu bearbeiten, weil sinnlos. Die haben sich die aber beguckt und analysiert und wissen daher auch recht flott, wenn etwas nicht ganz stimmt.Dieser Typ sollte dein persönliches Ziel widerspiegeln. Mit Wissen und Übung Übung Übung wird das werden. Ran da, ist kolossal toll 🙂
Im Fernsehen des Diners lief ein Fussballspiel. Nicht, dass es auch nur irgendwie von Bedeutung gewesen wäre – es war einfach da, wie immer, wie in jeder Bar, die es gab, und hämmerte einem den ganzen Tag Bilder ins Gehirn.
Auf dem Boden zuckte der Hund im Schlaf und wusste nicht, woraus die Abfälle bestanden, die in seinem Napf landen würden.








